Smart Metering Marktentwicklung in Europa laut aktueller Studie uneinheitlich

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Einer aktuellen Studie zufolge schreitet die Marktenwicklung in Sachen Smart Metering in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich voran.

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Smart-Metering: Laut einer aktuellen Studie entwickelt sich der Europäischer Markt sehr heterogen (Bild: Initiative Pro Smart Metering)
Smart-Metering: Laut einer aktuellen Studie entwickelt sich der Europäischer Markt sehr heterogen (Bild: Initiative Pro Smart Metering)

In der aktuell erstellten Studie „Smart Metering in Europa bis 2020: Marktentwicklung und Potenziale in ausgewählten Ländern“ von trend:research werden Rahmenbedingungen ausgewählter europäischer Länder (u. a. Dänemark, Frankreich und Polen) untersucht, der Status quo des Smart-Metering-Rollouts beleuchtet, Markttreiber und Hemmnisse identifiziert und eine Prognose zur Marktentwicklung vorgenommen.

Insgesamt kommt die Studie dabei zu dem Ergebnis, dass die Umsetzung sehr unterschiedlich voranschreitet: Während Italien sowohl nach Ansicht vieler deutscher als auch ausländischer Energieversorger als ein Land mit einer schnellen Umsetzung bewertet wird, erwarten lediglich die ausländischen Befragungsteilnehmer in Deutschland eine schnelle Umsetzung des Smart-Metering-Einsatzes.

Obwohl in Ländern wie Dänemark bisher ein höherer Umsetzungsanteil besteht, wird Deutschland von 27% der ausländischen Interviewpartner als „schneller“ eingestuft, was möglicherweise auf die zahlreichen Pilotprojekte und intensiven Diskussionen um Technologien, Datenschutz und Wirtschaftlichkeit in Deutschland zurückzuführen ist.

Unterschiedliche Voraussetzungen in europäischen Ländern

Im 3. EU-Binnenmarktpaket wird die Einführung sog. „intelligenter Messsysteme“ gefordert und bis spätestens 2020 sollen mindestens 80% aller Stromkunden einen Smart Meter erhalten. Der Vergleich der europäischen Länder zeigt jedoch, dass die europäischen energierechtlichen Vorgaben (neben dem bereits genannten 3. EU-Binnenmarktpaket auch Vorgaben zu Daten- und Verbraucherschutz, Energieeffizienz und Harmonisierung der Messgeräte) unterschiedlich weit in den nationalen Gesetzen verankert sind und dementsprechend auch die Umsetzung unterschiedlich stark vorangeschritten ist.

Die bisher in Europa installierten Smart Meter wurden zu einer großen Mehrheit auf Initiative von Energieversorgern, Netzbetreibern, Herstellern oder weiteren Beteiligten von Pilotprojekten und Massenrollouts verbaut. Ausschlaggebend waren und sind weiterhin überwiegend regulative Vorgaben der EU und der jeweiligen Länderregierungen, deren Zielvorgaben von den Netzbetreibern nach und nach umgesetzt werden. Eine Ausnahme bilden bspw. Italien und Polen, wo die Netzbetreiber ein Interesse an der Reduktion der illegalen Stromentnahmen haben.

Umsetzung geschieht zögerlich bis dynamisch

In der Studie von trend:research wurden die betrachteten Länder daher in vier verschiedene Gruppen eingeteilt: von Staaten, in denen die Umsetzung dynamisch erfolgt, über marktgetriebene Länder und „unentschlossene“ sowie „zögerliche“ Länder. Während beispielsweise Dänemark, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich zur erstgenannten Gruppe gehören, ist Deutschland der zweiten Gruppe zuzuordnen, da die Umsetzung vorrangig über Pilotprojekte und Initiativen der Netzbetreiber vorangetrieben wird.

Eine vom Endkunden ausgehende Nachfrage nach Smart Metering besteht aufgrund der Anschaffungs- und Installationskosten – die wie im Vereinigten Königreich in Form von Tarifanhebungen an den Kunden weitergegeben werden – in noch keinem der betrachteten europäischen Ländern.

Geringe Beschaffungskosten und Robustheit gefordert

Energieversorger und Netzbetreiber in Europa passen, trotz teilweise bestehender Unsicherheit und in noch überschaubarem Umfang, zunehmend ihre Dienstleistungsangebote an die technologische Entwicklung und die zukünftigen Anforderungen der Kunden bezüglich des Datenschutzes an. Energieversorger bieten inzwischen vielfältige Dienstleistungen und Formen von Beratungsleistungen an, die dem Endkunden Möglichkeiten eines effizienten Energieeinsatzes eröffnen sollen.

Gut ein Drittel der befragten deutschen Energieversorger wünscht sich dabei geringe Beschaffungskosten bei den Zählern. Zudem werden von jeweils knapp einem Drittel offene Schnittstellen sowie die Stabilität bzw. Robustheit als Anforderungen an Zähler genannt. Die Erfüllung der Basisfunktionen ist für 23% der Befragungsteilnehmer eine wichtige Anforderung an einen Zähler.

Energieversorger haben andere Anforderungen als Hersteller

Diese Anforderungen der deutschen Energieversorgungsunternehmen sind jedoch nicht identisch mit den Anforderungen der Hersteller: Jeweils ein Fünftel der befragten Hersteller in den ausgewählten europäischen Ländern erwartet von einem Zähler, dass er die Basisfunktionen erfüllt, langlebig ist, über offene Schnittstellen verfügt sowie günstig erworben werden kann. Die exakte Datenerfassung und der Mehrwert für Endkunden werden von jeweils zehn% der Befragungsteilnehmer von Systemen gefordert.

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