Der Name MIPS ist wieder da. Nachdem das KI-Startup Wave Computing, letzter Halter der Firma MIPS Technologies und der damit verbundenen MIPS-Prozessor-IP, 2021 Konkurs anmelden musste, wagt das Unternehmen wieder unter dem Namen MIPS einen Neustart - mit dem expliziten Fokus auf RISC-V-Prozessoren!
Statt die namensgebende Prozessor-IP weiter zu entwickeln, bietet das aus dem Konkurs von Wave Computing neu ervorgegangene Unternehmen MIPS künftig als Weiterentwicklungen nur noch skalierbare Prozessoren auf Basis der RISC-V-Architektur an.
(Bild: RISC-V International / MIPS)
MIPS ist wieder da und hat erste Produkte angekündigt - allerdings ausschließlich auf Basis der RISC-V-Architektur. Nachdem der letzte offizielle Eigentümer des Unternehmens MIPS Technologies und der damit verbundenen MIPS-Architektur, Wave Computing, 2021 Konkurs anmelden musste, will das einstige KI-Startup nun unter dem Namen MIPS einen Neuanfang wagen - und hat sich umgehend RISC-V International angeschlossen, der Stiftung zur Förderung und Verbreitung der quelloffenen RISC-V-Prozessorarchitektur. Tatsächlich sollen alle zukünftigen Designs, die aus dem (neuen) Hause MIPS stammen, auf der RISC-V-Architektur basieren - „Elevating Risc-V“ ist das neue Firmenmotto.
Mit den Multiprozessor-IP-Cores eVocore P8700 und I8500 hat das Unternehmen nun auch ersten Ergebnisse seiner Umstellung von MIPS auf RISC-V vorgestellt. Die lizensierbaren Prozessorkerne sollen Anwendungen wie Automotive, 5G und drahtlose Netzwerke, Rechenzentren und Speicher sowie hochleistungsfähige Embedded-Anwendungen abzielen.
MIPS-Architektur spielt neben ARM und RISC-V keine nennenswerte Rolle mehr
„Wir sind sehr erfreut, dass MIPS, einer der Pioniere der RISC-CPU-Architekturen, seine Aufmerksamkeit auf RISC-V richtet“, sagte Calista Redmond, CEO von RISC-V International. „MIPS wird seit langem im High-End-Computing eingesetzt, einem Bereich, in dem RISC-V allmählich an Bedeutung gewinnt. MIPS bringt in die RISC-V-Gemeinschaft ein Erbe an CPU-Innovationen und neue RISC-V-kompatible CPUs ein, die auf Flexibilität und Skalierbarkeit ausgelegt sind.“
Mit der Umstellung auf RISC-V scheint nun auch der einstige Halter der konkurrierenden RISC-Prozessorarchitektur MIPS das Ende der IP auf dem Markt einzuräumen – und sich lieber auf das Wachstumspotenzial von RISC-V konzentrieren. Laut Marktanalysen von Semico Research wird für SoCs mit RISC-V-CPU-Kernen zwischen 2020 und 2027 ein jährliches Wachstum von 73 Prozent vorhergesagt. Im Automobilsegment soll der Einsatz der Architektur um 69,9 Prozent zulegen - allerdings ist dort die Architektur aktuell noch kaum verbreitet, so dass die Ausgangsbasis dieser Rechnung gering ist.
„Mit der Umstellung auf RISC-V zielt MIPS auf das Hochleistungssegment des Prozessormarktes“, sagt Desi Banatao, nach der erfolgten Umstrukturierung CEO von MIPS. „Indem wir unsere Differenzierung bei Echtzeit-Funktionen, Hardware-Virtualisierung, funktionaler Sicherheit und Security-Technologien nutzen, können wir überzeugende Produkte für die Bereiche Automotive, Edge Compute, Networking und Switching sowie Large-Scale-Computing-Systeme anbieten.“
Der superskalare eVocore P8700, der im 4. Quartal 2022 verfügbar sein soll, kombiniert eine tiefe Pipeline mit Multi-Issue-Out-of-Order (OOO)-Ausführung und Multi-Threading und kann auf bis zu 64 Cluster, 512 Cores und 1.024 Threads skalieren. Der eVocore I8500 ist auf Energieeffizienz optimiert und verfügt über ein In-Order-Multiprocessing-System, das Multi-Threading und eine effiziente Triple-Issue-Pipeline kombiniert. Beide eVocore-IP-Cores bieten Unterstützung für privilegierte Hardware-Virtualisierung, benutzerdefinierte Erweiterungen, Multi-Threading, Hybrid-Debugging und funktionale Sicherheit.
Die Kerne sind skalierbar und konfigurierbar, um kohärente Cluster aus Multi-Thread- und Multi-Core-CPUs in einzigartigen Kombinationen zu bilden, die genau den Energie- und Leistungsanforderungen entsprechen. Die Kerne sind so konzipiert, dass sie eine flexible Grundlage für heterogene Berechnungen bieten und Kombinationen von eVocore-Prozessoren sowie anderen Beschleunigern unterstützen. Ein Coherence Manager sorgt für L2-Cache und Kohärenz auf Systemebene zwischen allen Kernen, Hauptspeicher und E/A-Geräten.
Die Verwendung von benutzerdefinierten Befehlen (UDIs) soll die Anpassung an Kundenwünsche ermöglichen und gleichzeitig vollständig kompatibel mit handelsüblichen RISC-V-Entwicklungstools und Softwarebibliotheken sein.
Bewegte Geschichte voller hehrer Ziele und Hinterzimmer-Deals
MIPS Technologies war ursprünglich (zunächst unter dem Namen MIPS Computer Systems) als zur Vermarktung und Verbreitung der RISC-Prozessorarchitektur MIPS gegründet worden. Nach einer kurzen Sternstunde Mitte der 90er geriet die Architektur allerdings zunehmend ins Hintertreffen, auch wenn diverse Versuche unternommen wurden, den Namen MIPS wieder ins Gespräch zu bringen. 2013 kaufte das britische Unternehmen Imagination Technologies das Unternehmen mitsamt allen Rechten an der MIPS-Architektur auf, mit dem Versuch, sein Portfolio zu erweitern und MIPS-Prozessoren als potentielle Alternative zu ARM auf dem Embedded-Markt zu etablieren.
Stand: 08.12.2025
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Nachdem diese Bemühungen wenig Früchte trugen, wurde das Unternehmen 2017 an das KI-Startup Wave Computing verkauft. Dieses musste allerdings 2021 Konkurs anmelden. Das Unternehmen durchlief eine nach dem US-Gesetz auch als „Chapter 11 Bankruptcy“ erfolge Restrukturierung, die es dem Rechteinhalber erlaubt, das Unternehmen neu zu organisieren und dabei - unter richterlicher Aufsicht - noch die Kontrolle über all seine Assets und Lizenzen zu behalten. Nach dieser erfolgten Neustrukturierung will sich das nun in MIPS umbenannte Unternehmen mit RISC-V-basierten Produkten gezielt auf die Märkte Automotive, HPC & Datacenter sowie Netzwerk und Kommunikation, mit speziellem Fokus auf 5G und Wireless, ausrichten. Das Unternehmen sucht derzeit weltweit nach Hardware- und Software-Ingenieuren.
Auch wenn Produkte auf Basis der MIPS ISA noch offiziell im Portfolio geführt werden, sollen sämtliche neuen Produkte auf RISC-V basieren. Grund hierfür könnte sein, dass das noch den Namen MIPS tragende Unternehmen letztlich nicht mehr der Rechneinhaber der eigentlichen MIPS-IP ist. Wie Reuters bereits im August 2020 meldete, hatte Wave Computing - kurz vor dem sich abzeichnenden Konkurs - über eine Reihe von Holdingfirmen und Hinterzimmerdeals die eigentlichen Rechte an der Prozessorarchitektur abgetreten. Der aktuelle eigentliche IP-Eigner der MIPS-Prozessorarchitektur sei demnach ein chinesisches Unternehmen namens CIP United, das in erster Linie den einheimischen Markt beliefert.