Nvidia als Spielball im Chip-Streit H200 in China: Klarstellungen, Blockaden – eine unübersichtliche Gemengelage

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Unter Auflagen erlauben die USA Nvidia den Export von H200-KI-Chips nach China. Chinas Regierung hingegen beabsichtigt, sich gegen die Einfuhr von Millionen von Chips zu wehren. Mittlerweile herrscht ein faktischer Importstopp. Wir beleuchten die Entwicklungen.

Das China-Geschäft Nvidias ist jüngst aufgrund der US-Exportverbote stark eingeschränkt worden. Und die Produkte des Unternehmens bleiben offenbar weiterhin Spielball geopolitischer Differenzen.(Bild:  Nvidia)
Das China-Geschäft Nvidias ist jüngst aufgrund der US-Exportverbote stark eingeschränkt worden. Und die Produkte des Unternehmens bleiben offenbar weiterhin Spielball geopolitischer Differenzen.
(Bild: Nvidia)

Die Lage rund um den US-amerikanischen Export und den chinesischen Import der zweitleistungsfähigsten KI-Chips von Nvidia, des H200, ist komplex und wird zunehmend unübersichtlich. Der Ausgangspunkt war der folgende: Die US-amerikanische Regierung hat Nvidia den Export des H200 nach China untersagt, um den technologischen Fortschritt der Volksrepublik auch auf diesem Wege auszubremsen. Überraschend wurde der Export dann aber unter Einhaltung bestimmter Auflagen doch erlaubt.

Strikte Exportregeln für KI-Beschleuniger von der US-Regierung

Diese Regelungen sehen laut mehreren Berichten (unter anderem Tom's Hardware) vor, dass Exporte durch unabhängige Labore geprüft werden müssen, und zwar im Hinblick auf die TPP, die Speicherbandbreite, die Verbindungsbandbreite und die Kapazität der mitgelieferten DRAM-Module. Zudem müssen Exporteure nachweisen, dass die Inlandsnachfrage vollständig gedeckt ist, dass keine US-Bestellungen verzögert werden, dass die Kapazitäten der Foundries für fortschrittliche Knotenpunkte, die US-Kunden bedienen, nicht umgeleitet werden und die Gesamtlieferungen in die VR China 50 Prozent der Lieferungen desselben Produkts in die Vereinigten Staaten nicht überschreiten.

Wenig überraschend ist die Verwendung der H200-Chips in chinesischer Hand für militärische Zwecke ausgeschlossen. „Darüber hinaus müssen Exporteure strenge Vorschriften zur Kundenidentifizierung und Cloud-Nutzung einhalten, Endnutzer offenlegen, unbefugten Fernzugriff verhindern und die Weitergabe von Modellgewichten oder trainierten Algorithmen an unberechtigte Parteien, wie beispielsweise das chinesische Militär oder Geheimdienste, untersagen“, berichtet Anton Shilov von Tom's Hardware. Von den Exportregelungen betroffen sind übrigens nicht nur die H200 von Nvidia, sondern auch AMDs Instinct MI325X sowie vergleichbare Produkte mit geringerer Leistung.

Nvidia widerspricht Reuters-Bericht zu Vorauszahlungen

Trotz dieser Exportbeschränkungen sollen interessierte chinesische Kunden rund zwei Millionen der Chips bestellt haben, so hieß es in den vergangenen Wochen. Weil zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht feststand, ob die chinesische Regierung den Import der H200 erlauben würde, berichteten anonyme Quellen gegenüber Reuters-Reportern, dass Nvidia als eine Art der Absicherung die Vorabzahlung der geforderten Ware verlangen würde. Diesem Bericht wiederum wurde vonseiten des US-amerikanischen Konzerns widersprochen. „Wir verlangen keine Vorauszahlung und würden niemals von Kunden verlangen, für Produkte zu bezahlen, die sie nicht erhalten“, erklärte ein Sprecher von Nvidia in einer E-Mail an Tom’s Hardware.

H200 angeblich an Landesgrenzen gestoppt, faktischer Importstopp

Obwohl die USA nun unter Bedingungen liefern dürften, zieht China selbst die Notbremse. Reuters-Berichten vom 14. Januar 2026 zufolge werden die Chips an den Landesgrenzen aufgehalten (via The Asia Live). Die chinesischen Zollbehörden haben Grenzbeamte angewiesen, dass die Nvidia-Chips nicht in das Land eingeführt werden dürfen, heißt es. Gleichzeitig wurden die Verantwortlichen heimischer Tech-Unternehmen zu Regierungsmeetings gerufen, in deren Rahmen  deutlich davon abgeraten wurde, die H200-Chips zu kaufen, sofern dies nicht als „absolut notwendig erachtet werde“. Die bei diesen Treffen genutzte Sprache wurde als faktisches Importverbot wahrgenommen, wenngleich ein offizielles Verbot bislang nicht ausgesprochen wurde. Man soll allerdings an offiziellen Importauflagen arbeiten, heißt es.

Auf Basis dessen wurde dann am 17. Januar 2026 noch aus der Redaktion von Financial Times berichtet, dass die Lieferanten von H200-Komponenten ihre Produktion vorübergehend  pausiert haben. „Hersteller wichtiger H200-Komponenten, wie beispielsweise der Leiterplatte, haben die Produktion nach Maßnahmen zur Verhinderung von Chip-Lieferungen nach China vorübergehend eingestellt, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten“, heißt es. (sb)

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