Intersolar 2024 Chinesische Übermacht überschattet die Solarbranche

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Auf der diesjährigen Photovoltaik-Messe Intersolar in München, die am 19. Juni ihre Tore öffnete, wird die chinesische Übermacht in der Solarbranche deutlich. Die Nachfrage nach Photovoltaikmodulen und -speichern ist groß, doch der Kampf der deutschen Unternehmen ist hart.

Schwieriges Terrain: Die Nachfrage nach PV-Modulen und Energiespeichern in Deutschland steigt. Doch chinesische Unternehmen dominieren den Markt und sorgen für einen harten Wettbewerb.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Schwieriges Terrain: Die Nachfrage nach PV-Modulen und Energiespeichern in Deutschland steigt. Doch chinesische Unternehmen dominieren den Markt und sorgen für einen harten Wettbewerb.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Am 19. Juni öffnete die Intersolar auf dem Münchner Messegelände ihre Pforten und bietet bis zum 21. Juni nicht nur Elektronikentwicklern eine Fülle an Informationen und Möglichkeiten. Denn hier trifft sich die gesamte Solar- und Energiespeicherbranche, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Solarbranche zu informieren. Über 1.500 Aussteller kommen in diesem Jahr nach München. Mit dabei sind Photovoltaik, Solarthermie, Solarkraftwerke und verwandte Produktgruppen. Darüber hinaus bietet die Messe Sonderbereiche wie PV Production Technologies und Start-ups @The smarter E Europe.

Das umfangreiche Begleitprogramm umfasst das Intersolar Forum und die PV Manufacturing Stage, wo Experten über die neuesten Technologien in der Produktion von Wafern, Zellen und Modulen sowie aktuelle Forschungs- und Entwicklungsansätze diskutieren. Darüber hinaus gibt es Seminare, Workshops und Live-Demonstrationen.

Viel Schatten auf der Intersolar 2024

Doch der Schatten, der dieses Jahr auf die Intersolar fällt, verdunkelt nicht nur die vielen Solarmodule. Dazu gehören unter anderem die Entscheidung des Solarmodulherstellers Meyer Burger, seinen Standort mit 500 Mitarbeitern im sächsischen Freiberg zu schließen. Auch der österreichische Wechselrichter-Hersteller Fronius will bis zu 350 Stellen streichen. Und schließlich will auch die Dresdner Solarwatt die Produktion bis August nach China verlegen. Forschung und Entwicklung sollen am deutschen Standort bleiben.

Chinesische Übermacht bei Solarmodulen bis Wechselrichter

Wer in diesen Tagen über die Intersolar geht, um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen, stellt fest: China ist in diesem Jahr überall. Wie auf vielen Elektronikmessen sind die Chinesen mit einem Großaufgebot angereist. Gegen die chinesische Übermacht kämpft unter anderem Senec aus Leipzig und Köln. Das Unternehmen bietet Solar- und PV-Komplettsysteme an. Geschäftsführer Christian Haferkamp sagte im Deutschlandfunk: „Trotz der Marktmacht der Chinesen können wir uns als deutsches Unternehmen im stetig wachsenden PV-Markt behaupten. Die Frage ist, welche Teile man selbst hier in Deutschland produziert und welche nicht“.

Senec beschäftigt an seinen Standorten 650 Mitarbeiter und stellt seine Batteriespeicher in Deutschland her. Die Photovoltaik-Module kaufe man allerdings in China ein. Dort sind die Preise viel günstiger. „Die Preise für PV-Module haben sich im vergangen Jahr teilweise halbiert“, sagt Haferkamp. Das ist für die Kunden gut, allerdings für die deutschen Hersteller eine Katastrophe.

Große Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland laut Bundesnetzagentur neue Solaranlagen mit einer Leistung von 14,1 Gigawatt installiert – fast doppelt so viel wie 2022. In diesem Jahr werde die installierte Photovoltaik-Leistung „im unteren zweistelligen Prozentbereich“ wachsen, erwartet Carsten Körnig. Er ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW).

„Die Anwender und die Allgemeinheit profitieren von preiswerten Solarmodulen. Und das ist auch wichtig, dass dieser Trend nicht gestoppt wird. Die Frage ist nur, wer spielt da mit, wer ist in der Lage zu gleichen Erzeugungskosten günstig Solarmodule zu produzieren? Was wir nicht gebrauchen können, sind Zölle und Marktzugangsbarrieren. Wir würden einen Protektionismus-Wettbewerb mit China nicht durchstehen können“, sagt Körnig gegenüber dem Deutschlandfunk. Sein Lösungsvorschlag: „Investitionshilfen und Garantien für europäische Hersteller, denn die verringern die Abhängigkeit von Fernost.“

„Ungefähr 94 Prozent der PV-Module kommen aus Asien-Pazifik. Weitere drei Prozent werden von US-Unternehmen produziert, und dann kommt Europa“, sagt Eva Poglitsch, Energieexpertin bei der Unternehmensberatung Strategy&, einer Tochter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC gegenüber der Tagesschau.

Harter Kampf deutscher Photovoltaik-Firmen

„Für die deutschen Unternehmen ist der Kampf um den Markt brutal“, sagt Christian Haferkamp von Senec. Vor zwei Jahren hätten sich die drei größten deutschen Anbieter, neben Senec noch Sonnen und E3DC, rund 60 Prozent des Marktes geteilt. „Jetzt sind wir eher in einer Phase, in der wir schon einen intensiven Marktkampf haben, weil sich viele auf hohe Kapazitäten eingestellt haben“, sagt Haferkamp. Die drei deutschen Anbieter haben heute noch einen Marktanteil von 20 Prozent.

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Chinesische Anbieter wie Huawei werden immer stärker. Weil sie konsequent ihre Strategie verfolgen. „Die Asiaten haben 15 Jahre lang auf den Ausbau der Solarenergie im eigenen Land gesetzt. In dieser Zeit haben wir in Deutschland und Europa industriepolitisch auf den Bäumen gesessen“, kritisiert Carsten Körnig die verpasste Entwicklung der Solarbranche in Deutschland und Europa.

„Deutschland und Europa müssten die Solarbranche jetzt sinnvoll fördern. Schließlich gehe es um die Energiewende und den Kampf gegen den Klimawandel. Eine Unterstützung und individuelle Förderung in Deutschland halte ich für sehr sinnvoll“, sagt Christian Haferkamp von Senec abschließend. (heh)

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