Weltfrauentag Frauen, traut Euch in die Technikbranche

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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Frauen werden in der männerdominierten Technikbranche weniger ernst genommen und hätten es schwerer? Das sei ein mediales und gesellschaftliches Zerrbild, das dringend geradegerückt werden muss, um Frauen nicht von einer Karriere abzuschrecken, sagt Lisa Kagerbauer, Ingenieurin beim Pumpen- und Dosierspezialisten Lutz-Jesco aus Wertheim, anlässlich des Weltfrauentags.

Lisa Kagerbauer, Ingenieurin bei Lutz-Jesco: "Was zählt ist Leistung, nicht das Geschlecht".(Bild:  Lutz-Jesco)
Lisa Kagerbauer, Ingenieurin bei Lutz-Jesco: "Was zählt ist Leistung, nicht das Geschlecht".
(Bild: Lutz-Jesco)

„Ich muss doppelt so hart arbeiten, um hier akzeptiert zu werden“, „Ich darf keine Fehler machen, sonst denken alle, dass Frauen nicht für diesen Beruf geeignet sind“, „Ich sollte mich anpassen und bloß nicht zu sehr auffallen“. Die Liste an Glaubenssätzen, die vielen technikbegeisterten Frauen den Einstieg in die männerdominierte Technikbranche erschweren, ist lang.

Dabei sieht die Realität in der Regel viel fortschrittlicher aus, unterstreicht Lisa Kagerbauer, die seit 2020 als Ingenieurin bei Lutz-Jesco arbeitet, einem Spezialisten für industrielle Pumpentechnologie und Dosiersysteme aus dem baden-württembergischen Wertheim. „Frauen wird in Medien und Gesellschaft von Kindesbeinen an ein ziemliches Zerrbild vermittelt, das in den meisten Fällen nicht der Wirklichkeit entspricht“, betont Kagerbauer.

Frauen müssen sich in der Technikbranche nicht ständig behaupten

Schon während des Studiums habe Kagerbauer ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt, als sie mit zwei männlichen Kommilitonen in einer Dreier-WG wohnte. „Wir haben uns gegenseitig unterstützt, wobei das Geschlecht nie auch nur ansatzweise eine Rolle spielte“, erinnert sich die 32-Jährige. Auch an der Universität sei von Vorurteilen und Ungleichbehandlung keine Spur gewesen. „Ich habe bei zwei Professorinnen gelernt, die kompetent und auf ihren Gebieten als geschätzte Expertinnen anerkannt waren.“

Und beim Einstieg ins Berufsleben? Auch da war das Geschlecht kein Thema. „Als Frau, die frisch aus der Uni kam, wurde ich von Anfang an gewertschätzt und unterstützt.“ Viele ältere Kollegen seien begeistert gewesen, wie leidenschaftlich sie sich für Technik interessiert, und hätten Wissen und Erfahrung ganz selbstverständlich geteilt. „Die Vorstellung, dass sich Frauen in der Technikbranche ständig behaupten müssen, entspricht also nicht meiner Realität. Was zählt ist die Leistung, nicht das Geschlecht.“

Für die Zukunft Deutschlands ist es wichtig, das mehr Frauen ihre Potentiale in die Technikbranche einbringen

In Zeiten des grassierenden Nachwuchsmangels ist es laut Kagerbauer wichtig, dass auch Frauen in die Technikbranche kommen. Doch sind sie nach wie vor unterrepräsentiert, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Demnach lag der Frauenanteil in der technischen Forschung und Entwicklung 2023 bei gerade einmal 18 Prozent.

„Es ist meiner Meinung nach für die Zukunft Deutschlands wichtig, dass mehr weibliche Nachwuchskräfte ihre Potentiale in die Technikbranche einbringen“, sagt Kagerbauer. Sie gibt daher interessierten Frauen folgenden Tipp: „Habt keine Scheu und macht euren Weg. Die Männer sind in aller Regel auf eurer Seite. Und seid selbstbewusst in den Gehaltsverhandlungen. Stellt realistische Forderungen und verkauft euch niemals unter Wert.“

Schon in der Kita half Lisa Kagerbauer ihrem großen Bruder in Mathe

Lisas Kagerbauers Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften begann bereits in der Kindheit. Schon im Kindergarten half sie ihrem Bruder in der Grundschule bei den Mathehausaufgaben. „Mich hat schon immer fasziniert, dass Mathe eine Art Universalsprache mit unbestechlicher Logik ist“, erinnert sich Kagerbauer.

Nach dem Abitur studierte sie dann um Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie spezialisierte sich auf Lebensmittelverfahrenstechnik und machte ihren Master mit dem Schwerpunkt Rheologie. Dabei erforschte sie die Fließfähigkeit von Milchschaum. „Ich habe ein halbes Jahr lang jeden Tag Milchschaum hergestellt und gerochen. Seitdem trinke ich meinen Kaffee schwarz“, lacht Kagerbauer.

2020 begann sie schließlich als Ingenieurin bei Lutz-Jesco. In der Abteilung System- und Prozesstechnik entwickelt sie im Team Wasseraufbereitungsanlagen für die Industrie und Klärwerke. „Ich finde es toll, in einer familiären Atmosphäre mit angenehmen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten. Das entspricht viel mehr meinem Naturell als die Anonymität in großen Konzernen.“ Das spannende Nachtleben in der Großstadt habe sie nur eine Zeit lang vermisst. Mittlerweile schätzt Kagerbauer die Ruhe und Besinnlichkeit auf dem Land. „Ich bin angekommen und möchte auch nicht mehr weggehen.“(mk)

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