Verweis auf schwächelnde Geschäftszahlen Italien will CEO von ST Microelectronics zum Rücktritt drängen

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Vertreter der italienischen Regierung, die am französisch-italienischen Chiphersteller ST Microelectronics beteiligt ist, möchten Medienberichten zufolge den Rücktritt von CEO Jean-Marc Chery forcieren. Grund sei neben der schlechten Wirtschaftszahlen auch eine „Verschiebung der Machtbasis in Richtung Frankreich“.

Jean-Marc Chery, Präsident und CEO von STMicroelectronics. Die italienische Regierung möchte einem Bericht der französischen Zeitung Las Echos dem seit Mai 2018 amtierenden Geschäftsführer aus seinem Amt drängen. Grund seien neben der schlechten Wirtschaftszahlen auch eine in den Augen der italienischen rechtsnationalen Regierung unfaire Verschiebung der des italienisch-französischen Unternehmens gen Frankreich.(Bild:  Pascal Bitz / STMicroelectronics)
Jean-Marc Chery, Präsident und CEO von STMicroelectronics. Die italienische Regierung möchte einem Bericht der französischen Zeitung Las Echos dem seit Mai 2018 amtierenden Geschäftsführer aus seinem Amt drängen. Grund seien neben der schlechten Wirtschaftszahlen auch eine in den Augen der italienischen rechtsnationalen Regierung unfaire Verschiebung der des italienisch-französischen Unternehmens gen Frankreich.
(Bild: Pascal Bitz / STMicroelectronics)

Die französische Zeitung Les Echos meldet, dass die italienische Regierung den Vorstandsvorsitzenden von ST Microelectronics, Jean-Marc Chery, zum Rücktritt drängen möchte. Man berufe sich hierfür auf Quellen aus dem italienischen Wirtschaftsministerium.

Wie Les Echos meldet sei nun speziell die unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni geführte rechtsnationale Regierung Italiens nicht nur über die schlechten Finanzergebnisse des vergangenen Jahres, sondern auch über eine „Verschiebung der Machtbasis innerhalb des Unternehmens in Richtung Frankreich“ verstimmt. Der Vorstand, der ST leitet, bestehe nicht mehr aus fünf Italienern von acht Mitgliedern, sondern aus drei Italienern von neun, heißt es in dem Bericht weiter.

Wirtschaftlich lief das vergangene Jahr in der Tat nicht positiv: Das Jahr 2024 gilt als eines der schlechtesten Geschäftsjahre seit Bestehen von ST Microelectronics, was an einer schwächelnden Nachfrage aus dem Industrie- und dem Automobilsektor liege. Aktuell zeichnet sich ab, dass sich die Situation je nach den weltweiten wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen mindestens bis zum zweiten Halbjahr 2025 oder möglicherweise bis 2026 nicht verbessern wird. Es wird erwartet, dass das erste Quartal 2025 das schwächste des Jahres sein wird. Deshalb hat das Unternehmen an diversen Standorten zu Jahresbeginn eine Produktionspause eingelegt.

Wie der Bericht von Les Echos nahelegt, habe das italienische Wirtschaftsministerium auch Sorge bezüglich möglicher Stellenkürzungen bei STM geäußert. Man befürchte, dass die Last eines Plans zum Abbau von etwa 3.000 Arbeitsplätzen oder 6 Prozent der Belegschaft unverhältnismäßig stark auf die italienischen Arbeitnehmer zurückfallen könnte.

Entsprechend mache sich Ministerium bereits frühzeitig dafür stark, dass der nächste CEO von ST wieder ein Italiener werden soll. Jean-Mary Chery ist seit Mai 2018 Präsident und CEO von ST Microelectronics und war erst im September 2023 für weitere drei Jahre im Amt bestätigt worden. Die Vorgänger von Jean-Marc Chery, Pasquale Pistorio und Carlo Bozotti, waren beide Italiener.

Die Regierungsführungen von Italien und Frankreich sind seit der Fusion von der italienischen SGS Microelettronica und dem französischen Konzern Thomson Semiconducteurs im Jahr 1987 direkt am Unternehmen ST Microelectronics beteiligt. Beide Regierungen sind 50:50-Partner in einer Holdinggesellschaft, die etwa ein Drittel der Aktien des Unternehmens kontrolliert. Die restlichen etwa zwei Drittel der Aktien werden an den Börsen von New York, Paris und Mailand gehandelt. ST Microelectronics selbst hat sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt (25.2.2025, 16:00 Uhr) noch nicht zu den Medienberichten geäußert. (sg)

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