Neue Windkraftanlagen Höhenwinde durch luftgestützte Windkraft ausnutzen

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Idee klingt futuristisch, ist aber bereits Realität: Statt auf hohe Türme zu setzen, verlagert das chinesische Unternehmen Sawes die Windkraftnutzung in den Himmel. Mit heliumgefüllten Luftschiffen, die in mehreren hundert bis über tausend Metern Höhe Strom erzeugen, hat das Unternehmen innerhalb weniger Monate gleich mehrere Rekorde aufgestellt.

Die Turbine erinnert an ein Luftschiff.(Bild:  Beijing SAWES Energy Technology Co., Ltd.)
Die Turbine erinnert an ein Luftschiff.
(Bild: Beijing SAWES Energy Technology Co., Ltd.)

Im Oktober 2024 setzte Beijing Sawes Energy Technology gemeinsam mit der Chinese Academy of Sciences sowie der Tsinghua-Universität erstmals ein luftgestütztes Windenergiesystem erfolgreich ein: Das S500-System stieg auf 500 Meter Höhe und lieferte dabei über 50 Kilowatt elektrische Leistung. Es war nicht nur ein bedeutender technischer Durchbruch, sondern markierte auch eine neue Rekordmarke für solche Technologien.

Im Januar 2025 folgte der nächste Schritt mit dem S1000. Diese Variante erreichte 1.000 Meter Höhe und erzeugte etwa 100 Kilowatt. Der Erfolg bestätigte, dass sich Energiegewinnung in mittleren Höhen als praktikable und effiziente Lösung herausbildet.

Deutlich ambitionierter präsentiert sich nun das neueste Modell: das S1500. Dieses fliegende Windkraftwerk auf Zeppelin‑ähnlicher Bauweise wird in 1.500 Meter Höhe operieren und ist für eine Leistung von 1 Megawatt ausgelegt.

Das entspricht der Leistung einer klassischen Windkraftanlage mit einem etwa hundert Meter hohen Turm. Gestützt von Helium, das den Aerostaten trägt, wird das System mithilfe eines ringförmigen Lufteinlasses und zwölf zentral angeordneter Mikrogeneratoren aus Kohlefaser Strom generieren und über ein Kabel zur Bodenstation leiten. Trotz dieser Leistung wiegt das S1500-System unterhalb einer Tonne, was für eine derartige Technologie außergewöhnlich leicht ist.

Eine zentrale Motivation der Entwicklung liegt in der Effizienzsteigerung durch Nutzung höherer Windgeschwindigkeiten. In 1.500 Metern Höhe weht der Wind etwa dreimal so schnell wie am Boden, was potenziell bis zu 27‑fach mehr Energieertrag ermöglicht. Hinzu kommt eine beeindruckende Betriebsdauer: Durch verbesserte Sicherheitsmechanismen, etwa das Unterbinden von Gasverlust, soll das S1500-System über 25 Jahre einsatzfähig bleiben-

Die Projektverantwortlichen sehen in diesem Fortschritt weit mehr als nur technologische Evolution. Das S1500 könnte künftig als zuverlässige Stromquelle in abgelegenen oder von Katastrophen betroffenen Regionen dienen, wo konventionelle Infrastruktur schwer erreichbar oder zerstört ist. Noch ambitionierter ist die Vision, die Technologie bis in die Stratosphäre auf bis zu 10.000 Meter zu führen, wo die Windkraft laut Schätzungen bis zu 200‑mal stärker ist als am Boden und somit eine revolutionäre Effizienz ermöglichen würde.

In der Summe symbolisiert die Entwicklung von S500 über S1000 zum S1500 den fortschreitenden Reifeprozess einer Technologie, die nicht nur technisch beeindruckt, sondern auch konkrete Antworten auf aktuelle Herausforderungen liefern kann. Die Verbindung aus Mobilität, hoher Energieeffizienz und langfristiger Verfügbarkeit positioniert Sawes mit dem S1500 auf dem Weg, die Art und Weise, wie wir Energie in Zukunft gewinnen, grundlegend zu verändern – insbesondere dort, wo Strom bislang schwer oder gar nicht verfügbar war. (mr)

(ID:50538149)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung