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Nicht alle Farbkombinationen sind geeignet

Mit der Vielfalt verfügbarer Displays ist die Farbauswahl zu einem wichtigen Designaspekt geworden. Auch hierzu gibt die Norm Empfehlungen auf Basis von Erkenntnissen zur Physiologie und Psychologie der Farbwahrnehmung. Manche Farbkombinationen für Zeichen und Hintergrund sind besser geeignet als andere. So sind beispielsweise Kombinationen aus Schwarz und Gelb oder aus Weiß und Blau gut lesbar, während man von Rot/Grün-Kombinationen Abstand nehmen sollte. Letzteres auch wegen einer möglichen Rot/Grün-Blindheit bei Männern. Allgemein wird dieser Aspekt durch den Farb-Abstand deltaE ausgedrückt, den zwei Farben im Farbraum, nach dem von der CIE veröffentlichten Modell CIELUV (s. Bild), haben.
Hier wird neben der Farbe auch die Helligkeit berücksichtigt. Der Farbabstand in diesem Modell ist eine Möglichkeit neben dem Hell/Dunkel-Kontrast auch Farbkontraste numerisch auszudrücken, wie man sie beispielweise als Komplementärkontraste in der Kunst kennt. Aus diesem Farbraummodell lässt sich erklären, warum Gelb auf Schwarz besser zu lesen ist als Weiß auf Schwarz. Zwischen Weiß und Schwarz besteht kein Farbkontrast, der Farbabstand zwischen den unbunten Farben (Schwarz, Grau und Weiß) im Farbraum ist gleich null.
Die in der Automobilnorm behandelten Aspekte sind immer dann von Interesse, wenn Displays in sehr dunkler oder sehr heller oder gar wechselnder Umgebung eingesetzt werden. Gerade unter Auflicht zeigt sich bei jeder mobilen Anwendung die Problematik von Kontrastwerten. Eine Evaluation von Displaymodulen ist in diesem Fall selten ohne zusätzliche Messungen möglich, da Hersteller generell nur Dunkelraumkonrastwerte und die entsprechenden Blickwinkelbereiche angeben. Diese sagen jedoch wenig über das Display-Verhalten bei Tageslicht aus. Solange hier keine Norm andere Angaben fordert, wird sich daran auch nichts ändern.
Messungen an LCDs sind erst teilweise normiert
Wie die Bestimmung der elektrooptischen Charakteristik eines LCDs messtechnisch durchgeführt werden soll, ist erst teilweise normiert, z.B. nur die Messung des Dunkelraumkontrastes bei voll weißem und voll schwarzem Bild. VESA FPDM ist eine über 300 Seiten starke Sammlung von Messverfahren der Video Electronics Standards Association ohne Definitionsanspruch. Als konkrete Vorgabe für die Erstellung von Datenblättern gilt die IEC 61747, die allerdings nur für transmissive Dotmatrix Displays gilt. Für Messverfahren an reflektiven Displays ist die IEC 61747-6-2 in Vorbereitung.
Normierung ist ein kontinuierlicher Prozess und er wird von Fachleuten aus der Branche meist in Nebentätigkeit vorangetrieben. Für die Ergonomie von LCDs sind nur ISO 13406 und ISO 15008 wirklich relevant und trotz der dargestellten Einschränkungen eine gute Grundlage. Der Trend hin zu mehr farbigen und grafischen Displays, der von der Unterhaltungselektronik und TK-Branche vorangetrieben wurde, verändert die Sehgewohnheiten und erschließt neue Möglichkeiten der Benutzerführung. Dies wird sich auch auf Anzeigen in industriellen Anwendungen mehr und mehr ausdehnen.
Man könnte die ISO 15008 auch als eine Weiterentwicklung der ISO 13406 für die spezielle Anwendung im Kfz verstehen und in ähnlicher Weise wird es entweder eine deutliche Ausweitung der ISO 13406 in ihren nächsten Fassungen geben oder weitere anwendungsspezifische Normen. Bis dahin müssen die vorhandenen Normen als Grundgerüst dienen und durch individuell erstellte Qualitätsstandards ergänzt werden.
*Jürgen Laur ist Leiter der Abteilung Mess-Dienstleistungen und Beratung bei autronic Melchers.
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