Meilensteine der Elektronik

Eine Sensor-Erfindung von besonderer Bedeutung

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Eine Erfindung ohne kommerzielle Bedeutung

Ruge erahnte zur Zeit seiner Erfindung weitergehende messtechnische Anwendungsmöglichkeiten und meldete seine Erfindung den Regeln entsprechend dem Patent-Komitee des MIT. Dessen Antwort, die man heute rückblickend als bemerkenswerten Irrtum bezeichnen muss, lautete in freier Übersetzung: „… das Komitee sieht in der Erfindung keine kommerzielle Bedeutung und überlässt die Nutzung voll dem Erfinder.“ Damit war für Ruge der Weg frei für die Verwertung.

Gemeinsam mit seinem Kollegen de Forest suchte Ruge nach einem Investor zur Gründung einer DMS-Produktion. Nach ersten Schwierigkeiten („Wir sind im Lokomotiven-Geschäft und wollen uns nicht mit Briefmarken befassen“), begann in Zusammenarbeit mit Baldwin Lokomotive Works die erste industrielle Produktion. Vorher erfolgte durch einen Anwalt die patentrechtliche Klärung für Simmons und Ruge, als deren Ergebnis das Markenzeichen SR-4 für das neue Produkt hervorging.

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Hergestellt wurden Draht-DMS mit Trägern aus Zellulose. Als Widerstandsdraht verwendete man bevorzugt Cu-Ni-Legierungen (Konstantan) in Flachgitter- und Rundwickeltechnik. In Modifikationen der Legierungszusammensetzung versuchte man einerseits die Dauerfestigkeit und andererseits die Verarbeitbarkeit der Drähte zu verbessern.

Für Streifen mit erhöhter Schwingfestigkeit setzte sich Isoelastic durch, hatte aber Nachteile bezüglich Temperaturstabilität und Kriechen. Wider anfängliche Erwartungen war die Nachfrage nach den neuen Sensorelementen riesig. Der für ein Jahr angelegte Vorrat war binnen weniger Wochen ausverkauft.

Zum Verkaufserfolg trug gewiss der sich für die USA ankündigende Eintritt in den Zweiten Weltkrieg bei. Besonders die Flugzeugindustrie stellte an die DMS und deren Hersteller ständig neue Anforderungen bezüglich spezieller Eigenschaften. Entwicklungsziele waren u.a. Minimierung der Temperaturempfindlichkeit und des Kriecheinflusses, Erweiterung des Anwendungstemperaturbereichs und besondere Resistenz gegenüber äußeren Einflüssen.

Der Zweite Weltkrieg und die inneren Verhältnisse in Deutschland und Japan waren sicherlich auch Grund dafür, dass in diesen beiden Staaten die Erfindung des DMS bis zum Kriegsende unbekannt blieb. In Deutschland behalf man sich mit den von Theis bei AEG entwickelten Graphitschicht-DMS, die erfolgreich für Schwingungsmessungen an Luftschrauben (Propellern) eingesetzte wurden, jedoch Nachteile bezüglich Nullsignal-Stabilität aufwiesen. Die ersten Draht-DMS kamen aus den Niederlanden nach Deutschland.

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