Robuste Lieferkette Lieferketten-Schluckauf: Reaktionen benötigen oft Zeit, KI verspricht Hilfe

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Einer Umfrage von Kinaxis zufolge sehen sich drei von vier Unternehmen pro Jahr mehrfach mit Unterbrechungen in der Lieferkette konfrontiert, und fast jedes dritte Unternehmen benötigt dann mehrere Tage, um betroffene Abteilungen zu identifizieren. Viele Unternehmen sehen in KI ein hilfreiches Werkzeug, diese Schwachstelle zu bekämpfen.

Exzessive Lagerhaltung kann möglicherweise dabei helfen, Störungen in der Lieferkette zu überwinden - allerdings bindet Lagerhaltung wiederum wertvolles Kapital.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Exzessive Lagerhaltung kann möglicherweise dabei helfen, Störungen in der Lieferkette zu überwinden - allerdings bindet Lagerhaltung wiederum wertvolles Kapital.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Eine widerstandsfähige Lieferkette ist entscheidend, um auch bei erheblichen Störungen den kontinuierlichen Waren- und Dienstleistungsfluss zu gewährleisten. Resilienz in der Lieferkette schützt vor Einflüssen wie Naturkatastrophen, geopolitischen Unsicherheiten, Gesundheitskrisen, Cybersicherheitsbedrohungen und ermöglicht eine flexible Anpassung an sich ändernde Marktanforderungen. Widerstandsfähigkeit minimiert die Auswirkungen von disruptiven Faktoren und gewährleistet somit eine effiziente und zuverlässige Lieferkette. 

Spätestens die Coronapandemie und die damit verbundenen Einschränkungen des sozialen Lebens sowie der wirtschaftlichen Produktion haben Lieferketten weltweit auf die Probe gestellt. Und diese Probe hat Anfang der 2020er-Jahre oft Pain Points in den Unternehmen entlarvt.

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Lieferketten weiterhin teils fragil

Dass die Lieferkette einzelner Unternehmen auf einige Jahre später immer noch fragil ist, ist wenig verwunderlich, in einer Zeit, in der die globale Gemeinschaft von einer Krise zur nächsten schlittert. Das macht sich laut einer Umfrage des Supply-Chain-Management-Anbieters Kinaxis in vielen Unternehmen gleich mehrfach im Jahr bemerkbar.

Demnach sind gleich drei von vier Unternehmen (73 Prozent) in Deutschland mehrmals im Jahr mit Unterbrechungen ihrer Lieferkette konfrontiert. Und davon benötigt jedes dritte Unternehmen mit häufigen Engpässen gleich mehrere Tage, um lediglich die betroffenen Unternehmensbereiche zu lokalisieren (34 Prozent der vormals genannten 73 Prozent). Für einen Großteil der von Lieferkettenunterbrechungen betroffenen Unternehmen sei es bereits eine optimale Situation, wenn man innerhalb von zwei oder drei Tagen oder schneller auf die Störung reagieren könne.

Zur Einordnung dieser Daten, die im Oktober 2023 ermittelt wurden: Die Umfrage haben die Mitarbeitenden des von Kinaxis beauftragten Unternehmens Sapio Research 200 Lieferkettenverantwortlichen aus deutschen Unternehmen beantworten lassen, die einen Jahresumsatz von mindestens 200 Millionen Euro erbringen.

Showstopper in der Lieferkette: Analyse schwierig

Ein Echtzeitüberblick über sämtliche Prozesse ist natürlich wichtig, insbesondere in einer Produktionskette. Allerdings haben bislang nur 36 Prozent der befragten Unternehmen einen Echtzeitüberblick über alle Abteilungen, der die Analyse zulässt, welche Bereiche von einer Unterbrechung der Lieferkette direkt oder indirekt betroffen sind. Dahingegen gaben 33 Prozent der Befragten an, die Auswirkungen eines Ausfalls innerhalb einiger Stunden erkennen zu können – und 28 Prozent bräuchten dafür sogar mehrere Tage.

„Neben der Sichtbarkeit, wann und wo eine Störung aufgetreten ist, fehlt den meisten Unternehmen die Transparenz für die tatsächlichen Auswirkungen auf ihr Geschäft“, betont Martin Bilstein, Regional Vice President für die DACH-Region bei Kinaxis. „Tritt eine Unterbrechung auf, kann nur jedes dritte Unternehmen die dadurch entstehenden Kosten (37 %), und nur jedes Vierte (26 %) die CO₂-Auswirkungen nachvollziehen. Angesichts des zunehmenden Drucks in Bezug auf transparente ESG-Ziele und -Berichte ist das eine beachtlich geringe Anzahl an Unternehmen.“

In Echtzeit könnten laut den erhobenen Daten von Kinaxis noch weniger Unternehmen auf eine Krise reagieren: Wenn es aufgrund einer plötzlichen Situation zu längeren Lieferzeiten in der Lieferkette käme, könnten nur 13 Prozent der befragten Unternehmen innerhalb weniger Stunden reagieren.

KI hilft beim Risikomanagement

Dabei erwarten 73 Prozent der Unternehmen, dass künstliche Intelligenz dazu beitragen wird, Lieferkettenunterbrechungen besser zu bewältigen und Risiken zu minimieren. Allerdings, wie eine andere Umfrage von Pure Storage zum Thema Unternehmensinfrastruktur und KI gezeigt hatte, muss sich ein Unternehmen auch passend auf die Einführung von KI vorbereiten, wenn die Künstliche Intelligenz Unterstützung gewähren soll.

Dass KI beim Risikomanagement helfen kann, sehen laut Kinaxis insbesondere technologieintensive Branchen. „Laut der Umfrage zeigt sich dieser Optimismus vornehmlich in Technologieunternehmen und technologieintensive Branchen wie die Luftfahrt- und Automobilbranche (75 %) sowie die Fertigungsindustrie (75 %). Zugleich hängt die Einstellung gegenüber KI von den eigenen Ambitionen ab: 84 Prozent der Unternehmen, die in Echtzeit auf Störungen in der Lieferkette reagieren wollen, sehen den Einsatz von KI optimistisch. Dagegen sind es 52 Prozent der Unternehmen, die nur innerhalb einer Woche auf ein Lieferkettenproblem reagieren wollen“, heißt es.

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Lieferkette weiter unter Beschuss

Machen wir uns nichts vor: Wir leben in wenig beständigen Zeiten. Entsprechend erwarten die befragten deutschen Unternehmen in den kommenden fünf Jahren weitere Lieferkettenstörungen. Zu 37 Prozent wird jeweils erwartet, dass diese Störungen von internationalen Konflikten verursacht werden und von daraus resultierenden Einflüssen auf die Energiepreise. Zu 32 Prozent wird mit Rohstoffknappheit gerechnet.

„Die Umfrage zeigt, dass schnelles Handeln und fundierte Entscheidungen auf Basis der richtigen Daten für die Mehrheit der Unternehmen immer noch ein Problem darstellen. Verschränkte Planung in Kombination mit KI, Heuristiken und Optimierung kann hier Abhilfe schaffen und sicherstellen, dass Supply-Chain-Manager für die Herausforderungen der heutigen Zeit gerüstet sind“, zieht Martin Bilstein als Fazit. (sb)

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