Supply-Chain-Management Lieferketten: Wie Stabilität in volatilen Zeiten gelingt

Von Margit Kuther 4 min Lesedauer

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Interview mit dem CEO von Bürklin Elektronik über geopolitische Herausforderungen, Chancen in der China-Kooperation und Strategien gegen Bauteileverknappung.

Holger Ruban, CEO von Bürklin Elektronik: „Die Elektronikbranche hat eine zentrale Rolle in nahezu allen Zukunftsbereichen.“(Bild:  Bürklin)
Holger Ruban, CEO von Bürklin Elektronik: „Die Elektronikbranche hat eine zentrale Rolle in nahezu allen Zukunftsbereichen.“
(Bild: Bürklin)

Elektronik Praxis: Herr Ruban, wie wirkt sich der anhaltende Zollstreit zwischen den USA und anderen Wirtschaftsräumen auf Ihr Unternehmen aus?

Holger Ruban: Obwohl wir als europäischer Distributor nicht unmittelbar von den US-Zöllen betroffen sind, merken wir die Auswirkungen solcher geopolitischen Spannungen dennoch deutlich – vor allem aufgrund unserer internationalen Herstellerbeziehungen. Lieferzeiten verlängern sich, die Beschaffungskosten steigen, und die Komplexität der Lieferkette nimmt zu. Deshalb setzen wir für unsere Kunden gezielt auf eine zuverlässige Lagerverfügbarkeit und transparente Prozesse, um auch in herausfordernden Zeiten ein vertrauenswürdiger Partner zu bleiben.

China sucht aktuell verstärkt den Schulterschluss mit Europa. Wie bewerten Sie diese Entwicklung aus Sicht der Elektronikdistribution?

Diese Entwicklung bringt zweifellos Chancen mit sich – etwa beim Zugang zu modernen Fertigungskapazitäten oder beim Ausbau unseres Produktportfolios. Doch eine stärkere wirtschaftliche Bindung bringt auch Abhängigkeiten und politische Risiken mit sich, die wir nicht ausblenden dürfen. Unser Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zu pflegen: Wir setzen auf eine breit aufgestellte Lieferantenbasis, starke Partnerschaften in Europa und eine bewusste Risikostreuung. So bleiben wir flexibel und unabhängig – zum Vorteil unserer Kunden.

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Die globalen Lieferketten gelten als instabil. Müssen sich Ihre Kunden erneut auf eine Bauteileverknappung einstellen?

Die Situation hat sich im Vergleich zu den Hochzeiten der Chipkrise zwar entspannt, aber punktuelle Engpässe bleiben ein Thema – insbesondere bei komplexen Halbleitern oder passiven Komponenten. Wir begegnen dieser Herausforderung mit strategischer Lagerhaltung, enger Abstimmung mit unseren Herstellern und datengestützten Prognosen. Unsere Kunden profitieren von einem Lager mit über 75.000 sofort verfügbaren Artikeln und unserer Fähigkeit, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Verlässlichkeit in volatilen Zeiten – das ist unser Anspruch.

„Zulieferer suchen neue Wege – und wir begleiten sie dabei“

Im folgenden Abschnitt des Interviews spricht der CEO Holger Ruban von Bürklin Elektronik über die Marktlage in Deutschland, neue Chancen durch Verteidigungsausgaben und die strategische Neuorientierung vieler Unternehmen.

Herr Ruban, wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage in Deutschland – insbesondere im Hinblick auf die Automobilbranche?

Die Automobilindustrie befindet sich in einem grundlegenden Wandel – sowohl technologisch, wirtschaftlich als auch strukturell. Gleichzeitig führt die konjunkturelle Unsicherheit zu einer schwächeren Nachfrage. Auch in der Distribution spüren wir diese Entwicklung: Investitionen werden verschoben, Bestellungen erfolgen kurzfristiger. Doch gerade in diesen Herausforderungen entstehen neue Chancen – etwa im Bereich der Elektromobilität, der Ladeinfrastruktur oder durch Sensorik-Lösungen für autonomes Fahren. Als Distributor sehen wir es als unsere Aufgabe, diesen Wandel aktiv mitzugestalten – mit technischem Know-how, einem breiten Produktsortiment und der notwendigen Flexibilität.

Die Schuldenbremse wird für Verteidigungsausgaben gelockert. Steigt dadurch auch bei Ihnen die Nachfrage im Bereich Sicherheit und Verteidigung?

Wir sehen definitiv eine zunehmende Nachfrage in diesen Segmenten. Gerade Komponenten mit besonderen Anforderungen oder militärische Zulassungen sind gefragter denn je. Viele unserer Kunden bereiten sich gezielt auf diese Märkte vor oder sind bereits aktiv. Als zuverlässiger Partner unterstützen wir das mit unserer langjährigen Erfahrung und direktem Zugang zu zertifizierten Herstellern.

Beobachten Sie eine strategische Neuausrichtung bei Zulieferern – etwa hin zur Verteidigungs- oder Luftfahrtbranche?

Ja, und das zunehmend. Viele Unternehmen, die früher stark auf Automotive fokussiert waren, evaluieren heute gezielt neue Märkte – von Verteidigung über Luftfahrt bis hin zur Medizintechnik. Die Anforderungen sind hoch, vor allem im Hinblick auf Normkonformität und Qualitätsstandards, aber der Wandel ist spürbar. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diesen Transformationsprozess mit verlässlicher Distribution, technischer Beratung und einem auf diese Branchen abgestimmten Sortiment zu unterstützen.

„Resilienz und Kundennähe sind heute die Erfolgsfaktoren“

Im dritten Teil des Gesprächs erklärt der CEO von Bürklin Elektronik, wie sich das Unternehmen in einem herausfordernden Marktumfeld positioniert – und wie neue Services wie by.B in Zukunft noch mehr Kundennähe schaffen sollen.

Herr Ruban, wie muss sich ein Distributor wie Bürklin Elektronik aufstellen, um in dieser wirtschaftlich und geopolitisch schwierigen Zeit erfolgreich zu bleiben?

Es braucht heute mehr denn je eine stabile Basis, Flexibilität und Innovationskraft. Wir setzen auf eine breite, tief bevorratete Produktpalette, schnelle Lieferfähigkeit und digitale Services, die unseren Kunden echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig bleiben wir nah an den Märkten und an den Bedürfnissen der Entwickler, Einkäufer und Projektverantwortlichen. Unsere Rolle geht weit über die eines klassischen Distributors hinaus – wir sehen uns als Impulsgeber und Problemlöser entlang der gesamten Lieferkette.

Bürklin hat mit by.B eine neue Eigenmarke für Geschäftskunden gestartet. Ist auch ein Ausbau des Angebots in Richtung Verteidigungsindustrie geplant?

by.B ist ein strategischer Schritt, um unsere Geschäftskunden noch zielgerichteter zu bedienen – mit ausgewählten Produkten, hoher Verfügbarkeit und direkter Bestellbarkeit. Im Bereich Defense sehen wir definitiv steigende Anforderungen an Qualität, Robustheit und Spezifikationstreue. Wir analysieren derzeit intensiv, wie wir unsere Produktpalette in diesem Segment weiter ausbauen können. Dabei achten wir strikt auf regulatorische Rahmenbedingungen und arbeiten eng mit zertifizierten Herstellern zusammen. Unser Fokus liegt darauf, überall dort verlässlicher Partner zu sein, wo Präzision und Sicherheit gefragt sind.

„Die Elektronikbranche bleibt ein Wachstumsfeld – auch in Deutschland“

Im letzten Teil des Interviews äußert sich der CEO von Bürklin Elektronik zur Zukunft der Branche und zur Rolle des Standorts Deutschland im internationalen Wettbewerb.

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Herr Ruban zum Abschluss: Wie schätzen Sie die Zukunft der Elektronikbranche und des Standorts Deutschland ein?

Die Elektronikbranche hat eine zentrale Rolle in nahezu allen Zukunftsbereichen – von der Mobilitätswende über Digitalisierung bis zur Energieversorgung. Entsprechend sehen wir langfristig eine stabile, wenn nicht sogar steigende Nachfrage.

Was den Standort Deutschland betrifft: Die Grundlagen sind da – starke Industrie, exzellente Forschung, engagierte Mittelständler. Jetzt kommt es darauf an, Innovation zu fördern, Bürokratie abzubauen und auch in Bildung sowie Infrastruktur zu investieren. Wenn uns das gelingt, wird Deutschland weiterhin ein starker Innovationsstandort bleiben – und ein relevanter Treiber für die Elektronikbranche in Europa. (mk)

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