Interview Führungsstrategien in Krisenzeiten
Die Finanzkrise, Deutschlands politische Krise sowie die Globalisierung stellen andere Anforderungen an Mitarbeiter und Führungskräfte wie in Zeiten von Stabilität und Wachstum. Laut Dieter Renner, Experte für Unternehmensentwicklung und Führungskräfte-Coaching, kommt es darauf an, Stabilisierung in Zeiten der Desorientierung zu bieten.
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Dieter Renner befasst sich seit einem viertel Jahrhundert damit, wie Unternehmen und Volkswirtschaften in einer globalisierten Umwelt mit nachhaltigen Strategien ihre Zukunft erfolgreich gestalten können. Aufgrund seiner industriellen Erfahrungen und Erfolge in der Erschließung amerikanischer und asiatischer Märkte im High-Tech-Bereich, erklärt er praxisnah, mit welchen Strategien deutsche Unternehmen erfolgreich im globalen Wettbewerb bestehen können und welche Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter gestellt werden müssen.
Herr Renner, wie beurteilen Sie die aktuelle Wirtschaftskrise?
Renner: Wir erleben im Moment eigentlich nicht nur eine Krise, sondern gleich drei, die sich unter dem Titel „Finanzkrise“ manifestieren. Zum einen befinden wir uns mitten in einer Globalisierungskrise, in der die Finanzmärkte ungenügend gesteuert und kontrolliert werden, es an geeigneten Strukturen für die Verschmelzung internationaler Wirtschaftsräume fehlt und die verschiedenen Wirtschaftspolitiken weltweit versagen.
Zweitens überrollt uns gerade eine neue Welle der Industrialisierung, die unter dem Titel „Implosive, integrative Industrialisierung“ fällt und neue Innovationen sowie das Entstehen neuer Märkte und Wertschöpfungsketten nach sich ziehen wird.
Die dritte Krise betrifft Europa und Deutschland ganz speziell und äußert sich durch ein erhöhtes Demokratiedefizit, einem politischen Legitimationskonflikt und fehlenden Visionen und Strategien für die Zukunft.
Was bedeutet diese globale Krisensituation konkret für die Unternehmen?
Renner: All diese momentanen Entwicklungen verändern in dramatischer Weise die Umfeldbedingungen von Unternehmen, und zwingen sie Veränderungsprozesse anzustoßen. Viele Konzepte und Antworten sind unklar. Unwägbarkeiten und Risiken werden uns in den nächsten Jahren begleiten. Die Begriffe „Wandel“, “Neuausrichtung“ und „Veränderung“ sind die Inhalte der Agenda der nächsten Jahre.
Uns ist jedoch aufgefallen, dass in diesen wichtigen Projekten derzeit leider ein überproportionales Scheitern von Führungskräften zu verzeichnen ist. Obwohl gerade jetzt eine gute Führung dringend benötigt wird.
Was zeichnet gute Führung Ihrer Meinung nach aus?
Renner: Die Menschen sind durch die gravierenden Umbrüche der letzten Monate und Jahre stark verunsichert. Sie fühlen sich durch die Fülle der gleichzeitig notwendigen Veränderungen überlastet. Dieser Verlust von eigenem Erfahrungswissen müsste jetzt durch äußere Orientierung ersetzt werden.
Mitarbeiter brauchen dringend Stabilisierung in Zeiten der Desorientierung. Das Vertrauen einer Person muss man sich jedoch erst einmal erarbeiten. Und bekanntlich sind die stabilsten und fruchtbarsten Beziehungen zwischen Menschen emotionale Beziehungen. Mitarbeiter, Kollegen und auch Vorgesetzte werden nur dann einen Weg voller Unsicherheiten mit Ihnen gehen, wenn sie Ihnen vertrauen.
Sachliche Kompetenz und Argumentationskraft können diesen emotionalen Aspekt nicht ersetzen. Sie müssen also als Führender authentisch in Ihrem Handeln sein, das heißt Ihr Handeln und Ihre Wahrnehmung als Person dürfen sich nicht unterscheiden. Wenn nämlich Ihr Handeln und Ihre Ankündigungen nicht bündig sind mit dem Charakter Ihrer Person, wird dies von Ihren Mitarbeitern in der Regel immer erkannt.
Sie können dann noch so viele Management- und Führungsseminare besuchen, ohne eine Verbesserung in dem Verhältnis zu Ihren Geführten zu erreichen.
Inwiefern unterscheiden sich denn die Begriffe „Management“ und „Führung“ in der Praxis?
Renner: Management ist reduziert auf die kompetente, sachliche Anleitung von Personen in einem klar beschriebenen Handlungsrahmen. Die Persönlichkeit des Managers tritt hier in den Hintergrund und es geht mehr um die Fähigkeiten der Managementtechniken. Wir schätzen an diesen Personen ihre fachliche Kompetenz, menschlich bleiben uns die Manager allerdings eher fremd.
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