Die Veröffentlichung von DeepSeeks KI-Modellen V3 und R1 haben die KI-Welt auf den Kopf gestellt. Doch wer steckt eigentlich hinter dem Unternehmen und dem Erfolg? Was macht DeepSeek-Gründer Liang Wenfeng, um die KI-Ambitionen von China zu beflügeln? Wir verraten Ihnen mehr dazu.
DeepSeek-Gründer Liang Wenfeng wird in seinem Heimatdorf gefeiert (Symbolbild).
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Der Gründer von DeepSeek ist in China über Nacht zum Nationalhelden geworden. Kaum hatte Liang Wenfengs Unternehmen DeepSeek-V3 als App veröffentlicht und an den US-Börsen die Kurse von Nvidia anderen Big-Tech-Riesen purzeln lassen, tauchten die ersten chinesischen Touristen in seinem Heimatdorf auf.
Am Eingang zum Dorf Mili Ling in der Nähe von Zhanjiang an der chinesischen Südküste haben Bewunderer einen Triumphbogen aus aufblasbaren Ballons aufgestellt. „Wenfeng kommt mit großartigen Errungenschaften in seinen Heimatort zurück …“, steht links in gelben Schriftzeichen auf dem roten Tor. Rechts steht „und gibt der Revitalisierung unserer örtlichen Wirtschaft ein neues Momentum.“ Auf Chinesisch reimt sich das.
Findige Reiseunternehmer haben begonnen, Touristen in kleinen Gruppen dorthin zu bringen. Sie drängen sich vor dem Eingang zum Elternhaus des 40-jährigen Liang und knipsen Selfies mit seinem glücklich lachenden Großvater. Wer immer noch am „China Speed“ zweifelt, oder an der Fähigkeit des Landes zu Innovationen, der sollte wohl dieses neueste Produkt der chinesischen Touristik-Industrie buchen.
Mit ähnlicher Geschwindigkeit reagierte Chinas Ministerpräsident Li Qiang, der den DeepSeek-Gründer sofort zu einem Treffen hinter verschlossenen Türen traf und sich persönlich von ihm briefen ließ.
Ein neuer Stern am KI-Himmel
Der Firmengründer ist 40 Jahre alt, sieht aber mit seiner dicken Hornbrille und seinen unmodischen, grauen Anzügen immer noch aus wie ein Student für „Information und Communication Engineering“ der Zhejiang-Universität in Hangzhou. Dort hat er im Juni 2010 einen Abschluss über Tracking-Algorithmen im Bereich der Computer-Bilderkennung gemacht.
Er kommt aus einer einfachen Familie. Sein Vater war Grundschullehrer. Schon früh fiel der kleine Wenfeng als Mathematik-Talent auf. Und schon als 17-Jähriger schaffte er die Aufnahmeprüfung für sein Studium an der Zhejiang-Uni. Unter Professor Xiang Zhiyu spezialisierte er sich auf Computer Vision.
Während des Studiums soll Liang zügig zur Überzeugung gelangt sein, dass die künstliche Intelligenz die Welt verändern wird. Ein Angebot von Wang Tao, mit ihm gemeinsam DJI zu gründen, soll er aus diesem Grund abgelehnt haben, schreibt die Webseite des chinesischen Senders Phoenix TV. Hätte er dieses Angebot damals angenommen, wäre er wohl bereits berühmt, denn DJI ist heute der führende Drohnen-Hersteller und Wang Tao ist einer der bekanntesten Unternehmer Chinas.
Stattdessen hat Liang Wenfeng kurz nach seinem Uni-Abschluss, mit einem Studienfreund einen Hedge-Fonds gegründet, der KI für datenbasierte Investitions-Entscheidungen nutzte und hat seit 2015 mit den Nachfolge-Gründungen „High-Flyer“ und „Zhejiang Jiuzhang Asset Management“ ziemlich viel Geld verdient. Der Fonds High-Flyer etwa konnte seine Einlagen zwischen 2016 und 2019 unter der Leitung von Liang von einer Milliarde auf zehn Milliarden Yuan (rund 1,3 Mrd. Euro) vergrößern. Liang, begann sofort, viel Geld in das Training von allgemeinen KI-Modellen zu investieren.
DeepSeeks „Geburt“
DeepSeek, das offiziell „Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Basic Technology Research Co., Ltd.“ heißt, ist im Juli 2023 gegründet worden. Das private Start-up konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung großer KI-Modelle. Schon im Mai 2024 sorgte DeepSeek erstmals für eine kleine Sensation, deren Beben damals aber noch auf die Fachwelt beschränkt blieb. DeepSeek-V2, das Vorläufer-LLM von DeepSeek-V3, schockte viele Beobachter in Silicon Valley mit seiner Kosteneffizienz.
Mit DeepSeek-V3, das als ebenbürtiger Rivale der Erfolgs-App ChatGPT von OpenAI gehandelt wird, ließ sich der Ruhm des chinesischen Start-ups ab Dezember nicht mehr länger auf Computer-Nerds beschränken. Jack Clark, ein ehemaliger Top-Manager von OpenAI, nannte Liang Wenfeng und sein Team von rund 150 Software-Entwicklern „unergründliche Genies“. Satya Nadella, der CEO von Microsoft, nannte die DeepSeek-KI-Modelle „super impressive“. Donald Trump nannte die Technologie von DeepSeek einen „Weckruf“ für die US-amerikanische Industrie.
„Wir sollten die Entwicklungen aus China sehr, sehr ernst nehmen“, sagte Nadella, der Microsoft-CEO, auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos. Und das, obwohl der Launch von DeepSeek-V3 den Aktienkurs von Microsoft erst kürzlich über Nacht um 3,8 Prozent hatte abstürzen lassen.
DeepSeek soll sein LLM R1, einen Konkurrenten o1 von OpenAI, mit einem für die Maßstäbe der Industrie geradezu lächerlichen Budget von nur 5,6 Millionen US-Dollar entwickelt haben – daran kann man seine Zweifel haben. Dennoch: In den USA hat man dafür bislang rund 100 Millionen US-Dollar ausgegeben, etwa OpenAI für das Training von ChatGPT-4.
Stand: 08.12.2025
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„Unsere Angestellten sind keine Genies“, sagt Liang selbst. „Es sind frische Absolventen von Top-Universitäten in China und Doktoranden und andere junge Leute, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben.“ Anders als viele andere Start-ups in China, die mit Vorliebe chinesische Rückkehrer aus Silicon Valley oder Computer-Experten mit Abschlüssen von MIT oder anderen Top-Unis in den USA einstellen, setzt DeepSeek auf heimische Talente.
Bei Einstellungsgesprächen von DeepSeek zählt nicht so sehr langjährige Erfahrung in berühmten Unternehmen, berichten Augenzeugen und Talent-Scouts mit direkten Erfahrungen. Besser ist es, eine oder mehrere Medaillen in Mathematik- oder Programmier-Wettbewerben gewonnen zu haben, wenn man für DeepSeek arbeiten möchte. Ein DeepSeek-Mitarbeiter, dessen Lebenslauf im Internet zu finden ist, hatte gleich drei Goldmedaillen im ACM International Collegiate Programming Contest (ICPC) gewonnen, bevor er frisch von der Peking-Uni weg mit einem fetten Gehalt bei DeepSeek eingestellt worden ist, schreibt das chinesische Fachportal 36kr.
Mittendrin statt nur dabei
In der Firma sitzt Liang Wenfeng auch heute noch am liebsten neben seinen Programmierern am Computer und tüftelt an seinen Modellen herum. Er mag flache Hierarchien, heißt es. Eine PR-Abteilung hat sich das Unternehmen bisher nicht geleistet. Anders als von vielen westlichen Medien berichtet, ist DeepSeek-V3 nicht als Open-Source-Software veröffentlicht worden, sondern lediglich „open weight“. Dabei werden die “model weights“ des LLM öffentlich zugänglich gemacht, nicht aber der Source-Code.
Im Vergleich zu vergleichbaren LLM aus den USA ist Open-Weight aber immer noch viel transparenter. Das sei besser, um eine Kultur der Innovationen zu kultivieren, hat Liang Wenfeng in einem Interview mit 36kr gesagt. „China sollte aufhören, sich auf die Errungenschaften anderer zu verlassen und – seinem Wirtschaftswachstum entsprechend – allmählich in die Rolle eines Landes wechseln, das eigene Innovationen beisteuert.“
Genau das ist Liang und seinem Team bei DeepSeek gerade gelungen. KI-Experten weltweit überschlagen sich mit Lob. „Liang ist der Sam Altmann von China geworden, ein Evangelist für KI-Technologie und Investitionen in neue Forschung“, kommentierte der amerikanische Nachrichtensender CNN.
Kaum hatten das Reasoning Model DeepSeek R1 und das inzwischen berühmte LLM V3 internationale Schlagzeilen gemacht, legte DeepSeek Ende Januar noch einmal nach. Das inzwischen in Peking beheimatete Unternehmen brachte Janus Pro 1B und 7B heraus, zwei LLM für Bildverarbeitung und Image Generation. Es heißt, sie seien ähnlich gut wie Dall:E3 von OpenAI.
Aufsehen wegen der Kostenersparnis
Die Aufregung um DeepSeek erklärt sich aus der Möglichkeit, dass künftig doch nicht so viele Milliarden US-Dollar für das Training von KI-Modellen ausgegeben werden müssen. Dass nicht ganz so viele hochkarätige GPUs von Nvidia erforderlich sind und auch nicht so viel Strom für so riesige Datenzentren verbraucht werden muss, wie bislang angenommen.
Selbst Underdogs wie Deutschland, das im globalen KI-Wettrennen wie ganz Europa längst von den USA und China abgehängt worden ist, wittert jetzt wieder eine Chance. DeepSeek sei der Beweis, dass man auch ohne riesige Ressourcen im Zeitalter der KI ganz vorn mitspielen könne, frohlocken einzelne Experten. Das ist eine schöne Zukunftsvision.
Im derzeit schon realen KI-Krieg zwischen Washington und Peking ist die Veröffentlichung von DeepSeek-V3 hingegen eine Art „Sputnik-Moment“, wie der bekannte Venture-Kapitalist Marc Andreessen in Kalifornien sagte. Sie zeigt vielen Analysten zufolge, dass China eben kein Copycat mehr ist, was immer noch viele Menschen im Westen denken, sondern bei der KI-Software zu den USA aufgeschlossen hat – egal, wie viele fortgeschrittene Chips Washington den Chinesen vorenthält. Damit ist die Geschichte von DeepSeek und OpenAI eine moderne David-und-Goliath-Saga. Kein Wunder, dass der chinesische Premier sofort die Hand von Liang Wenfeng schütteln wollte.
Das Dorf Mili Ling in der Provinz Guangdong darf sich unterdessen über viele Touristen freuen, die dort die örtliche Wirtschaft beflügeln. Im Heimatdorf von Liang, in das der DeepSeek-Gründer gerade für einen Familienbesuch während des Chinesischen Neujahrs zurückgekehrt ist, weiß neuerdings jedes Kind, was KI ist. (sb)