Verschärfte Kontrollen Internationale Expansion: Chinas Chipindustrie stößt auf Widerstand

Von Henrik Bork* 3 min Lesedauer

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Elmos, ERS Electronic und andere: Seit etwa ein bis zwei Jahren erfahren chinesische Unternehmen verstärkten Gegenwind, wenn sie versuchen, international Firmen und Know-how aufzukaufen. Da bisherige Märkte wegbrechen, müssen sie sich jedoch anders orientieren.

Mitte 2021 hatte Nexperia angekündigt, in den nächsten 12 bis 15 Monaten 700 Millionen US-Dollar in seine europäischen Wafer-Fabriken, in Test- und Montagefabriken in Asien und weltweite F&E Standorte zu investieren. Darunter die eigene Wafer-Fabrik in Hamburg, Deutschland (Bild). Nun übernimmt das Unternehmen das niederländische Startup Nowi Energy.(Bild:  Nexperia)
Mitte 2021 hatte Nexperia angekündigt, in den nächsten 12 bis 15 Monaten 700 Millionen US-Dollar in seine europäischen Wafer-Fabriken, in Test- und Montagefabriken in Asien und weltweite F&E Standorte zu investieren. Darunter die eigene Wafer-Fabrik in Hamburg, Deutschland (Bild). Nun übernimmt das Unternehmen das niederländische Startup Nowi Energy.
(Bild: Nexperia)

Die Übernahme eines Startups in den Niederlanden ist ein seltener Erfolg für die chinesische Halbleiterindustrie: Nexperia, einer Tochter des chinesischen Wingtech-Konzers, ist von der holländischen Regierung die Übernahme des Chip-Startups Nowi Energy erlaubt worden.

Wie Nexperia Ende November in einer Presseerklärung mitteilte, hat das Ministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten und Klimapolitik in Den Haag nun trotz zunehmenden Bedenken gegenüber chinesischen Unternehmen den Verkauf des Startups in Delft für 25,2 Milliarden Yuan (rund 3,3 Mrd. Euro) genehmigt.

„Wir sind froh, dass es nach einer Periode der Unsicherheit nun endlich Klarheit gibt,“ sagte Charles Smit, Head of Corporate Affairs bei Nexperia. „In diesen unsicheren Zeiten ist ein transparenter, auf Fakten basierender Dialog zwischen Regierung und Unternehmen von herausragender Bedeutung.“

Fortschrittliche Energy-Harvesting-Technolgie

Das 2016 gegründete Startup Nowi produziert Chips, die in einfachen Elektronikprodukten die direkte Nutzung der Umgebungsenergie ermöglichen – man spricht von Energy Harvesting. Sie können zum Beispiel in Fernbedienungen und anderen kleinen Geräten verwendet werden, dort Batterien laden oder diese sogar ersetzen.

Doch diese Akquisition ist aus der Perspektive der gesamten chinesischen Halbleiterindustrie eher die Ausnahme als die Regel. Aufgrund sinkender Margen im Geschäft mit Handys und Verbraucherelektronik versuchen Chinas Chiphersteller international zu expandieren, stoßen dabei aber zunehmend auf Hindernisse.

Keine europäischen Subventionen für Nexperia

Zunehmend werden Investitionen chinesischer Hersteller auch in Europa deutlich stärker als früher unter die Lupe genommen. Im Juni hatte die EU-Kommission beispielsweise Nexperia den Zugang zu Subventionen verwehrt. Die von Wingtech in China kontrollierte, aber in den Niederlanden ansässige Firma schaffte es nicht auf eine IPCEI-Liste (Important Project of Common European Interest) von 68 Technologie-Projekten, die von der EU gefördert werden.

Letztlich ging es dabei um die Frage, ob unter anderem deutsche Steuerzahler einen Chiphersteller subventionieren sollen, der über Wingtech zu gut einem Drittel dem chinesischen Staat gehört. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte sich letztlich dagegen entschieden.

Anfang November musste Nexperia auch bekannt geben, dass es seine Waferfabrik in Newport (Wales) wieder verkaufen muss – zumindest zu einem wesentlichen Teil. Das Unternehmen hatte die Fabrik schon im Juli 2021 übernommen – und mit ihm eine Galliumnitrid-auf-Silizium-Prozesstechnologie (GaN-on-Si) zum Herstellen von Leistungshalbleitern. Ende letzten Jahres wurde der Deal aufgrund des neuen „National Security and Investment Act“ in Großbritannien nachträglich verboten.

Politische Gründe für Verkauf?

Dass nun immerhin die Übernahme eines Startups in den Niederlanden möglich geworden ist, hat Analysten zufolge ebenfalls politische Gründe. Die holländische Regierung hatte auf Drängen der USA den Verkauf von hochmodernen Ausrüstungen zur Chipherstellung an China eingeschränkt. Nun aber wolle man demonstrieren, dass man weiterhin mit China Geschäfte machen und die Tür für Peking nicht komplett zuschlagen wolle, heißt es in diplomatischen Kreisen in Peking.

Insgesamt aber bleiben die politischen Widerstände gegen internationale Fusionen und Übernahmen ein großes Problem für chinesische Halbleiterhersteller. Viele von ihnen, darunter auch die Nexperia-Mutter Wingtech, machen den Großteil ihrer Geschäfte nach wie vor auf dem Chipmarkt für Smartphones und Verbraucherelektronik.

Sie versuchen genau wie die Chiphersteller in anderen Ländern, ihre sinkenden Einnahmen in diesem Segment durch stärkere Investitionen in das lukrative Geschäft mit Autochips und anderen Spezial-Halbleitern abzufedern.

Marktpotenziale jenseits von Consumer-Elektronik

Einem Bericht von IDC zufolge ist der globale Absatz von Mobiltelefonen im Jahr 2022 auf rund 1,2 Milliarden Einheiten gesunken. Das waren 11,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Ähnlich düster sieht es bei Laptops (minus 23 Prozent) und Tablets (minus 3,3 Prozent) aus.

Für Nexperia, das im vergangenen Jahr zum fünftgrößten Chiphersteller der Welt aufgestiegen ist, ist der Pivot zu neuen Produkten jenseits der Verbraucherelektronik daher ein wichtiger Teil seiner Unternehmensstrategie. (me)

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* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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