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Was steckt eigentlich hinter der Bezeichnung igus?
Dahinter steckt „i“ für Industrie und „gus“ für Spritzguss“, also Spritzgussteile für die Industrie“, Ein Kunde hat auch mal scherzhaft in Anspielung auf meinen Vater Günter, meinen Bruder Carsten und mich „Innovations-Günter und Söhne“ gesagt.
Wie kommt es, dass Sie als Hersteller von Gleitlagern inzwischen zu den führenden Herstellern von Energieketten gehören?
Die Entstehung beider Produktlinien liegt zeitgleich in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren. igus war der erste Hersteller von spritzgegossenen Kunststoffenergieketten weltweit, die Serie begann 1971. So hat igus den Begriff „Energiekette“ begründet. Damals waren die Ketten ein Zulieferprodukt, das von einem Maschinenbau-Kunden konstruiert wurde. Mein Vater gab wesentliche Impulse der Kunststofftechnik hinzu.
Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre Produkte?
Unsere Hauptversprechen, die jedes Produkt erfüllen soll, sind ein Dreiklang:
1. „life up, cost down“ – das heißt Kosten runter, Technik verbessern. Mindestens immer eins von beidem.
2. Die Lebensdauer der Produkte ist online berechenbar, die Produkte sind online konfigurierbar und in unserem Webshop einfach zu bestellen.
3. Die sehr schnelle Lieferzeit, ab 24 Stunden und bis hin zu 5 oder 8 Tagen, je nach Komplexität des Zusammenbaus. Dabei sind fast alle Produkte immer maßgeschneidert montiert.
Für Ihre Produkte entwickeln Sie im Haus sowohl im Kunststoffbereich als auch bei Metallen neue Werkstoffe bzw. Legierungen, warum?
igus hat sich auf Kunststoffe in Bewegung spezialisiert, oft kombiniert mit Mechatronik. Was immer sich an Maschinen und Aggregaten bewegt, wollen wir mit diesen „motion plastics“ besser machen. Deswegen entwickeln wir ständig neue Werkstoffe. Was aber noch wichtiger ist, wir testen diese Werkstoffe und Produkte wie Energieketten und Leitungen in über 15.000 Versuchen pro Jahr in unserem 1750 qm großen Testlabor. Diesen Aufwand betreiben wir, um den Einsatzbereich klar zu definieren und die Produkte online berechenbar zu machen. Darüber hinaus ist es uns ebenfalls möglich, Garantien auf die Produkte zu geben, was in dieser Form einzigartig am Markt ist. Wenn zu unseren bewegten Systemen auch andere Werkstoffe wie metallische Legierungen und Leitungen gehören und wir nichts Passendes auf dem Markt finden, entwickeln wir auch diese weiter.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Wir sind froh über jeden einzelnen Auftrag, der hereinkommt. Wenn man fast bei Null angefangen hat, dann freut man sich auch heute noch über jede 1-Euro-Bestellung, jeden Tag wieder.
Wie geht es igus wirtschaftlich?
In den vergangenen Jahren konnten wir unsere Marktpräsenz kontinuierlich weiter ausbauen. Derzeit beziehen wir am Kölner Hauptsitz unsere neue 8500 qm große Halle. Und auch weltweit stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum. In 33 Ländern sind wir inzwischen direkt mit Niederlassungen vertreten. Diese Dynamik wird sich sicherlich auch in diesem Jahr fortsetzen.
Wo sehen Sie zurzeit das größte Marktpotenzial?
Wir sehen für „motion plastics“ weiterhin großes Potenzial. Wenn wir die oben genannten drei Hauptversprechen perfekt realisieren, sind die Chancen in allen Bereichen und in allen Regionen der Welt riesengroß mit Kunststoffen „Kosten runter, Technik rauf“ zu erreichen. Haben Kunden einmal die richtige Erfahrung mit guten Tribokunststoffen gemacht und erkennen, dass sie wirklich Dinge verbessern können, sind die Türen offen für weitere Chancen, um sich und die eigenen Produkte zu beweisen.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Derzeit demonstrieren wir mit „iglidur on tour“, einer Fahrt eines mit iglidur-Gleitlagern umgerüsteten Kleinwagens um die Welt, was Kunststoffteile in Bewegung alles leisten können. Gleichzeitig zeigt die Vielfalt der Einsatzgebiete alleine am Beispiel dieses einen Autos, welches enormes Potenzial für „motion plastics“ insgesamt noch besteht. Sich diese zahlreichen Anwendungsbereiche zu erschließen, ist eine sehr spannende Aufgabe.
Gibt es aus Ihrer Sicht noch etwas, was Sie unseren Lesern gerne kommunizieren möchten?
Kunststoff macht Spaß und bietet für eine riesige Anzahl an Anwendungsmöglichkeiten die Chance, Kosten zu senken und gleichzeitig die Technik zu verbessern.
Geben Sie uns noch ein kurzes Fazit eines Rheinländers?
Mein persönliches kölsches Motto „Du darfs alles anders maache, sulang alles bliev wie et ess“. Was im Rheinland darüber hinaus immer gilt, sind die berühmten Regeln des Kölner Grundgesetzes: et kütt wie et kütt, wat fott es es fott, et hätt noch immer jot jejange, man möht och jünne künne. Die stimmen zwar in der Praxis nicht immer, sind aber in vielen Situationen sehr tröstlich!
Herr Blase, vielen Dank für dieses Gespräch.
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