Momenta, chinesischer Anbieter von ADAS-Software, testet gerade einen eigenen Chip. Das chinesische Unternehmen habe begonnen, einen selbst entwickelten Autochip in Testfahrzeugen auf der Straße zu erproben, berichtet das chinesische Tech-Portal 36kr unter Berufung auf gut informierte Insider.
Der chinesische Software-Hersteller Momenta will auch im Hardware-Bereich mitspielen, um SDV-Komplettlösungen anbieten zu können.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Es ist ein mutiger Schritt vom reinen Software-Unternehmen zum integrierten Anbieter von Software und Hardware für automatisierte Fahrfunktionen, und deswegen sorgt diese neue Strategie von Momenta gerade für einiges Aufsehen in der Auto- und Halbleiterindustrie. Es wird angenommen, dass sich der Wettbewerb bei ADAS-Lösungen und beim autonomen Fahren für eine ganze Reihe anderer Chiphersteller verschärfen dürfte.
Zu diesen Wettbewerbern zählen internationale Chiphersteller wie Nvidia und Qualcomm, aber auch chinesische Software-Anbieter wie Horizon und Autobauer mit eigenen Ambitionen für den Bau von Autochips. Noch befindet man sich in der Testphase, doch sollten diese Tests erfolgreich ausfallen, wird Momenta mit dem Schritt vom reinen Softwarespezialisten zum Anbieter integrierter Hard- und Software für automatisierte Fahrfunktionen einen Meilenstein für die chinesische Chipindustrie erreichen. Erstmals geht gerade ein fortgeschrittener, heimisch entwickelter Fahrassistenz-Chip in die finale Erprobungsphase.
Konkurrenz für Nvidias Orin-X und Qualcomms 8650
Der nun getestete Momenta-Prozessor soll angeblich eine Leistungsfähigkeit erreichen, die mit Nvidias etablierter Orin-X-Plattform vergleichbar sei, berichten chinesische Fachmedien. Die Hardware-Schnittstellen seien gleichzeitig dem Design des 8650-Chips von Qualcomm nachempfunden, heißt es. Das bedeutet, dass für Autofirmen keine größeren Änderungen an den Steuergeräten nötig wären, um den Momenta-Chip und die dazugehörige Software in ihre Automodelle zu integrieren.
Momenta hatte 2023 damit begonnen, ein eigenes Chip-Team aufzubauen. Man wollte nicht mehr von externer Hardware abhängig sein, vor allem um kostengünstigere Produkte anbieten zu können. Damals hatte sich das chinesische Start-up zahlreiche Entwickler der inzwischen aufgelösten OPPO-Chiptochter Zeku ins Boot geholt, unter anderem den ehemaligen Zeku-COO Li Zongli. Inzwischen soll der Momenta-Chip erste Funktionstests bestanden haben. Sollten auch die nachfolgenden Tests planmäßig verlaufen, könnte der Chip schon in ein bis zwei Jahren zur Serienreife gebracht werden, sagen Beobachter.
Man verspricht sich von seiner neuen vertikalen Integration handfeste Vorteile. Die Abhängigkeit von teuren Fremd-Chips könnte vermieden werden. Die Orin-X-Chips von Nvidia sind teuer und sollen momentan bis zu 30 Prozent der Materialkosten für eine typische Fahrassistenz-Lösung für chinesische Großstädte ausmachen.
Preisliche Kampfansage
Mit seinem hauseigenen Chip könnte Momenta den Preis solcher Systeme für Autobauer perspektivisch auf etwa 5.000 Yuan (rund 630 Euro) pro Fahrzeug drücken. Das wäre halb so viel wie derzeitige, beliebte ADAS-Lösungen in China. Auch hofft Momenta, dass künftig die eigene Entwicklungsarbeit effizienter wird, sobald Software und Hardware aus einem Haus kommen. Und schließlich sind solche Komplettpakete auch aus technologischer Sicht für die OEM-Kunden von Momenta interessant. Wenn Algorithmen und Elektronik perfekt aufeinander abgestimmt sind, steigt nach der Erfahrung vieler Ingenieure langfristig die Leistungsfähigkeit der ADAS-Lösungen im Fahrzeug.
Ein weiterer Vorteil für Autobauer wäre, dass keine Abstimmung mit mehreren Zulieferern mehr nötig ist, wenn es doch noch entweder bei der Software, oder bei der Hardware Probleme gibt. Auch das könnte Zeit und Kosten sparen.
Für Momenta markiert der Einstieg ins Chip-Geschäft den Aufstieg in eine neue Liga. Das Unternehmen konkurriert fortan als Komplettanbieter von Hard- und Software für das automatisierte Fahren auch mit chinesischen Unternehmen wie Horizon Robotics. Ein Börsengang ist bereits angepeilt.
Druck auf Branchenriesen
Damit erhöht Momenta den Druck auf die Konkurrenz ganz beachtlich. Westliche Branchenriesen wie Nvidia und Qualcomm sehen plötzlich einen neuen Rivalen aus China am Horizont auftauchen. Im Heimatmarkt bekommt der bisherige Platzhirsch Horizon, der einzige unabhängige Anbieter von integrierten Lösungen in diesem Bereich, einen Herausforderer auf Augenhöhe.
Auch beim deutschen Zulieferer Bosch wird man den Vorstoß von Momenta genau beobachten müssen. Der deutsche Traditions-Zulieferer war in China lange Zeit einer der dominierenden Ausrüster für Fahrerassistenzsysteme. Doch mittlerweile setzen internationale Hersteller in China immer häufiger auf lokale Tech-Partner. BMW etwa entschied sich kürzlich für eine Zusammenarbeit mit Momenta und umging nach Ansicht mancher Analysten damit seinen langjährigen ADAS-Lieferanten Bosch. Dieser Schritt hatte auch außerhalb Chinas für einiges Aufsehen gesorgt.
Schon jetzt zählt Momenta namhafte Automobilkonzerne zu seinen Kunden. General Motors und Mercedes-Benz kooperieren für ihre Modelle in China mit dem Start-up, und in der Heimat ist Momenta ein wichtiger Zulieferer für SAIC Motor, das ebenfalls in das Start-up investiert hat.
Stand: 08.12.2025
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Sollten sich durch die Integration von Software und Hardware die erhofften Preisvorteile Momentas in Zukunft manifestieren, müsste wohl so mancher Autobauer seine Strategie eigener Autochips wieder überdenken. Momenta, das schon jetzt nicht nur BMW, Mercedes und Toyota beliefert, sondern auch führende chinesische Autobauer wie SAIC, könnte erhebliche Skalierungsvorteile nutzen. Sollten die Straßentests des ersten Momenta-Chips also in eine erfolgreiche Serienfertigung münden, so dürfte sich der Aufstieg Momentas als erfolgreicher Ausrüster von intelligenten Fahrzeugen mit großer Wahrscheinlichkeit weiter fortsetzen. (sb)