Design-Software Export von EDA-Software nach China vorerst wieder möglich

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Siemens darf seine EDA-Software wieder nach China liefern. Es ist neuerdings ein ständiges Hin und Her mit den China-Geschäften, die Washington den Herstellern von Hightech entweder verbietet oder erlaubt. Für EDA gibt es also jetzt wieder grünes Licht.

Vorerst darf US-amerikanische EDA-Software wieder nach China geliefert werden.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Vorerst darf US-amerikanische EDA-Software wieder nach China geliefert werden.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Man sei kürzlich vom „Bureau of Industry and Security“ des US-Handelsministeriums darüber informiert worden, dass die am 23. Mai 2025 schriftlich an Siemens gerichteten Export-Kontroll-Beschränkungen für Software und Technologien im Bereich Electronic Design Automation (EDA) an Kunden in China nicht mehr gelten, teilt Siemens in einer Presseerklärung mit.

Man habe „den Verkauf und Support an chinesische Kunden wieder aufgenommen“, schreibt das Unternehmen und bedankt sich artig für „Geduld“ der Kunden inmitten einer sich „rasch verändernden globalen Handelslandschaft“. Auch die Siemens-Konkurrenten Synopsys und Cadence Design Systems haben entsprechende Erlaubnisse vom US-Handelsministerium bekommen, berichtet die Wirtschaftsagentur Bloomberg.

Neuer Deal nach Druck über seltene Erden

Das grüne Licht für Software, die für die Entwicklung von Halbleitern essenziell ist, ist das Ergebnis eines neuen „Deals“ der Regierung von US-Präsident Donald Trump mit Peking. Die Volksrepublik hatte zuvor mit der Beschränkung des Exports von seltenen Erden und daraus gefertigten Produkten, etwa besonders leistungsstarken Permanent-Magneten gedroht.

US-Unternehmen halten beinahe eine Monopol-Stellung im globalen EDA-Markt. 2024 hatten Synopsys einen Marktanteil von 32, Cadence von 29 und Siemens von 13 Prozent am weltweiten Markt für entsprechende Software-Lösungen. Chinesische EDA-Hersteller holen in jüngster Zeit schnell auf, können aber vor allem bei Hochleistungs-Chips bisher nicht mithalten. Siemens EDA ist so getauft worden, nachdem die Deutschen im Jahr 2017 die US-Firma Mentor Graphics erworben hatten. Das Hauptquartier des Unternehmens steht nach wie vor in Wilsonville im US-Bundesstaat Oregon.

Chinesische Unternehmen halten gleichzeitig beinahe eine globale Monopol-Stellung, was die Weiterverarbeitung von schweren seltenen Erden betrifft. Je nachdem, was genau mitgezählt wird, schwanken die Schätzungen von 80 bis 90 Prozent für den Marktanteil chinesischer Unternehmen.

Das ewige Handels-Hickhack mit globalen Ausmaßen

Seit der zweiten Amtsübernahme von Donald Trump verschärften die intensivierten die USA Exportregularien von Halbleitern und Ausrüstungen zu ihrer Herstellung nach China. Auch für EDA-Software wurden die Einschränkungen weiter verschärft und zudem wurde mit hohen Zöllen auf den Import chinesischer Produkte aller Art gedroht. Die chinesische Regierung begann daher im April dieses Jahres damit, ein neues Genehmigungsverfahren für Exporte von seltenen Erden und damit gefertigte Produkte einzuführen.

Vertreter Washingtons und Pekings hatten sich in London und Genf zu einer Reihe von Verhandlungen getroffen. Trotzdem sah es so aus, als geriete der Handelskrieg außer Kontrolle, mit potenziell gravierenden Konsequenzen nicht nur für China und die USA selbst, sondern auch für multinationale Unternehmen in anderen Ländern.

Unter anderem sind Autokonzerne weltweit in Sorge, dass es durch eine mögliche Unterbrechung der Lieferketten für mit Terbium (Tb) hergestellte Neodym-Eisen-Bor-Magneten in ihren Werken zu Produktionsverzögerungen oder sogar Produktions-Stopps kommen könne.

Ruhe hineinbringen

Die jüngste Einigung über die zumindest zeitweise Rücknahme von „Maßnahmen“ und „Gegenmaßnahmen“ im Zoll- und Handelsstreit auf beiden Seiten wird allgemein als De-Eskalation und eine gute Nachricht für die Industrie gewertet. Allerdings bleibt die Unsicherheit für Hersteller aller Art bestehen, denn die USA und China haben sich noch nicht auf eine permanente Lösung ihrer Handelsstreitigkeiten geeinigt.

Nicht nur EDA, auch Ethan und Motoren für Passagier-Jets konnten zeitweise nicht nach China geliefert werden, bevor es zur jüngsten De-Eskalation kam. Berichten zufolge sind diese Beschränkungen nun auch vorerst wieder aufgehoben. Die Nachrichtenagentur Reuters hat acht Tanker gezählt, die mit Ethan beladen wieder auf dem Weg nach China seien, nachdem sie ihre Fahrt zuvor hatten unterbrechen müssen. Es wird angenommen, dass auch Lieferungen von Flugzeug-Motoren nach China wieder beginnen können.

Jetzt warten Analysten auf das weitere Vorgehen der US-Regierung, denn die 90-tägige Suspension der neuen Trump-Zölle für China läuft bereits am 9. Juli 2025 aus. Möglicherweise werden also bei Siemens und anderen EDA-Herstellern bald wieder neue Briefe aus dem US-Handelsministerium ankommen. (sb)

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