Pekings härtere Gangart Nvidia wird zum Spielball im „Chip-Krieg“ zwischen China und den USA

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Nvidia gerät in China immer weiter in die Mühlen des amerikanisch-chinesischen „Chip-Krieges“. Nachdem Peking Washington lange zum Einlenken aufgerufen und mit ernsthaften Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Unternehmen gezögert hatte, signalisiert China nun eine härtere Gangart.

Die Aufmerksamkeit der chinesischen Aufsichtsbehörden liegt derzeit bei Nvidia (Symbolbild).(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die Aufmerksamkeit der chinesischen Aufsichtsbehörden liegt derzeit bei Nvidia (Symbolbild).
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die chinesische Regierung hat eine Untersuchung gegen Nvidia wegen angeblicher Verletzungen der Anti-Monopol-Gesetze des Landes angestrengt. Die Maßnahme, Mitte September 2025 während einer neuen Runde von Krisengesprächen beider Seiten in Madrid verkündet, wird von den meisten Analysten in China als Übergang zu einer Politik echter Vergeltungsmaßnahmen gewertet.

US-Präsident Donald Trump hatte China vor einem halben Jahr mit massiven Zöllen gedroht, diese später aber auf 30 Prozent gesenkt. Trump will China ebenso dazu zwingen, dem Verkauf der TikTok-Plattform in den USA an ihm genehme Unternehmer zuzustimmen.

Zurück in die Vergangenheit

Am 15. September hat die „State Administration of Market Regulation“ (SAMR) in Peking jetzt eine Akte wieder geöffnet, die für viele Beobachter bereits als längst im Archiv abgelegt gegolten hatte. Vor fünf Jahren hatte SAMR der Akquise des israelischen Unternehmens Mellanox Technologies durch Nvidia zugestimmt, allerdings unter der Prämisse, dass Nvidia weiterhin seine leistungsstarken GPUs auf dem chinesischen Markt anbietet.

Nun hat SAMR bekannt gegeben, dass Nvidia möglicherweise gegen diese Auflage verstoßen und damit effektiv die Anti-Monopol-Gesetze Chinas verletzt hat. Man habe eine formelle Untersuchung des Falls begonnen, ließ Chinas oberste Marktaufsichtsbehörde verlauten. Mellanox produziert Ausrüstungen für Hochgeschwindigkeitsnetzwerke, die unter anderem in Datenzentren verbaut werden. Die chinesische Regierung und staatliche Medien sind bemüht, die jetzt angekündigte Untersuchung als „Routine“ und „Konsequenz aus den Gesetzen des Landes“ zu porträtieren.

Die Übernahme von Mellanox hatte bereits im Jahr 2019 stattgefunden. In der Zwischenzeit war Nvidia von der US-Regierung daran gehindert worden, mehrere seiner leistungsstärksten KI-Chips nach China zu liefern. Nun wirft SAMR Nvidia genau das vor. Das Unternehmen habe „unter Berufung auf die zunehmenden Exportkontrollen der US-Regierung wiederholt die Lieferung mehrerer GPU-Beschleuniger an den chinesischen Markt eingestellt und damit die legitimen Rechte chinesischer Unternehmen verletzt“, heißt es in der von SAMR veröffentlichten Erklärung.

Der Geduldsfaden reißt

Beobachter glauben allerdings, dass es hier nicht wirklich um Mellanox und Marktverzerrungen geht, sondern um die konkrete Androhung von Vergeltungsmaßnahmen im von den USA seit mehreren Jahren gegen China geführten „Chip War“. China habe die Hoffnung auf eine Einigung mit der Regierung Trump aufgegeben und bereite nun zum ersten Mal wirklich ‚Rache‘ gegen Chip-Boykotte und Restriktionen beim Verkauf von Lithografie-Ausrüstungen vor, so der Tenor der meisten Analysten in China. Washington ergreift solche Maßnahmen schon seit mehreren Jahren gegenüber der Volksrepublik und verschärfte sie schrittweise immer weiter.

Washington war zuletzt im Zollstreit eingeknickt, nachdem Peking mit der Beschränkung des Exports von seltenen Erden gedroht hatte, deren globale Lieferketten maßgeblich von China kontrolliert werden. Doch vor direkten Vergeltungsmaßnahmen gegen Hochtechnologie-Unternehmen in den USA – vergleichbar den US-Attacken gegen den chinesischen High-Tech-Konzern Huawei – hatte Peking bislang zurückgeschreckt.

Wird Nvidia wie Huawei behandelt? Noch nicht

Auch jetzt wird Nvidia zwar mit kostspieligen Konsequenzen gedroht, aber bisher nicht mit einem Verbot seiner Geschäfte in der Volksrepublik. Das liegt unter anderem daran, dass die GPUs von Nvidia auch in China dringend gebraucht werden, seit die Auslastung von Datenzentren durch den KI-Boom immer weiter steigt.

„Dies sollte nicht als Zeichen verstanden werden, dass China versucht, Nvidia aus dem Land zu werfen“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Zhengyuan Bo, einen Analysten der Recherchefirma Plenum. Es handele sich um einen erneuten Warnschuss an die Adresse der USA, allerdings den bislang schärfsten, sagen gut informierte Beobachter in der chinesischen Hauptstadt.

Eine Einigung beider Seiten bleibt immer eine Möglichkeit, doch sollte China Nvidia am Ende tatsächlich die Verletzung von Anti-Monopol-Gesetzen vorwerfen, könnte dies bedeuten, dass das US-Unternehmen Schwierigkeiten bekommt, seine Netzwerklösungen an chinesische Kunden mit Datenzentren zu verkaufen. Dieses Geschäft ist mehrere Milliarden US-Dollar schwer. (sb)

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