Spielball im „Chip-Krieg“ Nvidia investiert in China und stellt neue Mitarbeiter ein

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Unbeeindruckt vom „Chip-Krieg“, den Washington gegenüber China führt, stellt Nvidia in der Volksrepublik immer mehr Mitarbeiter ein. Bis 2025 werde Nvidia in China schon rund 4.000 Angestellte haben, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Anfang 2024 waren es noch etwa 3.000.

Nvidia Omniverse ist eine offene Plattform für die Entwicklung und Zusammenarbeit an 3D-Design- und Simulationsprojekten in Echtzeit. KI ist bei weitem nicht der einzige Bereich, den Nvidia mit seinen Lösungen bedient.(Bild:  Nvidia)
Nvidia Omniverse ist eine offene Plattform für die Entwicklung und Zusammenarbeit an 3D-Design- und Simulationsprojekten in Echtzeit. KI ist bei weitem nicht der einzige Bereich, den Nvidia mit seinen Lösungen bedient.
(Bild: Nvidia)

Die vielen neuen Arbeitsverträge zeigen, wie wichtig der chinesische Markt für den führenden Hersteller von KI-Chips ist, obwohl das Unternehmen immer stärker unter dem Technologie- und Handelskrieg leidet, den die USA gegenüber China führen. Nachdem die chinesischen Behörden am 12. Dezember 2024 eine Kartellrechtsprüfung gegen Nvidia eingeleitet haben, wiederholte das Unternehmen in seiner offiziellen Reaktion erneut sein Bekenntnis zum chinesischen Markt.

China bleibe „ein wichtiger Markt“ für das Unternehmen und man sei weiter vordergründig darum bemüht, „die chinesischen Kunden mit Produkten und Dienstleistungen mit der besten Qualität und der höchsten Leistung zu versorgen“, heißt es in der Presseerklärung von Nvidia auf seinem Weibo-Kanal in der Volksrepublik. Man werde vollständig mit der „State Administration for Market Regulation“ (SAMR) kooperieren, unter deren Leitung die Kartellrechtsprobe durchgeführt wird, so das Unternehmen weiter.

Untersuchungen in China

SAMR hat Nvidia vier Jahre nach einer damals auch von Peking genehmigten Übernahme des israelischen Unternehmens Mellanox überraschend vorgeworfen, chinesische Anti-Monopol-Gesetze zu verletzen. Mellanox stellt Netzwerk-Zubehör her, das zum Aufbau derselben Rechenzentren benötigt wird, für die auch die GPUs von Nvidia so begehrt sind. Als Bedingung für die Erlaubnis der 6,9 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme hatte Nvidia in China unter anderem versprechen müssen, „entsprechende Produkte auf dem chinesischen Markt weiterhin unter fairen, akzeptablen und nicht diskriminierenden Prinzipien bereitzustellen“. Genau das aber ist Nvidia im Rahmen der Technologie-Boykotte der US-Regierung nicht länger möglich.

Es ist das erste Mal, dass Chinas Kartellwächter rückwirkend eine Untersuchung in eine zuvor genehmigten, internationalen Fusion eröffnen. Das ist ein klares Zeichen, dass es Peking mit der Nvidia-Probe vor allem um einen politischen Warnschuss an die Adresse des künftigen US-Präsidenten Donald Trump geht.

Obwohl es immer mehr zum Spielball solcher politischen Machtspiele wird, hält Nvidia bis jetzt unbeirrt an seiner Strategie fest, so gut wie möglich um nicht von den US-Boykotten betroffene Segmente des chinesischen Halbleitermarktes zu kämpfen.

Weniger KI, mehr Automotive

Als das amerikanische Handelsministerium 2022 zunächst den Verkauf der Nvidia-Chips A100 und H100 nach China verbot, reagierte das Unternehmen mit der Entwicklung von weniger leistungsstarken Varianten derselben Chips speziell für den chinesischen Markt, darunter der A800. Anschließend wurde auch dessen Ausfuhr nach China vom „Bureau of Industry and Security“ des US-Handelsministeriums untersagt.

Trotz massiver Einschränkungen des China-Geschäftes und der damit verbundenen Umsatzverluste konnte Nvidia in seinem letzten, im Januar 2024 abgelaufenen kompletten Finanzjahr noch 10,3 Milliarden US-Dollar (rund 9,8 Mrd. Euro) Einnahmen in China erwirtschaften, was etwa 17 Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes ausmachte. Auch bis zum 29. Oktober 2024, dem Ende des dritten Finanz-Quartals von Nvidia, trug das China-Geschäft beinahe unverändert 17,9 Prozent zum globalen Umsatz des KI-Chip-Herstellers bei.

Allerdings wird jetzt immer mehr Umsatz mit Produkten und Dienstleistungen gemacht, die nicht direkt von den US-Boykotten betroffen sind, etwa mit solchen für das autonome Fahren. BYD und andere chinesische Autohersteller verbauen gerne das SoC „DRIVE Orin“ von Nvidia, was dem amerikanischen Unternehmen einem Bericht der Asia Times zufolge inzwischen rund eine Milliarde USD an Umsatz pro Jahr beschert.

Es sind daher diese politisch bisher nicht belasteten Geschäftsbereiche, in denen Nvidia derzeit besonders viele neue Mitarbeiter einstellt. „Hunderte“ von neuen Angestellten seien von Nvidia in China im Jahr 2024 allein für den Geschäftsbereich autonomes Fahren angeworben worden, berichtet DigiTimes. Allein in Peking sei Nvidia dabei, 200 neue Stellen für die Entwicklung autonomer Fahrfunktionen zu schaffen, berichtete kürzlich Bloomberg News. Insgesamt sei allein die Nvidia-Belegschaft in der chinesischen Hauptstadt kürzlich um 600 neue Kollegen gewachsen, berichtet die Wirtschaftsagentur.  (sb)

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