Künstliche Intelligenz KI könnte dem US-Senat zufolge 100 Millionen US-Jobs gefährden

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Ein Bericht des US-Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Rente warnt, dass künstliche Intelligenz und Automatisierung in der nächsten Dekade rund 100 Millionen Jobs in den USA gefährden könnten. Die Verfasser schlagen arbeiterfreundliche Gegenmaßnahmen vor.

Ein Ausschuss des US-Senats der demokratischen Partei arbeitet im Bericht „The Big Tech Oligarchs’ War Against Workers“ aus, dass Big Tech von KI und Automatisierung profitiert, Arbeiter allerdings nicht.(Bild:  HELP Committee)
Ein Ausschuss des US-Senats der demokratischen Partei arbeitet im Bericht „The Big Tech Oligarchs’ War Against Workers“ aus, dass Big Tech von KI und Automatisierung profitiert, Arbeiter allerdings nicht.
(Bild: HELP Committee)

Unter der Leitung von Bernie Sanders haben Mitglieder des US-Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Rente (HELP Committee) einen Bericht angefertigt, der davor warnt, dass innerhalb der nächsten Dekade 100 Millionen US-Jobs gefährdet sein könnten. Der Bericht „The Big Tech Oligarchs’ War Against Workers“ identifiziert, unter Verwendung von KI-Werkzeugen wie ChatGPT, schnell die Übeltäter: Künstliche Intelligenz und Automatisierung. 

Der Ausschuss argumentiert, dass KI und Automatisierung in ihrer jetzigen Form vor allem den Tech-Konzernen nützen, während Beschäftigte unter Druck geraten. Produktivitätsgewinne durch KI, so die Gruppe, resultieren bislang nicht in höherer Entlohnung oder kürzeren Arbeitszeiten für Beschäftigte, sondern im Gegenteil: Arbeitsbelastung und Unsicherheit nähmen zu.

ChatGPT identifiziert gefährdete Branchen

Im Rahmen der Untersuchung wurde ChatGPT genutzt, um zu beurteilen, wie KI verschiedene Branchen verändern könnte. Will man den Ergebnissen des Chatbots Glauben schenken, dann müssen sich allerhand Berufsgruppen wohl in den kommenden Jahren warm anziehen. „ChatGPT identifizierte 20 Berufsgruppen als besonders gefährdet und prognostizierte, dass in 15 davon innerhalb von zehn Jahren mehr als die Hälfte der Beschäftigten durch Automatisierung und KI ersetzt werden könnte“, heißt es in einer Auswertung des Berichts von Trendforce.

Besonders betroffen seien vor allem Arbeitsplätze in Dienstleistungssektoren. Fast-Food- und Servicekräfte stünden im Fokus; insbesondere durch Automatisierung könnten in den USA drei Millionen Stellen wegfallen, was etwa 89 Prozent der Beschäftigten entspräche. Auch andere Tätigkeiten wie Kundenservice, Lager- und Transportarbeit sowie Verwaltungsaufgaben gelten als stark gefährdet. Ferner wird betont, dass nicht nur Geringverdiener betroffen sein werden: Auch Buchhaltung, Softwareentwicklung und Pflegeberufe dürften deutliche Arbeitsplatzverluste verzeichnen.

Maßnahmen aus der Politik gefordert

Das Komitee schlägt als Reaktion auf diese Entwicklungen mehrere politische Maßnahmen vor, darunter die Einführung einer 32-Stunden-Arbeitswoche, eine Erhöhung des Mindestlohns auf mindestens 17 US-Dollar pro Stunde und strengere Pausen- und Überstundenregelungen. Ebenso gefordert werden das Schließen von Steuerschlupflöchern für Unternehmen, die stark auf Automatisierung setzen, sowie die Verpflichtung von Firmen, Beschäftigten Unternehmensanteile zu gewähren.

Der Bericht geht zudem noch über klassische arbeitsmarktpolitische Maßnahmen hinaus und fordert eine umfassende Regulierung des KI-Einsatzes in der Arbeitswelt, etwa verbindliche Transparenzpflichten bei Überwachung und automatisierten Personalentscheidungen sowie die Einrichtung eines nationalen „AI Oversight Office“. Zudem betont der Ausschuss den Schutz von Gewerkschaften und Mitbestimmung, etwa durch ein Recht, KI-basierte Produktionsentscheidungen anzufechten. Ergänzend wird eine Abgabe auf stark automatisierte Unternehmen vorgeschlagen, um Programme für Umschulung und Weiterbildung zu finanzieren.

Politisch ordnet sich der Bericht klar gegen eine unternehmensgetriebene KI-Agenda ein und kritisiert frühere Regierungen für eine Politik zugunsten großer Konzerne und mangelnde Regulierung technischer Machtstrukturen. Wenngleich das Bild allein auf den US-Arbeitsmarkt bezogen ein sehr düsteres und vielleicht etwas zu pessimistisches ist, so enthält es dennoch interessante regulatorische Vorschläge, die im Umgang mit dem wachsenden Einsatz von KI und Automatisierung helfen können. (sb)

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