Das Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) unterstreicht nach Ansicht von Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, wie zentral ein leistungsfähiges Innovationssystem für die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands ist.
Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: „Deutschland hat das Potenzial, seine technologische Stärke weiter auszubauen.“
(Bild: Fraunhofer Gesellschaft)
Deutschland verfügt über eine exzellente Wissenschaftslandschaft. Doch das volle Potenzial unserer Innovationskraft entfaltet sich erst dann, wenn Erkenntnisse zügig in marktfähige Produkte, Prozesse und Dienstleistungen überführt werden. Ein beschleunigter Transfer ist daher kein Randthema, sondern eine Aufgabe von gesamtgesellschaftlicher Tragweite.
Anfang Februar hat die Expertenkommission Forschung und Innovation(EFI ihr Jahresgutachten 2026 an die Bundesregierung übergeben. Die im Gutachten adressierten Maßnahmen zur Förderung der Innovation in Forschung und Mittelstand, dem Bürokratieabbau und dem Fokus auf Schlüsseltechnologien wie KI, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Es kommt nun darauf an, sie eng mit den Zielen der Hightech Agenda Deutschland zu verknüpfen und konsequent umzusetzen. Es kommt nun darauf an, sie eng mit den Zielen der Hightech Agenda Deutschland zu verknüpfen und konsequent umzusetzen. Transfer braucht klare Zuständigkeiten, planbare Förderinstrumente und eine stärkere, vertrauensvollere Verzahnung von Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Fraunhofer steht im ausdifferenzierten deutschen Wissenschaftssystem wie keine andere Forschungsorganisation für den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Markt. Dieses Brückenprinzip muss im gesamten Innovationssystem weiter gestärkt werden, um Innovationen schnell in die Anwendung zu bringen.
Der Staat als Ankerkunde und Impulsgeber
Ein wirkungsvoller Hebel für schnelleren Transfer ist der Staat selbst. Das betont auch das Gutachten der Wirtschaftsweisen. Als Ankerkunde kann er zentrale Herausforderungen unseres Industriestandorts mithilfe von generativer KI als Anwendungsfälle angehen. Ein dringendes Beispiel ist die konsequente Digitalisierung der deutschen Verwaltung, zu der auch das angestrebte Once-Only-Prinzip gehört. Hier brauchen wir nun Tempo, indem der Staat die Entwicklung, Spezifikation und Anwendung leistungsfähiger digitaler und KI-gestützter Lösungen initiiert und Vorbild und Vorreiter ist. Die deutsche Forschung und Wirtschaft benötigen dringend Impulse, jenseits des Firmen-Chatbots, die entlang der Wertschöpfungskette ihre Wirkung entfalten können. Solche Leuchtturmprojekte erzeugen nicht nur Effizienzgewinne im öffentlichen Sektor, sondern haben auch eine Ausstrahlungskraft auf die gesamte Volkswirtschaft. Sie schaffen Referenzanwendungsfälle, die Innovationen in weitere Branchen tragen und Investitionen auslösen.
KI „Made in Germany“ braucht starke Datenbasis und gezielte Förderung
Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie für nahezu alle Wertschöpfungsketten. Leistungsfähige und vertrauenswürdige KI-Modelle„Made in Germany“ setzen jedoch eine qualitativ und quantitativ hochwertige Datengrundlage voraus. Das geplante Forschungsdatengesetz (FDG) ist ein wichtiger Schritt, um den Zugang zu öffentlichen Daten für Forschung und Entwicklung zu erleichtern und Rechtssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig sollte das FDG mutig und ambitioniert weiterentwickelt werden: Wir brauchen eine Datenzulieferungspflicht weiterer öffentlicher Stellen, etwa auch von Einrichtungen wie der Deutschen Digitalen Bibliothek, sowie eine klare Offenheit für die geförderte Einbindung geeigneter Daten aus der Privatwirtschaft. Nur so können wettbewerbsfähige Modelle entstehen, die auf europäischen Werten und Standards basieren.
Um den hohen Bedarf an Compute-Ressourcen für generative KI-Modelle ab sofort bereitstellen zu können, müssen KI-Infrastrukturen politisch noch einmal stärker als bisher priorisiert werden. So sind beispielsweise die Prioritäten für das Training von KI-Modellen gegenüber anderen Disziplinen, die aktuell GPU-Kapazitäten in HPC-Zentren benötigen, zu prüfen und neu zu bewerten – ohne dabei andere wichtige Disziplinen wie Klimaforschung oder Medizin aus den Augen zu verlieren. Parallel sollte mit dem Aufbau von mehreren KI-Rechenzentren für Forschung und Anwendung begonnen werden.
Sicherheitsrelevante Forschung stärken
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig technologische Souveränität gerade auch im sicherheitsrelevanten Bereich ist. Wir sehen uns durch die Empfehlung des EFI-Gutachtens bestärkt, exzellente Einrichtungen der sicherheitsrelevanten Forschung und Lehre gezielt auszubauen und zu stärken. Ebenso teilen wir die Forderung, Forschungs- und innovationspolitische Aspekte bei Beschaffungsprozessen der Bundeswehr stärker zu berücksichtigen. Strategische Beschaffung kann ein wirksames Instrument sein, um Innovationszyklen zu beschleunigen und industrielle Kompetenzen im Land zu sichern. Darüber hinaus brauchen wir mehr bürokratiearme Innovationsräume, in denen wir gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik Innovationszyklen verkürzen können, um Technologien schneller in die Anwendung bei der Bundeswehr zu bekommen.
Innovationen im Mittelstand erleichtern
Als Innovationspartner mittelständischer Unternehmen begrüßen wir die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Innovationen im Mittelstand. Die Vereinfachung des Antragsprozesses zur Forschungszulage, der Abbau bürokratischer Hürden sowie eine erleichterte Einwanderung qualifizierter Fachkräfte sind zentrale Voraussetzungen für mehr Innovationsdynamik.
Stand: 08.12.2025
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Deutschland hat das Potenzial, seine technologische Stärke weiter auszubauen. Jetzt kommt es darauf an, Transfer zu beschleunigen, strategische Zukunftsfelder entschlossen zu entwickeln und die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Fraunhofer steht bereit, diesen Weg gemeinsam mit Politik und Wirtschaft aktiv zu gestalten. (sg)