Arbeitsniederlegung bei NXP NXP warnt: Investitionspläne in Standort Niederlande durch Streiks gefährdet

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Unternehmen, die in den Niederlanden in die Halbleiter-Industrie involviert sind, sind nicht besonders glücklich über das aktuelle Geschäftsklima im Land. Einige Angestellte wiederum sind nicht glücklich mit ihrem Arbeitgeber; bei NXP wird gestreikt. Die Verantwortlichen von NXP warnen, dass diese Streiks Investitionen in den Standort Niederlande gefährden.

NXP im High Tech Campus in Eindhoven.(Bild:  NXP)
NXP im High Tech Campus in Eindhoven.
(Bild: NXP)

Die FNV (Federatie Nederlandse Vakbeweging), eigenen Angaben zufolge die größte Gewerkschaft in den Niederlanden, hat in jüngster Zeit die Belegschaft des Nijmegen-Werks des Halbleiterherstellers NXP Semiconductors zu einem 24-Stunden-Streik aufgerufen, der am 10. März 2024 begonnen wurde. Hintergrund sind bislang nicht vorangekommene Verhandlungen für einen besseren Tarifvertrag für rund 3.000 NXP-Mitarbeitende. Die FNV schließt nicht aus, dass auf den ersten Streik weitere Arbeitsniederlegungen an weiteren Standorten folgen könnten.

„Die Enttäuschung unter den Mitarbeitenden ist groß. Sie sorgen dafür, dass das Unternehmen sehr gut verdient. Die Tatsache, dass die Geschäftsleitung den Kuchen nicht mit den Mitarbeitenden teilen will, ist eine schmerzliche Feststellung und zeigt wenig Zeichen der Wertschätzung“, so Bernard Van Iren, Vertreter der FNV (via NL Times). Es geht um eine geforderte Erhöhung des Gehalts um 9 Prozent sowie um eine Prämie von 8 Prozent für alle Beschäftigten auf der Grundlage vorher vereinbarter Kriterien.

Unverständnis aus der Geschäftsführung

Die Entscheider von NXP zeigen für diese Forderungen Unverständnis und bezeichnet sie als „unverantwortlich“. „Die Kostensteigerung durch das gesamte Forderungspaket der FNV liegt deutlich im zweistelligen Bereich. Die Gehaltsforderung der FNV kommt nicht annähernd an die Inflationsrate von 3,8 Prozent für 2023 oder die aktuelle Prognose von 2,9 Prozent für 2024 heran“, wird ein Sprecher von NXP zitiert. „Die Forderungen der FNV sind höher als ihr letztes Angebot am Verhandlungstisch, sodass die FNV rückwärts verhandelt.“

Gleichzeitig säße NXP des Berichts von NL Times zufolge mit drei weiteren Gewerkschaften, VHP2, De Unie und CNV, am Tisch und verhandle augenscheinlich moderatere Konditionen. Diese drei Gewerkschaften unterstützen die Aktionen der FNV nicht. Der Unterschied: Die FNV vertritt hauptsächlich die Arbeitenden in der Produktion, während die anderen drei Gewerkschaften maßgeblich Büroarbeitende zu ihren Mitgliedern zählen, erklärt Connie de Jonge von De Telegraaf.

Investitionen in Gefahr?

Nach Beginn des Streiks teilten die Verantwortlichen von NXP mit, dass „der Streik und die Gehaltserhöhungen Auswirkungen auf die Entscheidung haben, in NXP in den Niederlanden zu investieren. Das Investitionsklima in den Niederlanden verschlechtert sich. Dies ist nicht hilfreich.“

Mit der Androhung eines teilweisen oder kompletten Standortwechsels sind die Leute von NXP nicht allein. Auch Lithografiemaschinen-Hersteller ASML lässt seit geraumer Zeit durchblicken, mit dem staatlichen Umgang mit Blick auf Arbeitsmigranten nicht zufrieden zu sein; dabei spiele auch Wohnungsmangel eine Rolle. Ähnlich wie ASML ist NXP auf die Arbeitskraft von Expats angewiesen; laut eigenen Aussagen kommt rund die Hälfte von NXPs Mitarbeitenden aus dem Ausland. Nach Ansicht des NXP-Sprechers haben die Streiks „negative Auswirkungen“ auf das internationale Image des Unternehmens. „Und den Niederlanden geht es international ohnehin nicht gut.“

Auf die Drohung vonseiten NXP reagierte die FNV mit der Bekräftigung, dass weitere Streiks nicht abgeblasen würden. NL Times gegenüber äußert sich De-Unie-Vertreter John Kapteijn, dass die Angestellten von NXP im vergangenen Jahr bereits eine Lohnerhöhung eingestrichen hätten. „Und das ist kein unterbezahlter Sektor. Die Leute verdienen hier gut.“ NXP pokere, so Kapteijn. „Es geht darum, wer zuerst blinzelt. Ich verstehe die Gefühle, aber ich frage mich, ob ein solcher Streik sinnvoll ist. Aber einige Mitglieder haben einfach mehr Sinn für die Realität als andere.“ Wenig Verständnis für die FNV-Forderungen äußerte auch die Vertreterin der Gewerkschaft VHP2.

Arjan Baselmans hingegen, Vertreter der CNV, versteht die Forderungen, wenngleich eine Gehaltserhöhung von 9 Prozent eher hoch sei. Aber: „Aufgrund der hohen Gewinne ist NXP verpflichtet, bei den Verhandlungen Kompromisse einzugehen.“ Wie sich der 24-Stunden-Streik auf die Produktion bei NXP auswirkt und ob mit noch mehr Aktionen zu rechnen ist, wird sich zeigen. Unwahrscheinlich erscheinen weitere Streiks der FNV-Mitglieder allerdings nicht. (sb)

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