Verbändeallianz Elektronik Gegen Bürokratielast im Mittelstand

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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100 Unternehmen haben sich dem Appell der Verbändeallianz Elektronik angeschlossen, um auf die dramatischen Auswirkungen der Bürokratieflut auf den Mittelstand hinzuweisen. Eine Umfrage deckt die größten regulatorischen Missstände auf. Die Ergebnisse sind alarmierend. Der Fachverband der Bauelemente-Distribution (FBDi) informiert.

Gemeinsam erfolgreich: Die Verbändeallianz Elektronik setzt sich gegen Bürokratieflut ein.(Bild:  Gerd Altmann /  Pixabay)
Gemeinsam erfolgreich: Die Verbändeallianz Elektronik setzt sich gegen Bürokratieflut ein.
(Bild: Gerd Altmann / Pixabay)

Die Entwicklung ist dramatisch: Kleine und mittelständische Unternehmen kämpfen mit unverhältnismäßig hohen administrativen Hürden, die ihre Wettbewerbsfähigkeit massiv beeinträchtigen.

Unverhältnismäßige Berichtspflichten

Viele mittelständische Unternehmen verfügen nicht über spezialisierte Stabsstellen, wie sie in großen Konzernen vorhanden sind, und sehen sich zunehmend mit einer erdrückenden Bürokratielast konfrontiert. Besonders gravierend sind die unverhältnismäßigen Berichtspflichten, die durch gesetzliche Regelungen wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die REACH-Verordnung und diverse Nachhaltigkeitsgesetze entstehen. Der administrative Aufwand ist enorm und bindet wertvolle Ressourcen, die anderweitig produktiv genutzt werden könnten.

Ineffiziente digitale Infrastruktur

Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, die notwendige Investitionen und Innovationen ausbremsen. Ebenso problematisch ist die doppelte Berichterstattung: Deutsche und europäische Gesetze verfolgen häufig die gleichen Ziele, unterscheiden sich jedoch in ihren Berichtsanforderungen, was zu unnötiger Doppelarbeit führt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Verwaltung in Deutschland digital noch immer nicht ausreichend aufgestellt ist. Eine ineffiziente digitale Infrastruktur erschwert und verzögert administrative Prozesse, anstatt sie zu vereinfachen.

Mehrkosten durch Überregulierung

Die Unternehmen blicken mit Sorge auf die kommenden Jahre: 43 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich die Kosten zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben im Jahr 2025 um 10 bis 20 Prozent erhöhen werden, 31 Prozent gehen sogar von noch höheren Mehrkosten aus.

Forderungen an die Politik

Die betroffenen Unternehmen fordern von der Politik dringend wirksame Maßnahmen zur Entlastung. Dazu gehören in erster Linie eine Vereinfachung, Reduzierung und Harmonisierung der Gesetzgebung, um unnötige Doppelarbeit und widersprüchliche Regelungen zu vermeiden. Zudem braucht es eine deutliche Beschleunigung der Genehmigungsverfahren, um Investitionen und Innovationen nicht weiter zu verzögern. Neue Vorschriften sollten praxisnah, pragmatisch und realistisch gestaltet sein, sodass sie für Unternehmen umsetzbar bleiben. Ebenso sind verständliche und klar formulierte Regelungen erforderlich, um Fehlinterpretationen und unnötigen administrativen Aufwand zu vermeiden.

Zentralregister zur Datenerfassung

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Effizienzsteigerung in der Verwaltung. Eine bessere Digitalisierung und schlankere Strukturen könnten Behördengänge erheblich vereinfachen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen müssen durch eine massive Reduktion der Berichtspflichten entlastet werden, da sie nicht über die Ressourcen großer Konzerne verfügen. Redundante Vorschriften sollten abgeschafft und doppelte Dokumentationsanforderungen vermieden werden. Die Einführung eines Bundes- oder EU-weiten Zentralregisters zur Datenerfassung könnte dabei zusätzlich Verwaltungsprozesse vereinfachen. Entscheidend ist ein echter politischer Reformwille mit konsequenter Umsetzung, statt halbherziger Maßnahmen ohne spürbare Entlastung.

Die Verbändeallianz Elektronik

Die Verbändeallianz Elektronik ist ein Zusammenschluss mittelständischer Verbände der Elektronikindustrie. Aktuell beteiligen sich die Component Obsolescence Group Deutschland e.V. (COGD), der Fachverband Elektronikdesign und -fertigung (FED) sowie der Fachverband Bauelemente Distribution e.V. (FBDi). Gemeinsam repräsentiert die Allianz rund 1.000 Unternehmen mit mehreren Zehntausend Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz in zweistelliger Milliardenhöhe.

Die Mitglieder der Verbändeallianz Elektronik:

FBDi Fachverband der Bauelemente Distribution e.V.: Der FBDi repräsentiert 1/3 des Marktes für Elektronikkomponenten in Deutschland, also ca. 7 Milliarden Euro an Umsatz. Als Händler von High-Tech-Komponenten sind die Mitglieder für 95 Prozent aller Kunden in der Elektronikindustrie – zehntausende mittelständischer Unternehmen – der wichtigste Partner zur Umsetzung von Innovationen. Der FBDi repräsentiert ca. 75 Prozent des o.g. Umsatzes. Zu den Kunden zählen neben dem gesamten Bereich der Automotive- und der Industrie-Elektronik die Kunden der innovativen Technologien von Telekommunikation bis hin zu künstlicher Intelligenz. Medizingerätehersteller und Kunden aus Aerospace & Defense beziehen ebenfalls aufgrund Ihres hohen Qualitätsanspruchs den Hauptanteil ihrer elektronischen Bauelemente über die Distribution.

Fachverband Elektronikdesign und -fertigung (FED) e. V.: Der FED vertritt die Interessen von 700 Mitgliedern, darunter Leiterplattendesigner und -hersteller, EMS-Firmen, EDA-Firmen, Prozess- und Technologiedienstleister sowie Anbieter von Fertigungsanlagen, Software und Verbrauchsmaterialien. Seinen Mitgliedern in Deutschland, der Schweiz und Österreich gibt der FED Orientierung und Unterstützung bei technischen Unternehmensprozessen und Entscheidungen. Schwerpunkt der Verbandsarbeit ist die Aufbereitung und Weitergabe von Fachwissen sowie die berufsbegleitende Qualifikation von Elektronikdesignern und Elektronikfachkräften.

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COGD (Component Obsolescence Group Deutschland e.V).: Der Verband COGD als deutsches Cluster des IIOM (International Institute of Obsolescence Management) vertritt aktuell 175 Mitgliedsfirmen aus der DACH-Region und den Niederlanden, die sich mit dem Thema Obsoleszenzmanagement befassen. Hierbei werden Best-Practice Methoden entwickelt, um Obsolezenrisiken proaktiv und strategisch zu verhindern oder abzuschwächen. Neben Herstellern langlebiger Investionsgüter aus Bereichen wie Medizin, Automobiltechnik, Rüstung, Aviation, Transportation etc. sind hier auch Distributoren und OM-Dienstleister vertreten. (MK)

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