Robotik in der Logistik Lidl verwendet Entladeroboter von Boston Dynamics

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Der Entladeroboter Stretch von Boston Dynamics arbeitet nun im Regelbetrieb von Lidl. 22 Systeme sollen bis Mitte 2026 in Importlagern in mehreren europäischen Ländern Container automatisch entladen und damit körperlich belastende Tätigkeiten reduzieren.

Boston Dynamics Stretch: Der Entladeroboter arbeitet im niederländischen Venlo in einem Importlager von Lidl.(Bild:  Lidl/Henk van der Giessen)
Boston Dynamics Stretch: Der Entladeroboter arbeitet im niederländischen Venlo in einem Importlager von Lidl.
(Bild: Lidl/Henk van der Giessen)

Lidl treibt die Automatisierung seiner Logistik voran und setzt künftig stärker auf Robotik für das Entladen von Seecontainern. Nach einer Pilotphase, die im vergangenen September startete, hat der Handelskonzern jetzt bestätigt, dass der Roboter Stretch von Boston Dynamics in mehreren Importlagern fest eingeplant ist. Insgesamt 22 Systeme sollen bis Mitte 2026 in den Niederlanden, Belgien, Österreich und Spanien arbeiten. Der Rollout markiert den bisher größten bekannten Einsatz des speziell für Container entwickelten Roboters in Europa.

Stretch ist ein mobiler Entladeroboter, der Kartons direkt im Container greift und absetzt. Er verwendet einen vakuumbasierten Greifkopf mit mehreren Saugern, kombiniert mit Kameras und Bilderkennung. Das System orientiert sich im Container autonom, identifiziert Kartons und nimmt sie einzeln oder in Gruppen auf. Boston Dynamics nennt als typische Leistungswerte mehrere Hundert Kartons pro Stunde und eine Einsatzdauer von bis zu 16 Stunden pro Akkuladung.

Testphase überzeugte Lidl

Lidl begründet den Rollout mit einer erfolgreichen Pilotphase. Wie das Unternehmen mitteilt, fiel die Entscheidung nach einem Test in einem Importlager, dessen Ergebnisse intern als sehr positiv bewertet wurden. Auf Nachfrage betont Lidl, dass vor allem die körperliche Entlastung der Mitarbeitenden sowie die stabile Arbeitsgeschwindigkeit im Container entscheidende Faktoren gewesen seien. Stretch soll Container mit gemischten Kartongrößen, wechselnder Verpackungsqualität und teilweise unebenen Stapeln handhaben, was in europäischen Importlagern als kritischer Alltag gilt.

Unternehmen wie die Otto Group oder DHL nutzen Stretch bereits in anderen Logistikszenarien. Dort entlädt das System je nach Aufbau zwischen rund 400 und etwa 700 Pakete pro Stunde. Solche Werte lassen sich nicht direkt auf Lidl übertragen, geben aber eine Vorstellung davon, wo Stretch bei typischen Einsätzen landet.

Autonomie im Container

Technisch bleibt der Blick in den Container das anspruchsvollste Szenario. Im Inneren herrscht wenig Platz, die Beleuchtung schwankt und die Kartonlage wechselt von Container zu Container. Stretch kombiniert Tiefenkameras, 2D-Bildverarbeitung und ein internes Kartonmodell. Sein Roboterarm fährt auf einer mobilen Basis, die sich entlang der Containerkante bewegt. Der Vakuumgreifer arbeitet mit adaptivem Druck, um beschädigte Kartons nicht weiter zu belasten. Das System kommuniziert über eine lokale Edge-Steuerung und übergibt Statusdaten an die Lager-IT.

Boston Dynamics hat den Roboter in den vergangenen Jahren technisch weiterentwickelt. Neuere Varianten unterstützen Multipick-Funktionen, bei denen mehrere Kartons gleichzeitig bewegt werden. Das beschleunigt das Entladen bei leichten Verpackungen. Zudem verbessert Boston Dynamics fortlaufend die Bildverarbeitung, damit der Roboter auch in engen Bereichen und bei ungleichmäßigen Stapeln weniger manuelle Eingriffe benötigt.

Lidls Logistikstrategie

Lidl investiert seit Jahren in Automatisierung. Dazu gehören automatisierte Umpalettieranlagen wie Genesys One von Premium Robotics sowie umfangreiche Intralogistikprojekte in Zusammenarbeit mit Europa Systems. Der Einsatz von Stretch reiht sich in diese Linie ein, zielt aber speziell auf den ergonomisch schwierigen Prozess des Containerentladens. Der aktuelle Roboter-Rollout betrifft ausschließlich Importlager, die große Mengen Kartons aus Übersee abwickeln.  (mc)

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