Kannibalisierende KI-Konkurrenten? Ein neues „Wunderkind“? Manus, der neue Hype-KI-Agent aus China

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Der DeepSeek-Moment ist gerade zwei Monate her. Und schon sorgt Manus für neue Aufregung. Manus, nach dem lateinischen Wort für „Hand“ benannt, ein KI-Agent aus China, der angeblich noch mehr kann als Chatbots wie ChatGPT oder DeepSeek, macht international Schlagzeilen.

Manus ist ein neuer general-purpose AI agent aus China, der aktuell nur begrenzt zugänglich ist.(Bild:  Manus.im)
Manus ist ein neuer general-purpose AI agent aus China, der aktuell nur begrenzt zugänglich ist.
(Bild: Manus.im)

Manus ist ein Allzweck-KI-Modell, ein „general-purpose AI agent“, der seinen Erfindern zufolge selbstständig Aufgaben ausführen kann. „Es denkt nicht nur, es liefert Resultate“, schreiben sie auf ihrer Webseite www.manus.im. In einem Video auf der Webseite lässt Yichao „Peak“ Ji, einer der Gründer des Start-ups „Butterfly Effect“, den allgemeinen KI-Agenten eine Reihe von Aufgaben ausführen. Manus vergleicht Resümees von Job-Bewerbern und liefert Empfehlungen für die besten Kandidaten, sucht nach geeigneten Immobilien in New York oder erstellt eine komplette Webseite, jeweils nach Eingabe einiger weniger Prompts.

Nachdem die Programmierer am 6. März 2025 auf der Plattform X auf ihren Agenten aufmerksam gemacht und zunächst eine limitierte Zahl von Nutzern zu Tests aufgefordert hatten, begann weltweit ein Wirbel, den es seit dem Launch von DeepSeek nicht mehr gegeben hatte. Der Produktchef von Hugging Face, einer amerikanischen Software-Firma, nannte Manus „das beeindruckendste KI-Tool, das ich jemals ausprobiert habe“. Da man zuerst einen Link mit einer Einladung bekommen haben muss, bevor man Manus ausprobieren darf, wurden diese Links schon kurze Zeit später für bis zu 50.000 Yuan (mehr als 6.300 Euro) auf dem Schwarzmarkt gehandelt.

Immer mehr begeisterte erste Reaktionen machten die Runde. Deedy Das von Menlo Ventures schrieb auf LinkedIn, dass Manus ihm dabei geholfen habe, die Aktien von Tesla zu analysieren. Der neue KI-Agent aus China habe dafür zwei Wochen „Arbeit auf professionellem Niveau“ in etwa einer Stunde erledigt, so Das. Kurz darauf waren die Server von Manus überlastet. Chinesische Journalisten, die eine der zwei Niederlassungen des Start-ups in Wuhan besuchen wollten (die andere ist in Peking), standen vor einem verschlossenen Tor. Ein Schild hing daran. „Geschlossen für Entwicklungsarbeit. Bitte nicht stören.“

Bugfixing und Expansion

Der zweite Co-Gründer von Butterfly Effect und CEO der jungen Firma, der 33-jährige Xiao Hong (Spitzname „Red“) schrieb auf der Plattform Jike, dass sein Team gerade mit „dem Ausweiten der Rechenkapazität und dem Fixen von Bugs“ beschäftigt sei. Nach den ersten, überschwänglichen Bewertungen begannen kritischere Reviews die Runde zu machen. In Ermangelung weiterer Details, mit denen der Hype hätte gefüttert werden können, stürzten sich die Berichterstatter nun auf die Mängel in der noch unvollständigen Software.

Von dem, was er bisher gesehen habe, gäbe „es zahlreiche Beweise dafür, dass Manus seine Sachen beim ersten Mal nicht hinbekommt, oder in Endlos-Schleifen stecken bleibt“, zitierte Euronews einen Professor in Chicago. „Leider hat Manus nach 50 Minuten bei Schritt 18 von 20 versagt“, meldete sich der Gründer eines KI-Start-ups zu Wort. Die sozialen Medien weltweit hatten ohnehin kein anderes Thema mehr – und wie üblich wollte jeder seinen Senf dazugeben.

Man sei ein „kleines Team“, meldete sich ein Firmensprecher bei TechCrunch, nachdem der PR-Gegenwind begonnen hatte. „Das Hauptziel der jetzigen, geschlossenen Beta-Version sind Stress-Tests für verschiedene Teile des Systems, damit Probleme identifiziert werden können.“ Die Kritiker, wieder in Ermangelung besserer Informationen, griffen verschiedene Posts auf den sozialen Medien auf, in denen es heißt, Manus sei anders als DeepSeek kein selbst entwickeltes neues LLM, sondern „nur eine Verfeinerung“ oder „Weiterentwicklung“ von Open-Source-Modellen wie Qwen von Alibaba oder Claude von Anthrophic.

Die unter den jetzigen Umständen wohl fairste Einschätzung kam von einem Reporter der Wirtschaftsagentur Bloomberg: „Nachdem ich einige Stunden mit dem Agenten herumgespielt hatte, empfand ich ihn als nicht perfekt und glitchy – aber immer noch als unheimlich eindrucksvoll.“ Die Frage, ob Manus nun für den nächsten „DeepSeek-Moment“ gesorgt hat oder nicht, oder die Frage, ob das als Beweis dafür dienen kann, dass chinesische Programmierer das KI-Wettrennen mit den USA trotz all der KI-Halbleiter-Boykotte aus Washington gewinnen … all diese Fragen müssen also noch eine Weile zurückgestellt werden, bis eine größere Öffentlichkeit Zugang zu Manus erhält.

Was der Launch aber jetzt schon beweist, ist das hohe Tempo, mit dem immer neue Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz die Messlatte für KI-Modelle und Anwendungen immer höher legen. Wir werden uns an dieses neue Tempo gewöhnen müssen. (sb)

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