Anbieter zum Thema
Ein paar Gedanken zur Toxikologie von Galliumarsenid
Die Einstufungsdiskussion bezieht sich auf die Fragen tumorige Wirkung und Fruchtbarkeitseffekte von jeglichen Arsenverbindungen, egal ob leicht löslich wie in Diarsentrioxid As2O3oder schwer löslich wie in Galliumarsenid (GaAs).
Galliumarsenid ist die am intensivsten untersuchte, anorganische Arsenverbindung. Vorliegende Reihenuntersuchungen in der elektronischen Industrie, die GaAs verarbeitet, haben keine Gefährdung der Mitarbeiter ergeben. Die Arsen-Belastung durch saubere Nahrung (Reis, Fisch, Meeresfrüchte,Trinkwasser) liegt etwa um den Faktor 10 höher als die mögliche Belastung am Arbeitsplatz.
Bei der Auswertung toxikologischer (Tier-) Studien müssen viele Teilaspekte zu einem widerspruchsfreien Gesamtbild zusammengefügt werden, daher wurden renommierte Toxikologen z.B. aus Deutschland und den USA von der GAIT-Initiative um ihr Urteil gebeten. Wer seitens des RAC bewertet hat, ist nicht transparent.
Tierstudien zeigen nach Auffassung der renommierten Toxikologen Garry Williams (New York Medical School) und Sam Cohen (University of Nebraska Medical Center) keinen Hinweis auf eine tumorige Wirkung. Allerdings erzeugt Feinstaub aus GaAs eine heftige Lungenreizung. Diese wirkt sozusagen als Frühindikator lange vor jedem anderen denkbaren Effekt, der aus der Belastung mit GaAs-Staub folgen könnte – d.h., in keinem Fall ist keine schleichende Vergiftung mit GaAs denkbar.
Gleiches gilt für eine mögliche, fruchtbarkeitsschädigende (reprotoxische) Wirkung. Dort ist der Vergleich zum Diarsentrioxid (As2O3) interessant. Diese gut lösliche und giftige Verbindung hat zahlreiche schädliche Wirkungen, hatte aber in Experimenten parallell zur Untersuchung des GaAs keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.
In elektronischen Bauteilen ist etwa so viel Arsen enthalten (1 bis 2 mg) wie in wenigen Gramm Gartenerde (Arsen ist ein in der Erdkruste sehr häufig vorkommendes Element, vergl. z.B. die Internetseite des amerikanischen, geologischen Dienstes, USGS. Der Festkörper GaAs ist praktisch nicht wasserlöslich (25µg/l) und zudem in elektronischen Bauteilen stark verkapselt (um das Bauelement zu schützen).
In Deutschland werden pro Jahr elektronische Komponenten mit zusammen deutlich weniger als geschätzt 0,5 t Arsen (im GaAs enthalten, verkapselt) vermarktet. Das Arsen stammt aus der Kupfer bzw. Zinkverhüttung (natürliche Beimischung, Zwangsanfall). Elektronische Bauelemente können in Europa gut recycelt werden (gute Technologie vorhanden), vorausgesetzt die Verbraucher geben ausgediente Geräte zu diesem Zweck auch zurück.
Wikipedia sagt: Arsen-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle und Öl in Westdeutschland betragen ca. 20 t pro Jahr, weltweit mehr als 50 000 t pro Jahr.
Die Industrie fordert nicht etwa eine bestimmte Einstufung des GaAs – wir sind keine Toxikologen – sondern eine faire Einstufung nach streng wissenschaftlichen Maßstäben.
(ID:29165530)