Boris Adlung von Rigol „Mit unserer selbstentwickelten ASIC-Architektur wollen wir unabhängiger sein“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

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Zwei neue Oszilloskop-Familien und angespannte Märkte: Für den Messtechnik-Spezialisten Rigol ist die momentane Marktlage nicht einfach. Und trotzdem: Mit einem neuen ASIC-Chipsatz und einer vertikalen Auflösung von 12 Bit will Rigol auf dem umkämpften Messtechnik-Markt punkten.

Mit der selbstentwickelten ASIC-Architektur will Rigol „unabhängiger und freier in der Technologie agieren“, sagt Boris Adlung von Rigol.(Bild:  Rigol)
Mit der selbstentwickelten ASIC-Architektur will Rigol „unabhängiger und freier in der Technologie agieren“, sagt Boris Adlung von Rigol.
(Bild: Rigol)

Mit einer höheren vertikalen Auflösung sind Messtechniker in der Lage, mehr Details bei ihrer Messung zu sehen. Im September hatte Oszilloskop-Hersteller Rigol gleich zwei neue Familien vorgestellt: HDO1000 und HDO4000.

Im Inneren der Geräte arbeitet ein komplett neu entwickelter ASIC-Chipsatz mit dem Namen Centaurus. Damit möglich ist die höhere vertikale Auflösung von 12 Bit. Die Anzahl der vertikalen Werte erhöht sich somit von 256 Stufen auf 212 = 4.096 Werte, was einer 16-mal feineren vertikalen Auflösung als bei einer 8-Bit-Architektur entspricht. „Die Vorzüge der neuen ASIC-Architektur ist die Möglichkeit, Signale mit einem hohen Dynamikbereich zu messen. Das kann zum Beispiel bei der Leistungsanalyse der Fall sein mit recht großen Signalamplituden und sehr kleinen Störungen, die sich in dieser Applikation störend auswirken können. Mit dem 12-Bit-Oszilloskop ist nicht nur die Auflösung um ein 16-faches größer als bei einem 8-Bit-Oszilloskop, sondern das Rauschverhalten ist deutlich besser. Somit lassen sich zusätzlich wesentlich kleinere Signalamplituden vermessen“, sagt Boris Adlung von Rigol. „Ein weiteres Highlight der Oszilloskop-Familie ist das optionale Batterypack, falls das Messgerät ohne Netzanschluss verwendet werden soll“.

Neuer ASIC-Chip im Oszilloskop

Der erwähnte ASIC-Chipsatz mit dem Namen Centaurus ist eine Eigenentwicklung von Rigol. „Wir haben den ASIC-Chip nicht nur für die beiden Familien HDO1000 und HDO4000 entwickelt, sondern wollen ihn auch für weitere Geräte nutzen. Das Besondere des ASIC ist neben dem sehr rauscharmen Frontend von unter 18 µVrms der hohe Dynamikbereich von über 90 dB. Bei dem Signalprozessorchip sind es neben der Auflösung von 12 Bit die hohe Temperaturstabilität“, sagt Adlung.

Doch jede selbstentwickelte Hardware kostet Geld. Andere Hersteller kaufen ihre Hardware-Komponenten günstig auf dem Markt ein. Wieso hat sich Rigol entschlossen, einen eigen ASIC zu entwickeln? „Diese richtige und gute Entscheidung wurde gefällt, um hier unabhängiger und freier in der Technologie agieren zu können. In den Oszilloskopen kommt man technisch mit der Hardware an an die Grenzen und ist abhängig. Unser Anspruch ist es, den Anwendern eine technisch sehr hochwertige Lösung mit hoher Qualität anzubieten“, fasst es Adlung zusammen.

Verfügbare Bauteile und kurze Lieferzeiten

Die angespannte Lage bei den Bauteile-Komponenten ist weltweit ein Thema. Wie sieht die Bauteileverfügbarkeit bei Rigol aktuell aus? „Einige wenige Modelle sind betroffen. Die meisten Geräte sind allerdings verfügbar und bis auf wenige Ausnahmen ist Rigol nicht nur lieferfähig, sondern hat relativ geringe Lieferzeiten. Generell liegt der Focus mittlerweile deutlich mehr auf der Zeitplanung und Kommunikation unserer Produktion als in der Vergangenheit“, gibt Adlung Entwarnung.

Die weltweite und die europäische Wirtschaft spüren Krieg und Krisen, was sich schnell auf die Geschäfte auswirkt. Hier müssen Hersteller wie Rigol mit verschiedenen Strategien dagegen ankämpfen. „Die Marktlage in Europa ist tatsächlich momentan sehr kompliziert. Da wir neben der veränderten Situation in Europa mit Materialmangel, deutlich höheren Preisen bei einigen Materialien sowie die Mangelsituation an neuen Mitarbeitern den Gestaltungsspielraum etwas einschränken. Der Bedarf an Messtechnik ist nach wie vor groß. Unsere Strategie ist es, unseren Kunden hochwertige Messtechnik mit hoher Qualität in einer akzeptablen Lieferzeit anzubieten. Wir haben unser vorhandenes Produktportfolio erweitert und auch neue Gerätespezifikationen auf den Markt gebracht. Dazu gehören beispielsweise ein Oszilloskop mit 5 GHz oder die Oszilloskope mit 12 Bit. Hierzu gehört auch die Messtechnik-Plattform StationMAX“, sagt Boris Adlung abschließend.

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