Intel will Elon Musk bei seinem ambitionierten Terafab-Projekt unterstützen. Zwei Tech-Riesen Seite an Seite? Die Aktionäre lässt das jubeln. Über eine Strategie hinter der strategischen Partnerschaft bleibt indes weiter nichts bekannt. Aber womöglich IST das auch die Strategie.
Hand in Hand: Intel-CEO Lip-Bu Tan geht mit seinem Unternehmen eine strategische Partnerschaft im großspurigen Terafab-Projekt ein. Aber Umfang, Zeitrahmen und Zweck bleiben weiterhin schwammig.
(Bild: SemWiki/X)
Nun also ist auch Intel an Bord bei Elon Musks groß angekündigtem Terafab-Projekt. Das Unternehmen gab am Dienstag bekannt, dass es nun Teil der Tesla/SpaceX Initiative ist. „Unsere Fähigkeit, extrem leistungsstarke Chips in großem Maßstab zu entwerfen, herzustellen und zu verpacken, wird dazu beitragen, Terafabs Ziel zu beschleunigen, eine Rechenleistung von 1 TW pro Jahr zu erzeugen, um künftige Fortschritte in den Bereichen KI und Robotik voranzutreiben“, ließ sich Intel-CEO Lip-Bu Tan in einem Statement des Unternehmens zitieren. Dies könnte Tesla, SpaceX und xAI dabei unterstützen, ausreichende Rechenleistung für KI- und Robotikanwendungen der nächsten Generation zu sichern. Terafab stelle „einen grundlegenden Wandel darin dar, wie Siliziumlogik, Speicher und Gehäuse in Zukunft hergestellt werden.“
Schöne Worte, wenig Substanz
Das sind ja alles wohlklingende Worte. Nur, wie diese Unterstützung aussehen soll, oder über welchen Zeitrahmen dies vonstatten geht, darüber ist nichts bekannt. Stellt Intel Foundry-Kapazitäten zur Verfügung? Ist Intel am Design der gefragten Chips tatsächlich direkt beteiligt? Oder nur in beratender Funktion tätig?Wie soll das Ziel, in einer einzigen Anlage sowohl Logik- als auch Speicher-Chips zu fertigen, technologisch umgesetzt werden? Hatte Tesla nicht erst vor Kurzem hinsichtlich Speicher einen 16,5 Milliarden US-$ schweren, langjährigen Fertigungs-Deal mit Samsung geschlossen, um eben jene Chips in den neuen Werken in Texas fertigen zu lassen? Und vor allem: Bis wann soll sie denn jetzt nun kommen, diese sagenumwobene Terafab?
Folgende Angaben sind bislang zum Projekt bekannt: Dort sollen KI-Chips mit einer „Leistung von 1 Terawatt pro Jahr“ gefertigt werden. Von 2-nm-Strukturen war die Rede. Die Chips sollen „um eine Größenordung“ leistungsfähiger sein als das, „was gegenwärtig auf dem Markt ist“. Analysten veranschlagen die Kosten für dieses Projekt bei 5 Billionen US-$ (ja, im englischen ist von Five trillion dollars die Rede!). Bis wann dies umgesetzt sein soll, oder in welchem Jahr überhaupt der Bau einer solchen Anlage angepeilt wird, dazu gibt es keinerlei Angaben. Der Bau einer „regulären" Fab kann gewöhnlich 30 Milliarden US-$ verschlingen und gut drei Jahre in Anspruch nehmen, ehe die ersten Chips vom Band laufen. Und das gilt für Unternehmen, die eine Ahnung davon haben, wie man Fertigungsprozesse und IP-Nodes konzipiert und umsetzt.
Natürlich wird jetzt viel spekuliert, in welcher Form Intel an diesem Projekt beteiligt sein könnte. Ein sinnvoller Weg könnte sein, zusammen mit Tesla eine koordinierte Lieferkette mit einem Kapazitätspool aufzubauen, der sowohl eigene Anlagen als auch Anlagen anderer Chiphersteller wie Intel umfasst, mutmaßt man etwa auf Tom’s Hardware. Allerdings widerspricht das der Ansage, dass in der Terafab „alles an einem Ort“ entwickelt und gefertigt werden soll. Auch über maßgeschneiderte, gemeinsam von Intel und Tesla finanzierte Fertigungsanlagen oder zumindest Produktlinien wird spekuliert. Oder auch, dass Intel komplett mit Design und Fertigungschips über den Intel Foundry Service beauftragt werden könnte. Aber wozu dann die „eigene“ Fab, die größer als alles sein soll, was bisher im Bereich der Chipfertigungsstätten aufgezogen wurde?
„Elon hat bereits mehrfach bewiesen, dass er ganze Branchen neu erfinden kann“, schrieb Intel-CEO Lip-Bu Tan in einem Beitrag auf Musks persönlicher Social-Media-Plattform X. „Genau das ist heute in der Halbleiterfertigung gefragt. Terafab stellt einen grundlegenden Wandel darin dar, wie Siliziumlogik, Speicher und Gehäuse in Zukunft hergestellt werden.“ Das klingt ja alles schön und gut, die Frage nach dem Wie oder nach irgendeiner ersichtlichen Strategie beantwortet das aber nicht. Und dass diese Worte vom Geschäftsführer eines Unternehmens kommen, das seine einstigen Vorzüge in der Prozessorfertigung über das letzte Jahrzehnt hinweg leichtfertig verspielt hat, besitzt auch einen gewissen Beigeschmack.
Stand: 08.12.2025
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Viele kaputte Dinge, aber kaum Resultate
Jetzt mal ehrlich, was blieb denn von Musks großen Versprechungen der letzten Jahre übrig? Was kann das KI-Modell Grok von xAI letztlich besser als die Modelle von Anthropic, OpenAI oder Google, außer vielleicht den Holocaust zu verharmlosen oder Deepfake-Pornos von echten Menschen zu produzieren? Wie revolutionär waren nochmal Teslas Cybertrucks oder die großspurig angekündigten E-LKWs? Und wie weit ist Tesla mit seinen selbstfahrenden Fahrzeugen? Schnell bewegt und Dinge kaputt gemacht hat Elon durchaus, aber welche Resultate sind denn jetzt da? „Move fast and break things" mag ja ein toller alternativer Slogan zu „Mut zum Scheitern" sein, sollte sich aber nicht auf die Geschwindigkeit beziehen, mit der ein selbstfahrender Autopilot durch eine Mauer oder menschengroße Dummies fährt. Wenn man nun bedenkt, welche Summen für den Aufbau von Fabs aufgewendet werden müssen und wie entscheidend Reinheit und Sauberkeit bei der Wafer-Fertigung sind, wird mir bei diesem Spruch ganz schwindlig. Bitte versuchen Sie sich einmal das Credo „move fast and break things" angesichts einer High-NA-EUV-Anlage von ASML vorzustellen.
Ja, es ist durchaus möglich, sich eigenes Chip-Know-How anzueignen und irgendwann selbst tolle Prozessoren zu entwickeln. Apple hat das mit der M-Serie gut vorgemacht. Nur hat sich Apple dieses Wissen über fast zwei Jahrzehnte hinweg konsequent aufgebaut und nicht einfach in wenigen Jahren aus dem Boden gestampft. Und gefertigt werden die M-Prozessoren immer noch bei TSMC.
Zwei Unternehmen, die den Technologieführern hinterherrennen
Da wir gerade von TSMC sprechen, hier liegt der eigentliche Hund begraben: So sehr Intel auch händeringend nach Kunden für den hauseigenen 18A-Foundry-Prozess sucht, als Maß aller Dinge gelten immer noch die Fertigungsspezialisten aus Taiwan. Bei Speichern haben die Foundries von Samsung die Nase vorn, und technologisch laufen auch Sk Hynix oder Micron auf diesem Feld Intel den Rang ab.
Unter diesem Aspekt muss man sich schon die Frage stellen, warum Tesla/SpaceX ausgerechnet mit Intel auf diesem Gebiet partnern möchte. Man fragt sich unweigerlich, ob da nicht eine gewisse „Make America great...“ ich meine, „Made in America“ Tendenz eine Rolle spielen dürfte.
Natürlich, einen Vorteil dürfte sich Musk schon jetzt verschafft haben: Prinzipiell hat er wohl nun die Möglichkeit, bei Intels Prozessorfertigung und bei Samsungs Speicherproduktion in die Karten zu schauen. Das dürfte auch essenziell sein, schließlich verfügt man weder bei Tesla noch bei SpaceX noch bei xAI bislang über jegliches Know-How hinsichtlich Prozessknoten oder Fertigungstechnologien.
Am Ende zählt nur der Börsenkurs
Vielleicht aber schließen hier auch nur zwei technologische Player eine reine Publicity-Partnerschaft in der Hoffnung, Kunden anzulocken und neues Vertrauen bei Anlegern zu schaffen. Denn es scheint, als wäre vor allem letzteres die eigentliche große Absicht hinter Elon Musks Plänen, schließlich strebt der Geschäftsmann mit dem angehenden Börsengang von SpaceX eine noch nie dagewesene initiale Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar an! Und auch Intel käme ein Vertrauensschub von Seiten der Aktionäre gerade sehr Recht: Das Unternehmen hat kürzlich seine Anteile an seiner irischen Fab in Leixlip zurückgekauft, kann aber weiterhin noch kaum namhafte Kunden für seine Fertigungsprozesse vorweisen. Da müssen natürlich bei beiden Firmen nun vielversprechend klingende und aufmerksamkeitsheischende Partnerschaften her.
Wer weiß, vielleicht bin ich auch nur zynisch. Vielleicht werde ich 2030 an meinem Schreibtisch sitzen und diese von mir geschriebenen Worte buchstäblich fressen. Aber wahrscheinlich landet da eher noch eine SpaceX-Rakete auf dem Mars.(sg)