Elektronikfertigung Früherkennung von End-of-Life-Bauteilen ist für den Projekterfolg entscheidend
Auf einem Informationstag hat der hessische Elektronikfertiger productware seine Kunden und interessierte Fachbesucher mit dem Thema Bauteileabkündigung konfrontiert: Teile, die am Ende ihres Produktlebenszyklus stehen, müssen frühzeitig erkannt werden.
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Durch abgekündigte Bauteile, die in eine neu entworfene elektronische Baugruppe einfließen, oder nicht erkannte Abkündigungen während des Lebenszyklus eines Produkts können extreme Kosten entstehen – beispielsweise durch vorher nicht geplante umfangreiche Re-Designs. Auswege aus diesem Dilemma hat der Elektronikfertiger productware mit Sitz in Dietzenbach im Rhein-Main-Gebiet auf einem Informationstag vorgestellt. Interessierte Fachbesucher und Kunden konnten sich im Rahmen von Vorträgen, einer Betriebsführung und offenen Diskussionsrunden über das Thema informieren.
Als Gastredner referierte Mark Baumgärtner, Key Account Manager bei der Memphis Electronic AG, über die Auswahl von Speichertechnologien unter Obsolescence-Gesichtspunkten. Er schilderte, wo die Herausforderungen bei den Speichertechnologien liegen und welche Maßnahmen zur Verringerung des Obsolescence-Risikos zu ergreifen sind.
So empfahl Baumgärtner zum Beispiel den Einsatz von Standards sowohl bei Komponenten, Gehäusen und Spannungsbereichen als auch bei der Verwendung von Speichergrößen. Bei der Auswahl der Hersteller sei unter anderem auf die strategische Ausrichtung der Hersteller, auf häufige Versionswechsel wegen Technologieführerschaft und auf die Kundenstruktur zu achten: Unter Umständen bestehe zum Beispiel die Gefahr einer schnellen Allokation wegen Lieferverpflichtungen an Tier-1-Kunden.
Solche Strategien verringern zwar das Obsolescence-Risiko. Dennoch kommen Bauteileabkündigungen immer wieder vor. Wichtig ist es daher, auf diesen Fall gut vorbereitet zu sein. Matthias Hunkel, Betriebsleiter und Prokurist von productware, präsentierte in seinem Vortrag den Bauteilabkündigungs-Prozess des EMS-Dienstleisters.
Ein wichtiger Baustein des Management-Prozesses ist die Lebenszyklusanalyse von Bauelementen. Dabei wird die Lebensdauer eines Bauteils in mehrere Phasen unterteilt. Hierzu werden verschiedene Aspekte berücksichtigt, in einem Rechenmodell verarbeitet und der Lebenszyklusstatus ermittelt. Diese sind unter anderem: Aktuelles Absatzvolumen, Bauteileart und -alter, Abkündigungspolitik des Herstellers, Last-time-Buy-Meldung (LTB) und End-of-Life-Status (EoL) des Bauteils.
Bereits bei der Angebotserstellung wird die Stückliste des Produktes einer Bauteil-Lebenszyklus-Analyse unterzogen. Das heißt: Schon in diesem frühen Stadium erhält der Kunde eine Einschätzung der voraussichtlichen Verfügbarkeit der eingesetzten Komponenten. Dies geschieht in Form eines Reports, der die Lebenszyklus-Faktoren sowohl der von productware beschafften als auch der vom Kunden beigebrachten Teile beinhaltet. So können schon in der Angebotsphase LTB- und EoL-Bauteile identifiziert und mögliche Re-Designs vermieden werden. Sind Bauteile bereits abgekündigt, werden durch die Arbeitsvorbereitung mögliche Alternativen ermittelt und im Angebot aufgezeigt.
Bei Beauftragung wird die Stückliste kontinuierlich auf PCN (Product Change Notifications) überwacht. Bei LTB- oder EoL-Mitteilungen seitens der Bauteilhersteller erhält der Kunde alle entscheidungsrelevanten Informationen. So wird er zum Beispiel über die betroffenen Baugruppen, etc. informiert. Außerdem bietet der Dienstleister seinen Kunden verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich alternativer Bauteile, Bevorratung, Lagerresteindeckung, etc. an.
Zur Unterstützung seines Prozesses nutzt der Dienstleister eine kommerzielle Online-Datenbank. Sie enthält Informationen über 150 Millionen unterschiedliche Bauelemente inklusive technischer Dokumentationen von mehr als 3.000 Herstellern. Sie verfügt über ein Stücklisten-Managementsystem und gestattet die Suche nach geeigneten Alternativkomponenten hinsichtlich Kompatibilität und Verfügbarkeit. Auch die Feststellung der Inhaltsstoffe von Komponenten sowie der aktuelle RoHS-Status (Restriction of Hazardous Substances) sind gegeben.
„Eine genaue Vorhersage über den Abkündigungszeitpunkt eines Bauteils ist nicht möglich. Die frühzeitige Erkennung von LTB- oder EoL-Bauteilen ist jedoch wichtig, um gravierende Probleme und Beeinträchtigungen zu vermeiden und Projektziele zu erreichen“, erläutert productware-Manager Hunkel. „Der von uns etablierte Prozess bietet hierbei eine gute Unterstützung. Sollten Bauteile abgekündigt werden, hilft productware, seinen Kunden eine optimale Lösung zu finden.“
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