Energiefresser KI Neben Microsoft erwägt Google für KI-Rechenzentren Atomenergie zu nutzen

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz benötigt Platz, Wasser und vor allem Energie. Rechenzentren verschlingen bereits jetzt zwei Prozent des produzierten Stroms, in den kommenden Jahren soll der Bedarf rapide steigen. Große Unternehmen mit KI-Ambitionen, wie Microsoft, suchen nach CO₂-freien Energiequellen – und liebäugeln daher mit Atomenergie.

Three Mile Island Reaktorblock I wurde am 30. September 2019 vom Netz genommen - und könnte ab 2028 wieder Strom produzieren.(Bild:  Constellation Energy)
Three Mile Island Reaktorblock I wurde am 30. September 2019 vom Netz genommen - und könnte ab 2028 wieder Strom produzieren.
(Bild: Constellation Energy)

Unterhaltungen über Stör- oder Unfälle in Reaktorblöcken von Atomkraftwerken drehen sich meistens um das Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine oder um die Anlage Fukushima in Japan. Oder aber um die partielle Kernschmelze im Kernkraftwerk in Three Mile Island bei Harrisburg in den USA im Jahr 1979. Das Versagen von Maschinenteilen und Messsignalen sowie Bedienungsfehler der Mannschaft führten zum Ausfall der Reaktorkühlung in Reaktorblock II, wodurch 50 Prozent des Kerns schmolzen und radioaktive Gase freigesetzt wurden. Der Meiler wurde danach nicht wieder genutzt, wohl aber Reaktorblock I.

Trotz des Vorfalls dauerte es bis zum Jahr 2019, bis das Kernkraftwerk stillgelegt wurde – weil es nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte. Allerdings verfügt Three Mile Island noch über eine Betriebserlaubnis bis zum Jahr 2034. Und diesen Umstand will nun ein Unternehmen nutzen, der aufgrund des Wirbels um künstliche Intelligenz dringend auf „sauberen“ Strom angewiesen ist: Microsoft.

Strom aus Reaktorblock I von Three Mile Island für KI

Am 20. September 2024 wurde mitgeteilt, dass Block I des Kernkraftwerks in den kommenden vier Jahren für rund 1,6 Milliarden US-Dollar saniert werden soll. Dabei werden unter anderem die Turbine, der Generator, der Haupttransformator sowie die Kühl- und Kontrollsysteme überholt. Anschließend, die Zustimmung der U.S. Nuclear Regulatory Commission vorausgesetzt, geht der Meiler wieder ans Netz und der produzierte Strom soll für die folgenden 20 Jahre von Microsoft abgenommen werden. Denn der Konzern plant mit der Energie die Rechenzentren an der Ostküste zu versorgen. Gleichzeitig soll auf diesem Wege das selbst gesetzte CO₂-Emissionsziel erreicht werden. Was sich Microsoft das Unterfangen kosten lässt, ist nicht bekannt.

2028 plus 20? Das würde bedeuten, dass sich der Betreiber des Kraftwerks, Constellation Energy, um eine weitere Verlängerung der Betriebserlaubnis bemühen müsste. Berichten zufolge peilen die Verantwortlichen von Constellation eine Verlängerung bis 2054 an – und nennen die Anlage nun Crane Clean Energy Center; vermutlich auch, um die Erinnerung an den Vorfall im Jahr 1979 aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen. Dabei handelte es sich schließlich um den schlimmsten nuklearen Vorfall in der Geschichte der USA. Wenn die Erlaubnis für die Pläne erteilt wird, dann hoffen die Leute von Constellation Energy, 3.400 direkte und indirekte Arbeitsplätze zu schaffen und 835 Megawatt Energie ins Stromnetz einzuspeisen.

Kernenergie: Auch Google ist nicht abgeneigt, Amazon hat schon bezahlt

Microsoft ist mit solchen Plänen nicht allein. Der Energiekonzern Talen Energy hat im Nordosten Pennsylvanias den Cumulus Data Center Campus errichtet, der direkt an das Kernkraftwerk Susquehanna angeschlossen ist. Amazons Cloud-Service AWS soll Berichten aus März 2024 zufolge 650 Millionen US-Dollar dafür gezahlt haben.

Google hingegen zeigt Interesse an Solar-Energie, aber auch an kleinen modularen Atomkraftwerken (SMR) – gleiches gilt für Microsoft. Diese kleinen Reaktoren liefern eine maximale elektrische Leistung von 300 MW. SMRs befinden sich oft noch in der Entwicklungsphase; es gibt aber viele Interessenten für eine großflächige kommerzielle Nutzung. Angesichts der Emissionsziele, die kleine wie große Unternehmen erreichen wollen, erscheint eine neue Blütezeit für die Kernenergie angebrochen zu sein. Denn (noch) anders als bei erneuerbaren Energien ist die Stromproduktion bei einem Kernkraftwerk weitestgehend stabil und unabhängig von Sonneneinstrahlung oder Windaufkommen. (sb)

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