Intel-Investitionen Intel bekommt Subventionen in den USA – und expandiert dennoch in China

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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„Trotz allem“, muss man wohl sagen: Intel hat angekündigt, sein Werk für Packaging und Testing von Halbleitern im chinesischen Chengdu zu erweitern. 300 Millionen US-Dollar (rund 280 Millionen Euro) will das Unternehmen aus Santa Clara in Kalifornien dafür neu in China investieren, gab die örtliche Planungsbehörde der Stadt bekannt.

Bei Intel will man sich in allen Bereichen absichern.(Bild:  Intel Corporation)
Bei Intel will man sich in allen Bereichen absichern.
(Bild: Intel Corporation)

Die Investition kommt überraschend für viele Beobachter, weil sie vor dem Hintergrund des immer schärferen Technologie- und Halbleiterkrieges stattfindet, mit dem Washington den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas zu behindern versucht. Wie die Investitionsentscheidung von Intel bei der noch amtierenden und der gerade neu gewählten US-Regierung ankommen wird, ist eine spannende Frage. Washington bemüht sich, die Produktion von Halbleitern zurück in die USA zu holen, und auch Intel hat dafür bereits Subventionen erhalten.

Sicherheitsuntersuchung für Intel-Chips

Auch auf der anderen Seite der sich verhärtenden Fronten, in der Volksrepublik China, hatte es kürzlich nach Gegenwind für Intel ausgesehen. Mitte Oktober hatte die regierungsnahe „Cybersecurity Association of China“ (CSAC) öffentlich eine Sicherheitsuntersuchung für Intel-Chips in China gefordert. Die Produkte der Amerikaner hätten Schwachstellen und könnten „geheime Hintertüren“ enthalten, schrieb die CSAC auf ihren sozialen Medien-Kanälen.

Zwar kam dieser Warnschuss an Intel nicht von einer Regierungsstelle, sondern nur von einem regierungsnahen Industrieverband. Die CSAC steht aber der mächtigen Cyberspace Administration of China (CAC) nahe, die solche Untersuchungen gegen ausländische Chiphersteller einleiten kann und dies in der Vergangenheit auch schon getan hat.

Trotz alledem – oder möglicherweise gerade deshalb – ist nun aber eine substanzielle Erweiterung der Kapazitäten für Testing und Packing von Server-Chips in dem existierenden Intel-Werk in Chengdu geplant. Natürlich unter der Prämisse, dass die Ankündigung aus Chengdu bestätigt und nicht noch in letzter Minute durch politische Interventionen verhindert wird.

Intel will damit vor allem seine Kapazitäten im Segment Server-Chips für den chinesischen Markt ausbauen. Der Ausbau von Datenzentren boomt in China und hat gerade noch einmal einen wesentlichen Anschub erfahren, als die Zentralregierung in Peking Big Data, Datenzentren und die künstliche Intelligenz zu einem Teil der „neuen hochqualitativen Produktivkräften“ erklärt hat. Diese Bereiche sollen ab jetzt im Zuge der Digitalisierung der chinesischen Wirtschaft besonders gefördert werden.

Unterstützung für die lokale Lieferkette

Das Werk für Testing und Packaging in Chengdu ist schon jetzt eines der drei größten Werke dieser Art, die Intel weltweit betreibt. Die Hälfte aller Chips für mobile Endgeräte, die Intel weltweit verkauft, wird dort getestet und verpackt. Doch nun soll auch der Server-Markt in China und global besser bedient werden können. Die 300 Millionen USD fließen in die lokale Intel-Tochter „Intel Products (Chengdu)“ und solle vorrangig „den Bedarf chinesischer Kunden für hocheffiziente, maßgeschneiderte Packing-Lösungen“ bedienen, hieß es in der chinesischsprachigen Meldung aus der Hauptstadt der Provinz Sichuan.

Intel hoffe, damit „die Effizienz seiner lokalen Lieferketten, die Unterstützung chinesischer Kunden und seine Reaktionszeit zu verbessern“, so die Verlautbarung weiter. Gleichzeitig soll ein neues Zentrum für den Kundenservice gebaut werden, in dem chinesischen Unternehmen „One Stop“-Lösungen für ihre Digitalisierung angeboten werden können.

Trotz der Spannungen zwischen Washington und Peking ist China für Intel im globalen Vergleich nach wie vor der größte Absatzmarkt überhaupt. 27 Prozent seines gesamten Umsatzes haben die Amerikaner vergangenes Jahr in China erwirtschaftet, zeigen die Finanzberichte des Unternehmens. Im Heimatmarkt der USA sind es 26 Prozent. Wenn Intel nun im Markt für Server expandieren will, so erfolgt dies auch vor dem Hintergrund eines immer schärferen Wettbewerbs in diesem Segment. Im dritten Quartal dieses Jahres hat der Intel-Konkurrent AMD zum ersten Mal mehr Umsatz im Datenzentren-Segment gemacht als der langjährige Marktführer Intel. Zwar verkauft Intel weltweit immer noch mehr Server-Chips als AMD, doch AMD konnte bessere Margen erwirtschaften.

Tanz auf allen Partys

Nachfolge-Investitionen, um das Chinageschäft zu stärken und gegen Konkurrenten zu verteidigen, wären in normalen Zeiten in dieser Größenordnung daher nicht weiter verwunderlich. Doch mit dem unter der ersten Trump-Präsidentschaft begonnenen „Chip War“ gegen China, der unter Präsident Biden weiter intensiviert worden ist und jetzt mit einer zweiten Trump-Präsidentschaft vor der Tür sind dies alles andere als „normale Zeiten“ für die globale Halbleiter-Industrie.

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Die Strategie von Intel kann mit dem Versuch beschrieben werden, möglichst beide Seiten bei Laune zu halten. Unter dem „Chips and Science Act“, mit dem versucht wird, die weitgehend abgewanderte Halbleiterfertigung wieder zurück in die Heimat zu holen, hat Intel erst im März dieses Jahres 8,5 Milliarden USD an Subventionen und weitere 11 Mrd. USD an Krediten bekommen. Das allerdings im Gegenzug für das Versprechen, neue Chip-Werke in den USA zu errichten.

Andererseits sind Investitionen in China der beste Schutz davor, zum Opfer von chinesischen Vergeltungsmaßnahmen zu werden. Die kommunistischen Kader in Peking sehen es mit Wohlwollen, wenn in ihre heimische Hightech-Industrie investiert wird. Sie ermutigen dies ausdrücklich und rollen für amerikanische CEOs wie den Intel-Chef Pat Gelsinger und den Tesla-CEO Elon Musk den roten Teppich aus, wenn sie in Peking landen. Wer im chinesischen Markt weiterhin erfolgreich sein will, allen geopolitischen Risiken zum Trotz, benötigt auch das Wohlwollen der technokratischen Parteiführer in Peking. (sb)

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