Investition von 300 Mio. US-$ Neuer Auftrieb für Indiens Halbleiter-Ambitionen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Larsen & Toubro, Indiens größtes Maschinenbau-Unternehmen, will mehr als 300 Mio. US-$ in den Aufbau eines lokalen Fabless-Chipherstellers investieren. Bereits 2027 sollen die ersten Produkte vom Band laufen. Die Pläne fügen sich in Indiens Ambitionen, eine Alternative zu China im Bereich günstiger Elektronikfertigung zu werden.

"Made in India": Indiens größtes Maschinenbau-Konglomerat Larsen & Toubro investiert 300 Millionen US-$ in die Gründung eines neuen lokalen Fabless-Chipherstellers.(Bild:  Pixabay (Montage: Sebastian Gerstl))
"Made in India": Indiens größtes Maschinenbau-Konglomerat Larsen & Toubro investiert 300 Millionen US-$ in die Gründung eines neuen lokalen Fabless-Chipherstellers.
(Bild: Pixabay (Montage: Sebastian Gerstl))

Larsen & Toubro hat Pläne angekündigt, über die nächsten drei Jahre hinweg über 300 Millionen Dollar in den Aufbau eines lokalen Fabless-Chipnternehmens zu stecken. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf indische Nachrichtenmeldungen. Bei L&T handelt es sich um einen der größten Konzerne Indiens.

Im einen Interview mit lokalen Wirtschaftsmedien führte Sandeep Kumar, der designierte Geschäftsführer für das neue Unternehmen L&T Semiconductor Technologies, die Pläne aus. Demnach habe der indische Konzern vor, das Geld über einen Zeitraum von drei Jahren auszugeben, um einen neuen einheimischen Fabless-Chiphersteller zu gründen: Halbleiter sollen lokal entworfen und vertrieben, aber auswärtig produziert werden. Es ist geplant, bis Ende dieses Jahres 15 eigene Halbleiter-Produkte zu entwickeln und bereits Ende 2027 mit dem Verkauf zu beginnen.

Welche Foundry für die Produktion vorgesehen ist wurde nicht gemeldet. Derzeit entsteht im Süden Indiens eine neue Foundry für 65-nm-Halbleiter .

Larsen & Toubro, gemeinhin nur L&T genannt, ist das größte Bau- und Maschinenbauunternehmen Indiens. Das Firmenkonglomerat ist aber darüber hinaus auch bereits in anderen Bereichen tätig, unter anderem im Schiffbau, dem Rüstungswesen, Finanzdienstleistungen, IT und Medizintechnik.

Low-End für den Massenmarkt statt High-Tech für Trendtechnologien

Mit den nun angekündigten Investitionsplänen schließt sich das Unternehmen anderen indischen Großkonzernen an, die eine Halbleiterindustrie im bevölkerungsreichsten Land der Welt aufbauen wollen. Ende 2021 hatte der indische Staat, dem Beispiel der USA, der EU und anderen Nationen folgend, eine nationale Strategie für den Aufbau einer einheimischen Halbleiterproduktion ausgerufen.

Erst im März diesen Jahres wurden die Pläne weiter bekräftigt: Die indische Regierung genehmigte eine weitere Großinvestition in die Halbleiter- und Elektronikproduktion, die auch den Aufbau der modernsten Halbleiterfabrik des Landes umfassen soll. Diesen Plänen zufolge sollen drei Anlagen - eine Halbleiterfabrik und zwei Verpackungs- und Testeinrichtungen - noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Hierfür hat die Regierung hat 1,26 Billionen indische Rupien (15,2 Milliarden US-Dollar) für die Projekte bewilligt. Die Anlage - ein Joint Venture zwischen dem taiwanischen Foundry-Spezialisten Powerchip-Semiconductor (PSMC) und dem lokalen indischen Unternehmen Tata Electronics - wird für die Produktion von 28-, 40-, 55- und 110-Nanometer-Chips ausgelegt sein und soll voraussichtlich bis zu 50.000 Wafer pro Monat herstellen können.

Dabei konzentriere man sich, anderes als die genannten Ballungsräume, auf weniger fortschrittliche Technologien, die aber auf dem Massenmarkt noch stark nachgefragt sind. So flossen im Mai 2022 beispielsweise mehr als 3 Mrd. US-$ in den Aufbau einer lokalen 65-nm-Fab im indischen Bundesstaat Karnataka. Indien möchte sich in erster Linie als ein kostengünstiger Anbieter von Chips im Low-End- und Mid-Range-Bereich positionieren.

Leistungshalbleiter und Mixed-Signal-ICs

Auch die Pläne von L&T gehen in diese Richtung: Das indische Unternehmen zielt auf Produktkategorien wie Power-ICs, Hochfrequenz-Halbleiter und integrierte Mixed-Signal-Schaltungen. High-End-Technologien wie beispielsweise KI-fähige Grafikprozessoren stehen nicht auf dem Plan.

„Automotive, Industrie und Energie - das sind die Sektoren, die wir ausgewählt haben, da sie sich in einem sehr starken Wandel befinden“, so Kumar. „Es gibt Raum, um zu konkurrieren, erfolgreich zu sein und sogar den Markt zu erobern.“ Diese Ankündigung fügt sich in die Pläne der Indischen Wirtschaft, sich als Alternative zu China für die Produktion günstiger Elektronikprodukte zu positionieren.

(sg)

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