Abkehr von China Nach 25 Jahren: IBM schließt zwei F&E-Zentren in China

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Es klingt ein wenig danach, als hätte man sich auseinandergelebt. Recht überraschend haben die Verantwortlichen von IBM die Schließung von zwei Forschungseinrichtungen in China verkündet. Der Schritt hatte sich in der jüngeren Vergangenheit bereits abgezeichnet.

Seit längerem wird die Strategie verfolgt, sich aus China zurückzuziehen und stattdessen in Standorte in Indien zu investieren.(Bild:  IBM)
Seit längerem wird die Strategie verfolgt, sich aus China zurückzuziehen und stattdessen in Standorte in Indien zu investieren.
(Bild: IBM)

IBM schließt zwei Forschungs- und Entwicklungszentren in China, berichtet das chinesische Wirtschaftsportal Caixin. Rund 1.600 Angestellte sind von der Schließung betroffen und offenbar auf eine sehr „amerikanische“ Art und Weise von der Nachricht überrumpelt worden, legt der Bericht nahe. „Wir ziehen alle unsere Entwicklungs-Missionen aus China ab“, sagte Jack Hergenrother, VP Global Enterprise Systems Development, einer Caixin vorliegenden Mitschrift seiner Ansprache an die Belegschaft in China zufolge. Er habe die Entscheidung von IBM mit der „Dynamik des Marktes“ und dem „scharfen Wettbewerb“ in China begründet, hieß es.

Geschlossen werden das China Development Lab (CDL) und das China Systems Lab (CSL) von IBM. CDL ist auf die Entwicklung von Anwendungs-Software spezialisiert und hat mehr als 1.000 Mitarbeiter. CSL entwickelt System-Software, beispielsweise für Mainframe-Datenbanken, und verfügt über knapp 700 Mitarbeiter, schreibt Caixin.

Beide F&E-Zentren waren 1999 gegründet worden. Die Nachricht von ihrer Schließung, obwohl nicht gänzlich unerwartet, sandte dennoch „Schockwellen durch die lokale Tech-Community“, wie die Zeitung South China Morning Post (SCMP) beobachtet hat.

Vorzeigearbeitgeber gibt sich amerikanisch

Viele Jahre lang war IBM in der Volksrepublik einer der begehrtesten Arbeitgeber für junge Absolventen von Chinas Top-Universitäten gewesen. Mitarbeiterschulung, Löhne und die Unternehmenskultur galten in China ein Vierteljahrhundert lang als absolut vorbildlich.

Einige Mitarbeiter entdeckten aber am Freitag vergangener Woche, dass sie plötzlich keinen Zugang mehr zum Intranet der Firma hatten. Manche hielten das zunächst für einen Systemfehler, bis sie dann später Anrufe und die traurige Nachricht von ihrer Kündigung erhielten. Erst am darauffolgenden Montag hatte das IBM-Management dann Zeit für ein dreiminütiges Online-Meeting mit den betroffenen Angestellten, wie die SCMP unter Berufung auf einen Mitarbeiter berichtet. Fragen hätten die gerade gefeuerten IBM-Mitarbeiter dabei aber keine stellen dürfen. „Mehr als 1.000 Angestellte werden in Peking, Shanghai und Dalian entlassen“, zitiert die Zeitung verschiedene chinesische Medienberichte aus den betroffenen Städten.

Indien als Alternative zu China

In den ersten drei Jahrzehnten, seit IBM 1984 im großen Stil in China zu investieren begann, war das Geschäft des Unternehmens dort sehr lukrativ gewesen, unter anderem durch den Verkauf von Servern an chinesische Banken und Telekom-Unternehmen. Doch die Beziehungen zwischen Washington und Peking begannen sich rapide zu verschlechtern, nachdem in den USA chinesische Armee-Offiziere diverser Vergehen beschuldigt und in Abwesenheit verurteilt worden waren.

2014 beschleunigte die kommunistische Führung in Peking daher eine „De-IOE“-Kampagne, die von seinen Staatsbetrieben eine Abkehr von amerikanischen Software-Produkten verlangte. Die Abkürzung „IOE“ steht hier für IBM, Oracle und EMC (das seither mit Dell fusioniert worden ist). Der Rückgang des Chinageschäfts von IBM beschleunigte sich noch weiter, seit die USA 2018 ihren Handels- und Chip-Krieg gegenüber der Volksrepublik begonnen hatten. Im vergangenen Jahr fiel der Umsatz von IBM in China um 19,6 Prozent, während er in Asien-Pazifik insgesamt um 1,6 Prozent gestiegen ist, so ist es dem jüngsten Jahresbericht des Unternehmens zu entnehmen.

Chinas Unternehmen, egal ob staatlich oder privat, kaufen zunehmend bei chinesischen Konkurrenten von IBM ein. Seit 2018 hat IBM damit begonnen, einen Teil seiner F&E-Mitarbeiter aus der Volksrepublik abzuziehen. 2021 ist bereits das „China Research Laboratory“ geschlossen worden - 26 Jahre nach seiner Öffnung.

Ein in Indien geborener IBM-CEO ist offenbar auch nicht optimal für das Chinageschäft, kommentierten chinesische Medien. „Im Jahr 2020, nachdem Arvind Krishna CEO geworden ist, hat sich die Verlagerung der F&E-Arbeitsplätze nach Indien beschleunigt, trotz seiner mehrfachen Besuche in China und der Beteuerung der Wichtigkeit des chinesischen Marktes“, schreibt die SCMP.

IBM investiert momentan in seine indischen F&E-Zentren in Bangalore und Gurgaon und auch in einen neuen Cybersecurity-Hub in Bangalore. „Es ist kein Geheimnis, dass IBM in Indien rapide expandiert und damit seine Forschung & Entwicklung in China ersetzt“, sagte ein IBM-Mitarbeiter gegenüber Caixin.

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Der Abbau bei IBM aus China ist Teil einer Welle des Rückzugs amerikanischer Tech-Unternehmen aus der Volksrepublik. Microsoft soll Medienberichten zufolge chinesische Mitarbeiter im Mai dieses Jahres gefragt haben, ob für sie ein Umzug in die USA infrage kämen. LinkedIn, das Microsoft gehört, hat vor rund einem Jahr seine chinesische Plattform geschlossen. Airbnb hat aufgegeben, nachdem die harschen Corona-Maßnahmen in China das hiesige Geschäft dezimiert hatten. Der E-Book-Store von Amazon in China hat ebenfalls bereits aufgegeben. (sb)

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