In einer bislang beispiellosen Aktion hat die niederländische Regierung auf Grundlage des „Goods Availability Act“ Aufsichts- und Eingriffsrechte beim Chipproduzenten Nexperia angeordnet. Begründet wird das mit „schwerwiegenden Governance-Mängeln“. Man befürchtet, dass Schlüsseltechnologien in chinesische Hände gelangen könnten.
Fab für Assembly und Testing von Nexperia in Guangdong in China.
(Bild: Nexperia)
Am 12. Oktober 2025 teilte das niederländische Wirtschaftsministerium mit, dass am 30. September der „Goods Availability Act“ aktiviert wurde. Ziel der Maßnahme ist, zu verhindern, dass von Nexperia gefertigte Produkte – fertige wie halbfertige – in einem Notfall nicht verfügbar werden. Das in Nijmegen ansässige Halbleiterunternehmen ist eine Tochter des chinesischen Konzerns Wingtech und produziert Chips für die europäische Automobil- und Konsumgüterindustrie.
Laut der Mitteilung des Ministeriums liegen „ernsthafte Governance-Defizite“ vor. „Das Gesetz wurde aufgrund jüngster und akuter Anzeichen für gravierende Mängel in der Unternehmensführung und Maßnahmen innerhalb von Nexperia angewendet. Diese Anzeichen stellten eine Gefahr für die Kontinuität und den Schutz wichtiger technologischer Kenntnisse und Fähigkeiten auf niederländischem und europäischem Boden dar. Der Verlust dieser Fähigkeiten könnte ein Risiko für die wirtschaftliche Sicherheit der Niederlande und Europas darstellen“, heißt es aus dem Englischen übersetzt.
Unter Berufung auf das Gesetz dürfen demnach unternehmensinterne Entscheidungen blockiert oder rückgängig gemacht werden, wenn diese als potenziell schädlich für die wirtschaftliche Sicherheit der Niederlande oder Europas gelten. Die laufende Produktion darf fortgesetzt werden. „Die Anwendung des Gesetzes über die Verfügbarkeit von Gütern durch den Minister ist höchst außergewöhnlich. Nur aufgrund des erheblichen Ausmaßes und der Dringlichkeit der Governance-Mängel bei Nexperia wurde die Entscheidung getroffen, es anzuwenden“, teilt das Ministerium mit.
Reaktionen aus China
Wingtech bestätigte am 13. Oktober 2025 offiziell, dass die niederländische Regierung Aufsichtsrechte über Nexperia ausgeübt und parallel ein niederländisches Gericht eine unabhängige Verwaltung angeordnet hat. Der CEO Zhang Xuezheng wurde durch Beschluss der Amsterdamer Unternehmenskammer von seinen Leitungsfunktionen bei Nexperia suspendiert, die Stimmrechte der Holdinganteile (99 von 100 Aktien) wurden vorübergehend an einen unabhängigen Treuhänder übertragen. Nexperias operatives Geschäft läuft weiter, aber Wingtech hat vorerst keinen Einfluss mehr auf Managemententscheidungen. Das Unternehmen prüft rechtliche Schritte und spricht von „vorübergehenden“ Einschränkungen. Die Gesamtfolgen ließen sich derzeit nicht beziffern; man beobachte die Lage und bewerte fortlaufend Risiken.
Im Wortlaut teilte Wingtech mit: „Am 1. Oktober 2025 beantragte die Nexperia-Führung (CLO Ruben Lichtenberg, CFO Stefan Tilger, COO Achim Kempe) beim Amsterdamer Berufungsgericht (Unternehmenskammer) eine Untersuchung und Notfallmaßnahmen. Das Gericht suspendierte daraufhin den Wingtech-Gründer und CEO Zhang Xuezheng von allen Leitungsfunktionen bei Nexperia und übertrug die Stimmrechte der Holdinganteile (99 von 100 Aktien) an einen unabhängigen Treuhänder, bis eine endgültige Entscheidung fällt.“
Aufsicht für ein Jahr?
Nach Angaben aus Branchenkreisen betrifft der Eingriff Änderungen an Vermögenswerten, geistigem Eigentum und Personalentscheidungen von Nexperia für ein Jahr, womit die niederländische Regierung faktisch Aufsicht über strategische Entscheidungen ausübt. In China sorgte die Entscheidung für Empörung – viele Beobachter sprachen von „Enteignung“ und „Raub“. Der Schritt kommt, nachdem die US-Regierung im September ihre Exportbeschränkungen auf Tochterunternehmen sanktionierter Firmen ausgeweitet hatte, berichtet Global Semi Research. Damit geriet auch Nexperia in den Fokus, da Wingtech seit 2024 auf der US-Entity-Liste steht. Die Maßnahme hat den Zugang zu US-Technologie erschwert und die Versorgungsketten unter Druck gesetzt.
Nexperia erwirtschaftete laut Unternehmensangaben 2024 rund 14,7 Milliarden Yuan Umsatz (etwa 1,9 Milliarden Euro), davon den größten Teil in chinesischen Produktionsstätten. Für Wingtech, das 2018 Nexperia für 33 Milliarden Yuan übernommen hatte, ist das Unternehmen das wichtigste Standbein im Halbleitergeschäft.
Beobachter sehen im Fall Nexperia ein Musterbeispiel für den geopolitischen Bruch in der Halbleiterindustrie. Jahrzehntelang war sie durch global arbeitsteilige, vertrauensbasierte Kooperation geprägt. Nun greift der Gedanke nationaler technologischer Selbstverteidigung immer stärker um sich. „Der Fall dient als warnendes Beispiel für jedes chinesische Unternehmen, das versucht, durch Übernahmen im Ausland Kerntechnologien zu erwerben, und zeigt, dass solche Geschäfte unter den derzeitigen geopolitischen Rahmenbedingungen nicht mehr realisierbar sind“, formulieren die Redakteure von Global Semi Research. (sb)
Stand: 08.12.2025
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