Horizon Robotics bietet profitable Kombipakete aus Hard- und Software für autonomes Fahren an; eine Goldgrube in China, wo auf absehbare Zeit keine Fahrzeuge mehr ohne autonome Funktionen hergestellt werden sollen. Doch vielleicht ist der Erfolg auf Sand gebaut, denn Horizon Robotics macht sich abhängig von wenigen Großkunden, darunter VW.
Interessierte können sich die Produkte von Horizon Robotics auch auf deutschen Fachmessen erklären lassen.
(Bild: Horizon Robotics)
Der Boom von smarten E-Autos in China beflügelt das Geschäft von Horizon Robotics, einem führenden Anbieter von Hardware und Software für das autonome Fahren. Das Start-up, ein wichtiger Partner von Volkswagen in China, bereitet sich gerade auf einen Börsengang in Hongkong vor, wo es etwa eine halbe Milliarde US-Dollar an frischem Kapital einsammeln möchte.
Der von den chinesischen Aufsichtsbehörden bereits genehmigte IPO solle schon zeitnah stattfinden, möglicherweise noch dieses Jahr, berichten Finanzmedien wie Jinrong Jie. Die Zahlen in dem dafür gerade vorgelegten Börsenprojekt von Horizon Robotics zeichnen das Bild einer atemberaubenden Entwicklung – der jungen Firma selbst und auch der gesamten Technologie des autonomen Fahrens in China.
Von null auf Hundert
Das erst 2015 gegründete Unternehmen konnte seinen Jahresumsatz zwischen 2021 und 2013 von 467 auf 906 Millionen und zuletzt auf 1,552 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 200 Millionen Euro, steigern. Das entspricht einem durchschnittlichen Jahreswachstum (CAGR) von 82,3 Prozent, das wohl nur mit Begriffen wie „rasant“ oder „raketenhaft“ richtig eingeordnet werden kann.
Inzwischen, seit sich Horizon Robotics vorwiegend auf den Automobilsektor konzentriert, wächst da ein chinesischer Rivale zu Nvidia heran. 42 Automarken von 27 Herstellern verwenden bereits Chips und Software-Lösungen von Horizon Robotics und verbauen sie in 290 verschiedenen Fahrzeugmodellen, ist dem Börsenprospekt zu entnehmen.
Besonders sei in diesem Zusammenhang auch noch anzumerken, dass „alle der zehn führenden chinesischen Autobauer die Lösungen des Unternehmens für das intelligente Fahren gewählt haben“, schreibt das chinesische Autofachportal Gasgoo. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, aber entscheidend ist wohl die Tatsache, dass Horizon Robotics Jahr für Jahr immer leistungsstärkere Chips und Fahrassistenz-Lösungen (ADAS) entwickeln konnte, die noch dazu viel günstiger sind als die der Konkurrenz aus dem Ausland.
Viel Leistung für wenig Geld
Horizon Robotics hat sich von einem Anbieter von Autochips gezielt zu einem integrierten Anbieter von „Chip plus Software für das autonome Fahren“ entwickelt. Solche kombinierten Hardware- und Software-Pakete kosten bei Horizon im mittleren Leistungsbereich etwa 5.000 Yuan (knapp 650 Euro), was „um 40 Prozent günstiger ist als der Durchschnitt in der Industrie“, wie das chinesische Wirtschaftsmagazin Caixin schreibt. Dabei habe sich die Leistung der jüngsten „Journey 6“-Serie erneut um 40 Prozent gesteigert.
Damit werden immer bessere ADAS-Funktionen und perspektivisch auch das autonome Fahren für immer weitere Segmente des chinesischen Automarktes möglich, wandern also von den Premiummarken immer weiter nach „unten“ in den Volumenmarkt. Es werde künftig vermutlich keine neuen Pkw ohne autonome Fahrfunktionen mehr auf dem chinesischen Markt geben, sagen Insider.
Der jetzt kommende IPO wird wohl ein Knaller, allerdings einer mit Ansage. Schon seit seiner Gründung ist Horizon Robotics ein Liebling sämtlicher Spielarten von Investoren. Zu seinen größten strategischen Investoren gehören der staatliche chinesische Autokonzern SAIC (10,02 Prozent der Anteile), Volkswagen (2,64 Prozent), CATL (1,12 Prozent) und BYD (0,13 Prozent). Hillhouse Capital und Sequoia Capital sind zwei Beispiele für institutionelle Investoren, die schon früh das disruptive Potenzial der künstlichen Intelligenz für die Zukunft der Autoindustrie erkannt haben.
KI im Auto
Noch früher hat dieses Potenzial der Gründer Yu Kai erkannt, der früher bei dem führenden chinesischen Internet-Unternehmen Baidu Vizechef für Forschung & Entwicklung war und dort den Baidu-Pivot von einem Suchmaschinen-Anbieter à la Google zu einem KI- und Technologie-Unternehmen mitgestaltet hatte.
Yu Kai und mehrere andere ehemalige Top-Manager von Baidu glauben fest daran, dass die künstliche Intelligenz die Mobilität der Zukunft entscheidend prägen wird. Vor allem der joviale, zugleich blitzgescheite Yu Kai, der unter anderem einen Doktortitel in Computerwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München erworben, später auch für Siemens und Microsoft gearbeitet hat, ist sich da sicher.
Und er kann andere von seiner Vision überzeugen, ist darin vielleicht dem amerikanischen Tausendsassa Elon Musk vergleichbar – ohne dessen Eitelkeit. Ein Top-Manager, den er zu seinen Bewunderern zählen darf, ist Ralf Brandstätter, das für China zuständige Vorstandsmitglied von VW. Die beiden fahren gerne gemeinsam durch Peking und posten dann ein Video ihrer Unterhaltung in den sozialen Medien.
Stand: 08.12.2025
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Volkswagen mischt mit
Im Herbst 2022 hat Volkswagen 2,4 Milliarden Euro in Horizon Robotics investiert. 1,3 Milliarden sind in ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit Horizon in China geflossen, die „CARIZON (Beijing) Technology Co., Ltd. 60 Prozent der Anteile hält die VW-Softwaretochter CARIAD, die an der eigenen Entwicklung von guten und günstigen Softwarelösungen für VW gescheitert ist.
Volkswagen hat sich mit seiner Beteiligung die Hoffnung erworben, mithilfe der cleveren KI-Programmierer und Chip-Fabrikanten von Horizon Robotics endlich im Rennen der „smarten E-Mobilität“ aufzuholen, wo es in den vergangenen Jahren von den Chinesen, allen voran von BYD, immer weiter abgehängt worden ist. Horizon Robotics seinerseits hat mit VW einen Top-Kunden gewonnen. Das Mutterunternehmen Horizon Robotics verkauft Lizenzen für Algorithmen und auch für andere Software an Carizon, dessen größter Kunde wiederum VW für neue Autos in China ist. In der ersten Hälfte dieses Jahres stammten 37,6 Prozent des gesamten Umsatzes von Horizon Robotics (351 von 935 Millionen Yuan) aus dem Lizenzgeschäft mit Carizon.
„Es lohnt sich zur Kenntnis zu nehmen, dass das rapide Umsatzwachstum von Horizon vorwiegend auf den Beitrag von Volkswagen zurückzuführen ist“, schreibt das chinesische Wirtschaftsblatt Jingji Guanchao Bao. „Die Abhängigkeit von Volkswagen hat dafür gesorgt, dass Horizon 77,9 Prozent seines Umsatzes mit seinen fünf größten Kunden macht“, schreibt die Zeitung weiter. Neben dem von VW-Aufträgen lebenden Joint-Venture Carizon sind die weiteren Großkunden von Horizon Robotics in diesem Jahr NavInfo, Li Auto, Freetech und BYD.
Eine solche Abhängigkeit von einigen wenigen Großkunden ist an der Börse normalerweise nicht sehr beliebt, und der erste IPO-Versuch von Horizon Robotics hatte daher auch zurückgestellt werden müssen. Die chinesischen Fachmedien warnen angesichts des nun bevorstehenden zweiten Anlaufs auch, dass Horizon Robotics noch immer Verluste schreibt, die es mit anhaltend großen Investitionen in F&E begründet.
Dieses Mal dürfte aber alles gut gehen. Wegen des starken Gründerteams und der geopolitischen Lage, die chinesische Anbieter von ADAS-Lösungen in China immer stärker gegenüber ausländischen Anbietern begünstigt, zuletzt wegen des anhaltenden Booms von E-Autos und Hybriden in China und der starken Nachfrage nach ADAS-Lösungen bei Neuwagen werden die Aussichten für den IPO dieses Mal als überwiegend günstig eingeschätzt.
Fest steht, dass das Wettrennen um die Technologien des autonomen Fahrens und der E-Mobilität von morgen derzeit vorwiegend zwischen chinesischen Unternehmen wie Horizon Robotics und amerikanischen Unternehmen wie Nvidia ausgetragen wird. Deutsche Firmen sind immerhin noch als Joint-Venture-Partner in China mit von der Partie, so wie die VW-Tochter Cariad bei Carizon. Das ist ein wichtiges Trostpflaster angesichts der Gesamtlage der deutschen Automobil-Industrie. Auch in Wolfsburg sollte man daher Horizon Robotics für seinen Börsengang in Hongkong wohl ganz fest die Daumen drücken. (sb)