Marktverluste Nvidias Marktanteil sinkt in China von 95 auf 0 Prozent

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Jensen Huang, der Gründer und CEO von Nvidia, ist gewöhnlich sehr diplomatisch. Jetzt hat er aber begonnen, Klartext zu reden und die US-Regierung deutlich für ihre Chip-Boykotte gegenüber China zu kritisieren.

Nvidias CEO Jensen Huang muss dabei zusehen, wie sein Unternehmen in China aufgrund des Chipkriegs jegliche Marktanteile verliert.(Bild:  Nvidia)
Nvidias CEO Jensen Huang muss dabei zusehen, wie sein Unternehmen in China aufgrund des Chipkriegs jegliche Marktanteile verliert.
(Bild: Nvidia)

Nvidia, US-Hersteller von KI-Chips, war vor der heißen Phase des Halbleiter-Krieges zwischen Washington und Peking der unangefochtene Marktführer in der Volksrepublik. Das ist nun vorbei. „Wir sind von 95 Prozent Marktanteil auf null Prozent gefallen, und daher kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Entscheidungsträger das für eine gute Idee hält“, sagte CEO Jensen Huang Anfang Oktober 2025 auf einer Veranstaltung von Citadel Securities in New York.

Vor genau drei Jahren, im Oktober 2022, hatte die US-Regierung unter ihrem damaligen Präsidenten Joe Biden erstmals einen Ausfuhrstopp für fortgeschrittene KI-Chips von Nvidia nach China verhängt, unter anderem für den H100 und den RTX Pro 6000. Zeitweise hatte Nvidia noch um den chinesischen Markt gekämpft. So hatte das Unternehmen eigens zwei Chip-Varianten mit reduzierter Leistung für den chinesischen Markt entwickelt, um die von Washington gebannten Top-Chips zu ersetzen – den H20 und den RTX Pro 6000D.

Später geriet das Unternehmen dann aber immer weiter zwischen die Mahlsteine des US-chinesischen Handels- und Technologiekrieges. Mal durfte der H20 in die Volksrepublik geliefert werden, mal nicht.

Vergangenen September hat Peking dann seinen heimischen Technologie-Konzernen von sich aus verboten, Nvidia-Chips zu kaufen. Analysten sehen dafür mehrere Beweggründe. Man wolle in der chinesischen Regierung nicht zusehen, wie sich die heimische Halbleiter-Industrie mit in der Leistung gedrosselten, in der Branche auch ‚kastrierten‘ KI-Chips zufrieden gibt, sagen sie.

Die Lücke muss geschlossen werden

Durch das chinesische Verbot von Nvidia-Chips sind heimische Hersteller nun gezwungen, die entstandene Angebotslücke so schnell wie möglich mit Halbleitern aus heimischer, chinesischer Produktion zu schließen. Huawei hat im September eine ambitionierte „Roadmap“ für eigene KI-Chips bekannt gegeben. Der Umsatz des chinesischen Chip-Startups Cambricon hat sich im dritten Quartal dieses Jahres vervierzehnfacht.

Der andere Grund, den die Analysten anführen, ist, dass Peking nicht mehr von Washington erpressbar sein will – oder zumindest weniger stark. Die jüngste Lockerung der Exportrestriktionen für Nvidia hatte Peking im Juli dieses Jahres noch damit herausgehandelt, dass es mit einer Verknappung von seltenen Erden drohte. Trump lenkte ein und erlaubte wieder den Export von H20-Chips nach China.

In dem erneut in voller Stärke entflammten Handelskrieg mit Washington, in dem unter anderem erneut mit der Verhängung von zusätzlichen Zöllen auf chinesische Waren in Höhe von 100 Prozent gedroht wird, kann Peking jetzt mit Exportrestriktionen auf seltene Erden kontern. Und das, ohne um KI-Chips betteln zu müssen. Man kauft die Nvidia-Chips einfach nicht mehr, und sofort haben die USA einen wichtigen diplomatischen Hebel in ihrem Handels- und Technologiekrieg mit China verloren.

Huangs Geduld am seidenen Faden

Für den CEO eines Chipunternehmens, der sich vom Tellerwäscher zum weltweit bekannten CEO eines Vorzeigeunternehmens hochgearbeitet hat, ist all das ein Albtraum. Jensen Huang war trotzdem sehr lange diplomatisch geblieben. Er hoffe auf ein Einsehen der Politik, darauf, dass sich die Wogen wieder glätten, das hatte er immer wieder betont. Erst jetzt, nach dem dramatischen und kompletten Einbruch seines mit viel Fleiß aufgebauten Chinageschäfts, spricht der Nvidia-Gründer erstmals offen darüber, was er wirklich über die Containment-Politik der Präsidenten Biden und Trump denkt, ohne dabei ihre Namen direkt auszusprechen.

„Bevor wir zu Maßnahmen greifen, die anderen Menschen schaden, sollten wir einen Schritt zurücktreten und vielleicht darüber nachdenken, welche politischen Maßnahmen den USA helfen“, sagte Huang auf dem Event in New York am 6. Oktober 2025. Huang, der als Sohn taiwanesischer Einwanderer als Neunjähriger in die USA gekommen, aber längst US-Staatsbürger geworden war, sieht sich als amerikanischen Patrioten. Er empfände es als ja gut, „wenn die ganze Welt auf Know-how aus den USA angewiesen sei“, sagte Huang, doch das sei nicht sehr realistisch. Die Hälfte aller begabten KI-Entwickler seien Chinesen, so Huang. Was China schade, schade oft auch den USA, so Huang.  (sb)

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