Lapp Gruppe NFPA 79 konforme Maschinenleitungen

Redakteur: Kristin Rinortner

Der amerikanische Markt boomt für deutsche Unternehmen aufgrund des starken Euros. So erwartet die Lapp Gruppe ein Umsatzplus beim amerikanischen Tochterunternehmen bis 20 Prozent. Viele Firmen, die im Dollar-Raum günstig produzieren, haben jedoch mit strengen Sicherheitsvorschriften zu kämpfen. Denn die neue amerikanische Norm NFPA 79 bedeutet für viele Maschinen- und Anlagenbauer ein Umstellen in der Planung, Entwicklung und Produktion.

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Es ist immer gut, wenn man ein zweites Standbein beizeiten aufbaut. Das war bei der Stuttgarter Lapp Gruppe der Fall: Der schwache Dollar beschert der 1976 gegründeten Lapp Holding North America für das laufende Geschäftsjahr voraussichtlich ein Umsatzplus von 15 bis 20%.

Zum Unternehmensverband gehören die Firmen Lapp USA und das Produktionswerk Lapp Cable Works in New Jersey, das Distributionsunternehmen Lapp Tannehill in Minnesota sowie Lapp Mexiko in Guadelachara und Lapp Canada in Toronto. Insgesamt sind dort 250 Mitarbeiter beschäftigt, die aktuell einen Umsatz von rund 100 Mio. US-$ erwirtschaften. In den nächsten sechs Jahren soll der Umsatz um das 2 bis 2,5 fache steigen.

Boomender Markt in Nordamerika

„Der nordamerkanische Markt offeriert nicht alle Produkte, die gefordert werden“, erklärt Vorstand Siegbert Lapp. „Wir bieten alles an. Deswegen ist der Markt für uns auch so attraktiv.“

Im Werk in New Jersey werden pro Jahr knapp 90.000 km Leitungen produziert. Die Produktionskapazität deckt etwa 50% des Bedarfs in Nordamerika. Lapp Nordamerika beliefert rund 10.000 Kunden, vorrangig aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

In den letzten Jahren investierte das Unternehmen rund 45 Mio. US-$ in den Neubau von Standorten und Werken in Nordamerika, Mexiko und Kanada. Im Produktionswerk in New Jersey wurde die Fertigungskapazität durch neue Fertigungslinien verdoppelt. 2002 wurde der frühere Distributor KL Tannehill übernommen. Durch die Einführung von SAP R3 ist Lapp North America mit dem gruppenweiten Netzwerk verbunden und garantiert schnelleren Austausch und mehr Transparenz. In Las Vegas und im Südosten der USA sind weitere Regionallager mit Vertriebsbüros geplant.

Aufgrund Dollarschwäche günstig produzieren

„Viele Unternehmen aus der ganzen Welt drängen zurzeit auf den amerikanischen Markt, da sie dort wegen der Dollarschwäche günstig produzieren können. Und wir helfen beim Aufbau der benötigten Anlagen“, kommentiert Lapp die Entwicklung. Auch die Markterschließung in Süd- und Mittelamerika werde weiter vorangetrieben.

Lapp bietet ein um UL-gelistete Leitungen erweitertes Produktportfolio an (Archiv: Vogel Business Media)

„Wir entwickeln und produzieren speziell für den amerikanischen Markt zugelassene Leitungen und arbeiten dabei eng mit den jeweiligen Zulassungsbehörden zusammen“, erzählt Lapp. Das sind zum Beispiel die Leitungen ÖLFLEX TRAY für das werksseitige Verbinden der Maschinen. Die Produkte werden nach Kundenwunsch entwickelt und im Testlabor geprüft.

Veränderungen durch neue US-Normen

Typisch für den amerikanischen Markt ist, dass der Einsatz von Leitungen und Industriesteckverbindern strengen Sicherheitsvorschriften unterliegt. Alle nach Amerika und Kanada exportierten Produkte müssen gelistet sein.

Noch strenger sind die Vorschriften in der neuen US-Norm NFPA 79 (National Fire Protection Association, 79: Electrical Standard for Industrial Machinery) in Bezug auf das Verwenden von Kabeln und Leitungen in Industriemaschinen. Hier genügen neuerdings nicht mehr Leitungen nach AMW-Standard (Appliance Wiring Material), sondern nur noch UL gelisteten Typen, die für die jeweilige Anwendung geeignet und zugelassen sind. „Die NFPA 79 Edition 79 ist ein Torpedo gegen Multistandard-Bestrebungen“ bewertet Lapp die aktuellen amerikanischen Normen.

Nationale Prüfzeichen sind hilfreich

Bild 2: „Das Prüfzeichen ist ein freiwilliges Muss“, Thomas Kloft, Intertek (Archiv: Vogel Business Media)

„Die USA-Standards sind weit hinter dem Stand der Technik, man kann als Maschinenbauer so nicht Standard-gerecht produzieren, sonst würde man nichts mehr verkaufen“, fügt Thomas Kloft, Prüfingenieur bei Intertek hinzu. Das akkreditierte Prüflabor hat sich auf die spezifischen Anforderungen des amerikanischen Marktes spezialisiert und unterstützt deutsche Firmen wie Lapp bei der Zulassung ihrer Produkte in Nordamerika.

Zum Verkauf der Produkte sei zwar kein Prüfzeichen erforderlich, jedoch ist ein national anerkanntes Prüfzeichen für kommerziell genutzte Maschinen und Geräte ein „freiwilliges Muss“, erläutert Kloft. Das Prüfzeichen ist einerseits für die Produkthaftung wichtig und andererseits entscheidet oft der Sheriff als Amtsperson, aber Nicht-Fachmann, darüber, ob einen Maschine in Betrieb geht oder nicht. Für den sei dann bei der Entscheidungsfindung das Prüfzeichen recht hilfreich.

Produktprogramm an die neuen Standards angepasst

„Kabel und Leitungen für Industriemaschinen sind in Nordamerika wesentlicher Bestandteil unseres Kerngeschäfts. Deswegen ist es für uns sehr wichtig, unser Programm den neuesten Standards anzupassen, um unseren Kunden so schnell wie möglich die neuen UL-gelisteten Leitungen anbieten zu können“ schließt Lapp ab.

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