Wie haben Sie in der Unternehmensführung die Aufgaben aufgeteilt, damals und heute?
Margrit Harting: Mein Mann ist der Visionär, Techniker, Wissenschaftler, für den das Wohlergehen des Unternehmens immer Vorrang hat. Er hat ein unglaubliches Gespür für neue Trends. Sein intensives nationales und internationales Engagement im Verbandswesen gab ihm auch die Chance, Zukunftsentwicklungen frühzeitig zu erkennen und für uns zu nutzen. Die „Software“ überließ er gerne mir.
Dietmar Harting: Nachdem meine Mutter krankheitsbedingt aus dem Unternehmen ausscheiden musste, habe ich meine Frau gebeten, ihre Aufgaben im Personal- und Sozialwesen zu übernehmen. Aufgrund ihrer exzellenten Ausbildung hat sie sich dort nicht nur schnell eingearbeitet, sondern sich alsbald auch der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit angenommen, den Werksanlagen zugewandt und sich ins Qualitätswesen eingearbeitet. Außerdem hat sie das Unternehmen aktiv in diversen Organisationen unserer Region vertreten. Sie war und ist eine gelungene Ergänzung für mich.
Dietmar Harting: Jeder von uns hat das letzte Wort in seinen Bereichen. Voraus gehen immer intensive Diskussionen, die eine Entscheidungsfindung ermöglichen.
Frau Harting, als Sie Ihr Mann 1987 ins Unternehmen holte, was hat sich da für Sie geändert?
Margrit Harting: Von einem Tag auf den anderen hat sich mein Leben auf den Kopf gestellt. Nach Jahren als beurlaubte Studienrätin, in denen der Alltag wesentlich von den Anforderungen der Kinder bestimmt war, fand ich mich plötzlich wieder als berufstätige Ehefrau und Mutter. Einerseits war ich darüber froh, dass ich mich endlich auch wieder „geistig“ auf den Weg machen konnte, andererseits stellte ich schnell fest, dass ich mich auf einem hohen Drahtseilakt bewegte. Der Anfang war nicht leicht, der Weg oft mit Steinen gepflastert, aber wie Sie sehen, es ist alles gut gegangen zum Wohl des Unternehmens und zum Wohl der Familie.
Gab es Vorbehalte gegenüber der „Ehefrau“ des Unternehmers?
Margrit Harting: Doch, durchaus. Meine akademischen Abschlüsse und meine Praxisjahre waren kein Freifahrtschein dafür, mir die Aufgaben zuzutrauen. Sogar heute noch – nach fast 30-jährigem Dienstjubiläum im Unternehmen – erreichen uns Briefe, die an Dietmar Harting und Begleitung gerichtet sind!
Herr Harting, wo liegen die Schwerpunkte der zukünftigen Entwicklung?
Dietmar Harting: Die technologische Entwicklung hat durch das Internet of Things und das Thema Industrie 4.0 rasant an Fahrt aufgenommen. Wichtig ist dabei: Die Mitarbeitenden nehmen wir mit. Sie sind der entscheidende Erfolgsfaktor! Ebenso wichtig ist mir die Zusammenarbeit und die Verknüpfung mit unseren Kunden und Lieferanten. Die ganze Lieferkette ist gefordert, um den Erfolg zu garantieren.
Wie haben Sie Ihre Kinder Maresa und Philip auf ihren Weg im Unternehmen und auf die Unternehmensnachfolge vorbereitet?
Margrit Harting: Als Inhaber eines Familienunternehmens hofft man wohl immer insgeheim, eines Tages möge eines der Kinder die Arbeit fortsetzen. Wir haben versucht, unsere Kinder spielerisch an unsere Arbeit heranzuführen und keinen Druck auszuüben. Sie waren so oft es ging an fröhlichen Feiern beteiligt, besuchten ihre Großmutter im Büro, streiften mit dem Vater durch die Maschinenhallen. Bei ihrem schulischen Werdegang haben wir darauf geachtet, ihre Potenziale auszuloten und mit ihren Vorstellungen zu vereinbaren. So auch mit ihrer Universitätslaufbahn. Bei unserem Sohn war das einfach, weil er immer das machen wollte, was „Papa macht.“ Unsere Tochter wollte sich zunächst außerhalb des Unternehmens orientieren, fand dann aber doch freiwillig zurück. Beide Kinder mussten allerdings vor ihrem Studium eine Lehre absolvieren; das war unsere einzige Bedingung. Sehr förderlich war auch, dass wir vier ein gemeinsames Hobby pflegen.
Herr Harting, was hätten Sie anders machen wollen?
Dietmar Harting: Ach wissen Sie, es ist müßig darüber zu diskutieren, ob ein Weg falsch war oder ist. Das weiß man erst, wenn man ihn gegangen ist. Nicht alles lässt sich perfekt planen und ist erfolgreich. Sie müssen allerdings notwendige Korrekturen rasch erkennen und handeln. Rückblickend bin ich jedoch sehr zufrieden. Allenfalls den Sprung nach Amerika hätte ich gerne früher gewagt. Ein faszinierendes Land. Ich bewundere die Innovationen des Silicon Valley, die spielerische Leichtigkeit, mit der sich junge Menschen in der digitalen Welt bewegen.
Stand: 08.12.2025
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Es ist für mich faszinierend, dass heute ein Smartphone eine größere Rechenleistung aufweist als sie für die erste Mondlandung zur Verfügung stand. Diese Faszination und dieses Interesse für Veränderung, das hat mich immer motiviert und spornt mich an, diese Veränderungen in unternehmerisches Handeln und Wirken einzubeziehen.
Was möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
Margrit Harting: Macht eine Ausbildung, lernt Sprachen, scheut keine Arbeit und habt Achtung vor der Arbeit des anderen. Seid zäh und lasst euch durch Rückschläge nicht entmutigen und setzt euch auch für andere ein. Tut, was ihr macht, mit Leidenschaft und Freude.
Dietmar Harting: Da kann ich meiner Frau nur zustimmen: eine gute Ausbildung, Neugier, Lust und Offenheit, neue Wege zu begehen, ist enorm wichtig. Denn es sind Menschen, die diese Welt bewegen und unser Zusammenleben zu etwas ganz besonderem machen.