Studie zu Industrie 4.0 Geschlossene Automatisierung kostet 11 Mio. US-Dollar jährlich

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Viele Fabriken arbeiten noch mit starren Automatisierungssystemen, die längst nicht mehr zu den schwankenden Märkten passen. Eine neue Omdia-Studie im Auftrag von Schneider Electric zeigt nun, wie stark diese Systeme Mittelständler ausbremsen – und warum offene, softwaredefinierte Automatisierung an Fahrt gewinnt.

Schneider Electric untermauert mit einer Studie: Offene, softwaredefinierte Automatisierung soll komplexe Anlagen flexibler und schneller anpassbar machen.(Bild:  KI-generiert)
Schneider Electric untermauert mit einer Studie: Offene, softwaredefinierte Automatisierung soll komplexe Anlagen flexibler und schneller anpassbar machen.
(Bild: KI-generiert)

Mittelgroße Industrieunternehmen verlieren im Schnitt 7,5 % ihres Jahresumsatzes, weil ihre Anlagen zu schwerfällig reagieren. Das zeigt der Bericht „Open vs. Closed: The $11.28M Question for Industrial Leaders“. Die Analyse legt offen, wie sich die Summen über Ausfallzeiten, Wartung, nachträgliche Compliance-Anpassungen und ineffiziente Abläufe schrittweise zu rund 11,28 Mio. US-Dollar pro Jahr addieren. Große Konzerne trifft es noch härter: Dort summieren sich die Verluste auf über 45 Millionen Dollar. In kleineren Betrieben können die Auswirkungen sogar einem Viertel des Jahresumsatzes entsprechen.

Viele der untersuchten Systeme stammen aus einer Zeit, in der Produktionsumgebungen stabiler liefen. Heute wackeln Lieferketten, Produkte ändern sich immer schneller, ESG-Vorgaben verschärfen sich und gut ausgebildete Fachkräfte fehlen. Dennoch arbeiten 77 % der Anlagen weiterhin so, dass Updates physisch ins System eingreifen müssen. Jede Änderung zieht Hardware-Umbauten nach sich, oft verbunden mit langen Stillständen.

Starre Technik blockiert schnelle Reaktionen

Die Studie zeigt, wie tief der Flaschenhals reicht. Unternehmen betreiben meist zwei bis zehn unterschiedliche Plattformen, häufig sogar mehr. Jede Plattform bringt eigene Schnittstellen und eigene Wartungsregeln mit. Rund 30 % der Störungen lassen sich nur mit spezialisierten Dienstleistern beheben – ein Problem, das sich im Fachkräftemangel noch verstärkt. Gleichzeitig fehlen Echtzeitdaten: Bei der Hälfte der Firmen sind 20 bis 39 % der kritischen Informationen nicht sofort verfügbar. Das erschwert vorausschauende Wartung und verlangsamt Entscheidungen.

In der Summe verlieren Firmen damit vor allem Zeit. Re-Konfigurationen dauern häufig Tage oder Wochen; Designzyklen für neue Anlagen ziehen sich drei bis fünf Monate allein bis zur Genehmigung. Bei Änderungen steigt der Aufwand schnell auf bis zu 50.000 Dollar pro Stunde, bei großen Herstellern sogar auf 250.000 Dollar. Laut Studie liegen allein die Kosten durch fehlende operative Agilität bei über sechs Millionen Dollar jährlich.

Offene Systeme sollen den Investitionsstau lösen

Der Bericht beschreibt offene, softwaredefinierte Automatisierung als Gegenmodell zur bisher dominierenden, hardwaregebundenen Steuerungstechnik. Trennen Unternehmen die Logik von der Hardware, lassen sich Funktionen wie Softwarepakete aktualisieren. Systeme unterschiedlicher Hersteller greifen leichter ineinander, Daten fließen ohne Inselsysteme zusammen, und Anpassungen passieren ohne tiefe Eingriffe in Schaltschränke oder proprietäre Plattformen.

Die Autoren betonen, dass offene Ansätze sich an IT-Prinzipien anlehnen: Standardisierte Edge-Hardware, softwaredefinierte Steuerung und interoperable Protokolle wie IEC 61499, OPC UA oder MQTT. Das Ergebnis: weniger Aufwand bei Erweiterungen, kürzere Stillstände und flexiblere Produktionsabläufe.

Einige Anwender berichten bereits von spürbaren Effekten. Frühere Pilotprojekte zeigen laut Studie schnellere Inbetriebnahmen, sinkende Fehlerquoten und kürzere Launch-Zyklen neuer Produkte. Firmen reduzieren Engineering-Zeit, replizieren Anlagen einfacher und erhalten durchgängige Datenströme, die präzisere Entscheidungen ermöglichen.

Bis zu eine Million Dollar Verlust pro Quartal

Der Bericht schließt mit einer klaren Warnung: Jede Verzögerung bei der Modernisierung geschlossener Systeme kostet Industrieunternehmen weiter Geld. Im Schnitt geht pro Quartal mehr als eine Million Dollar verloren – Budget, das eigentlich für Modernisierung, Qualifizierung oder Kapazitätsausbau gedacht ist. Die Studie argumentiert, dass starre Architekturen unter den heutigen Bedingungen nicht mehr zeitgemäß sind und Unternehmen nur mit offener Automatisierung die nötige Anpassungsfähigkeit erreichen. (mc)

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