Weniger globale Kooperationen, mehr multiregionaler Wettbewerb: Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie verändert sich die Landschaft der Halbleiter-Lieferketten deutlich – unter anderem aufgrund der zunehmenden Zahl nationaler und regionaler Förderprogramme.
Von wegen freier Markt: Der Bau neuer Chipfabriken (im Bild die von Intel geplante Fab in Magdeburg) verschlingt enorme Summen. Ein Großteil davon wird durch Subventionsprogramme bereitgestellt – weltweit. Das verzerrt den Wettbewerb erheblich.
(Bild: Intel Corporation)
Die Geopolitik sorgt gerade für eine Neuordnung der Lieferketten, wie sie die Halbleiterindustrie in diesem Umfang schon lange nicht mehr gesehen hat. Der Wunsch nach Selbstversorgung und nationale beziehungsweise staatenübergreifende Programme wie die „Chips Acts“ in den USA und der EU lassen globale Kooperationen schrumpfen, schaffen gleichzeitig aber einen neuen multiregionalen Wettbewerb.
Zu diesem Schluss kommt die IT-Marktforschungsagentur „International Data Corporation“ (IDC) in einem aktuellen Bericht, in dem sie den Einfluss geopolitischer Strömungen auf die Lieferketten für Halbleiter in Asien unter die Lupe nimmt.
Anteil taiwanische Foundries könnte sinken, der Chinas zunehmen
Die Gewinner und Verlierer dieser Neuordnung der Industrie, wie IDC sie beschreibt, dürften dabei für viele Beobachter überraschend sein. So wird beispielsweise der globale Marktanteil Taiwanischer Foundries von derzeit 46 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2027 sinken, sagt IDC voraus.
Chinas Anteil an der Gesamtheit aller Lieferketten – ausgereifte („mature“) Prozesse eingeschlossen – wird dagegen im selben Zeitraum trotz der Halbleiter-Boykotte Washingtons gegenüber Peking voraussichtlich weiter zunehmen, auf einen globalen Marktanteil von 29 Prozent, was einem Wachstum von 2 Prozent im Vergleich zu diesem Jahr entspricht, schreibt die IDC in ihrem Bericht.
Chiphersteller müssen sich neu orientieren
Der im letzten Jahr in den USA verabschiedete „Chips and Science Act“ sieht die Unterstützung der heimischen Industrie mit massiven Subventionen vor. Zusätzlich verschärft Washington seine Wirtschaftsboykotte gegenüber Peking. Der Chips Act und ähnliche Programme in anderen Regionen wie der EU habe Chiphersteller zu einer Neuorientierung bewogen. Sie seien gezwungen, zum Beispiel „China+1-“ oder „Taiwan+1-Strategien“ zu adaptieren, fasst IDC die Auswirkungen auf die Industrie zusammen.
Große Unternehmen treffen derzeit eine Vielzahl von strategischen Investitionsentscheidungen. Die geopolitischen Verschiebungen veränderten daher gerade das internationale Spielfeld für Halbleiter „auf fundamentale Art und Weise“, schreibt Helen Chiang, die Forschungsleiterin von IDC in Taiwan.
USA werden von der Entwicklung profitieren
Zu den Gewinnern der Neuordnung in den Lieferketten – sofern man denn „Gewinn“ und „Verlust“ aus rein nationaler Perspektive bewerten möchte – gehören unter anderem auch die USA, deren Foundries ihren globalen Marktanteil bei fortgeschrittenen Prozessen ab 7 Nanometer bis 2027 auf 11 Prozent ausbauen werden, sagt die angesehene Beratungsagentur voraus.
Neue Chip-Fabriken von TSMC, Samsung und Intel, angelockt von einer Kombination aus Subventionen und diplomatischem Druck, werden in Punkto fortschrittliche Prozesse in den kommenden Jahren für einen größeren Einfluss der USA auf dem globalen Markt sorgen.
Bedeutung südostasiatischer Staaten steigt
Auch Südostasien zählt zu den Profiteuren bei der Neuausrichtung der globalen Halbleiter-Industrie. Zum einen investierten amerikanische und europäische Unternehmen aus der Halbleiter-Industrie mehr in der Region. Zum anderen verlagern eine Reihe von OSAT-Firmen ihre Aufmerksamkeit von China nach Südostasien, schreibt IDC.
Besonders Malaysia und Vietnam dürften in den kommenden Jahren im Assembly- und Test-Markt mit einem globalen Marktanteil von 10 Prozent bis 2027 eine größere Rolle spielen als bisher. Taiwans Dominanz im selben Industrie-Segment könnte im selben Zeitraum von 51 auf 47 Prozent sinken, so die Prognose.
China macht Fortschritte bei der Selbstversorgung mit Halbleitern
Sicherlich nicht zur Freude der Falken im US-Kongress attestiert der umfassende IDC-Bericht der Volksrepublik China Fortschritte, was deren Selbstversorgung mit Halbleitern angeht. Peking hat nationale Fonds mit Milliardensummen ausgestattet, mit deren Hilfe die heimische Chipindustrie massiv gefördert wird. Das wirkt sich in erster Linie bei den sogenannten ausgereiften (mature) Prozessen aus.
„Obwohl China mit der Entwicklung von fortgeschrittenen Prozessen bei der Chipherstellung zu kämpfen hat, haben sich seine reifen Prozesse rapide entwickelt,“ schreibt IDC. Neben den Autarkie-Bestrebungen der politischen Führung in Peking sei dafür auch der steigende Chip-Bedarf in vielen Wachstumsindustrien in China verantwortlich, so die Analyse von IDC. (me)
Stand: 08.12.2025
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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.