Am Morgen des 3. April 2024 (Ortszeit) bebte in Taiwan die Erde; vor der Küste des Landkreises Hualien im Osten der Insel wurde ein Erdbeben registriert. Aus Sicherheitsgründen wurden nicht nur beim Halbleiter-Konzern TSMC kurzzeitig einige Fabs geräumt. Ist mit Auswirkungen auf die Produktion der Tech-Konzerne zu rechnen?
Erdbeben treten im pazifischen Feuerring am häufigsten auf.
Wenn eine gleichzeitig unsichtbare und unberechenbare Macht starken Einfluss auf den von uns gewohnten Gang nimmt, zeigt sich die Verletzlichkeit unserer modernen Welt. Am Morgen des 3. April 2024 (Ortszeit) kam es vor der Küste von Taiwan zu einem Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 7. Taiwanische Medien berichten von einer Stärke von 7,2 bis 7,4; japanischen und US-amerikanischen Messungen zufolge lag der Wert auf der Richterskala noch höher.
In der Folge sind vorwiegend im Landkreis Hualien an der Ostküste Taiwans Menschen zu Schaden gekommen und Gebäude umgestürzt. Ebenso wurden auf den Philippinen und in Japan Tsunami-Warnungen ausgesprochen, die später wieder aufgehoben wurden. Das Beben sei in Taiwan das bislang stärkste seit dem September 1999 gewesen und unglücklicherweise haben dabei Menschen ihr Leben verloren. Immerhin sind aber bei weitem nicht so viele Menschen zu Schaden gekommen, wie vor knapp 25 Jahren.
Die Fragilität der Halbleiter
Taiwan ist auch die Heimat von taiwanischen Tech-Größen wie Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC), United Microelectronics Corporation (UMC) und Innolux; entsprechend wurde die Produktion aufgrund des Bebens in manchen Fabs vorerst eingestellt, um die Hallen schnell zu evakuieren.
Via Nikkei Asia lassen unter anderem Sprecher von Halbleiter-Konzern TSMC mitteilen: „Es wurden Präventivmaßnahmen gemäß dem Verfahren eingeleitet und einige Produktionsstätten evakuiert. Alle Mitarbeiter sind in Sicherheit, und die Evakuierten kehren allmählich an ihre Arbeitsplätze zurück. Das Unternehmen prüft derzeit die Einzelheiten der Auswirkungen.“ Gleichzeitig wurde die Arbeit an neuen Gebäuden von TSMC stillgelegt, um zu inspizieren, ob es zu Schäden gekommen sei.
Quellen bei TSMC sagten gegenüber Nikkei Asia, dass einige Wafer in den Fabriken in Hsinchu Risse aufwiesen und einige Maschinen angehalten wurden. Viele erwarteten, dass sie deshalb über die Feiertage arbeiten müssten. Gegenüber DigiTimes allerdings klingt der Bericht von TSMC-Mitarbeitenden vom Schaden in einem Werk in Tainan wesentlich dramatischer: „Balken und Säulen brachen, und die Produktionslinien wurden angehalten. Die EUV-Maschinen wurden alle gestoppt, und auch im F&E-Labor wurden Risse in der Wand festgestellt.“
Auch bei dem Auftragsfertiger UMC sowie bei den Flachbildschirm-Herstellern Innolux und AOU wurden Produktionshallen geräumt. Japanische und taiwanische Halbleiter-Hersteller arbeiten mitunter eng zusammen, wie etwa die Ambitionen der Japan-Tochter von TSMC, JASM, zeigen. Andersherum befinden sich auch einige Standorte von japanischen Halbleiterzulieferern in Taiwan, etwa der Chiphersteller Tokyo Electron und Ebara, ein Anbieter von Wafer-Poliermaschinen. Dort sei es zu geringen Schäden gekommen.
Raus aus dem Feuerring?
Das Erdbeben in seiner Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit zeigt, wie sich im Zeitraum von wenigen Sekunden oder Minuten alles ändern kann. Taiwan liegt am sogenannten pazifischen Feuerring. Dieser Ring umfasst hufeisenförmig den gesamten Pazifischen Ozean und erstreckt sich entlang der Küsten von Nord- und Südamerika, Ozeanien und Asien.
In diesem Gebiet treffen verschiedene tektonische Platten aufeinander, was zu einer erhöhten seismischen Aktivität führt. Die Folge sind Erdbeben. Rund 90 Prozent aller Erdbeben weltweit finden in diesem Gebiet statt und es ist in den kommenden Tagen noch mit weiteren Nachbeben zu rechnen, die auch stärker ausfallen können. Abgesehen davon besteht selbstverständlich die ständige Gefahr, dass eine Naturkatastrophe Realitäten plötzlich ändert.
Wenig verwunderlich ist es, wenn insbesondere taiwanische, aber auch japanische und andere asiatische Unternehmen versuchen, die ständig lauernde Gefahr durch Naturkatastrophen mit Auswirkungen auf die hochprofitable Produktion und die ohnehin schon fragilen Lieferketten abzumildern. Etwa mittels Joint Ventures wie ESMC mit dem zukünftigen Standort in Dresden, an dem TSMC, Bosch, Infineon und NXP beteiligt sind. Oder, wieder als TSMC-Beispiel, mit drei Standorten in den USA. Allerdings ist anzunehmen, dass es schwieriger und schwieriger wird, künftig noch Standorte zu finden, bei denen Gefahren durch Umwelteinflüsse gering sind; Klimawandel sei Dank.
In der taiwanischen Heimat ist TSMC ebenfalls bestrebt, die Auswirkungen von möglichen Erdbeben abzufedern und hat zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Dazu gehören die gründlichen Inspektionen aller Anlagen und Strukturen nach einem Erdbeben sowie die Installation von Dämpfern zur Abschwächung der Auswirkungen auf Gebäude. Auch wurden Technologien zur Verringerung von Vibrationen und zur Isolierung von Geräten implementiert. (sb)
Stand: 08.12.2025
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