Betriebssysteme in der Medizintechnik Eignen sich SmartPhones für die mobile Gesundheitsüberwachung?

Autor / Redakteur: Michael Lerch und Frank Mattauch* / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Welches Betriebssystem als Plattform für medizinische Software-Applikationen eignet sich für mobile Endgeräte: Symbian OS, RIM Blackberry, iPhone OS, Windows Mobile oder Android? Wir zeigen Ihnen vor allem Eigenschaften und Einschränkungen der Plattformen, Lizenzmodell sowie Verteilung und Update von möglichen Anwendungen.

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Telemedizinische Anwendungen sind ein wichtiger Beitrag der Medizintechnik für das Gesundheitssystem der Zukunft. Sie helfen nicht nur, die räumliche Trennung zwischen Patient und Arzt bzw. Hausarzt und Facharzt zu überwinden. Sie können auch maßgeblich zur Qualitätsverbesserung der medizinischen Versorgung beitragen. Insbesondere das Telemonitoring kann dem Patienten eine höhere Lebensqualität verschaffen.

Dabei werden Vitalparameter, wie Herzfrequenz oder Blutzucker des Kranken, durch ein mobiles Endgerät überwacht. Die erfassten Werte können dann etwa zur weiteren Diagnose an den behandelnden Arzt oder im Falle von Grenzwert-Überschreitungen an ein Notfallzentrum übermittelt werden. Darüber hinaus kann das Endgerät auch direkt Handlungsempfehlungen geben. Nicht zuletzt erhofft man sich eine kostengünstigere Behandlung vor allem chronischer Krankheiten.

Eigenentwicklung oder Standard-Endgerät?

Die Hersteller solcher Medizinprodukte stehen vor der Entscheidung, auf welchen Endgeräten sie den Verbrauchern ihre Anwendungen zur Verfügung stellen wollen. Eigenentwicklungen sind sicher am flexibelsten, aber gleichzeitig der aufwändigste Weg. Aktuelle Handhelds, wie Mobiltelefone oder PDAs, stellen eine attraktive Alternative dar: Sie besitzen die nötige technische Ausstattung und sind zudem weit verbreitet. Es gilt jedoch genau abzuwägen, ob die jeweilige mobile Plattform, also das Gerät und das Betriebssystem, die nötigen Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Medizinproduktes erfüllt. Schließlich hat der Hersteller zahlreiche gesetzliche Bestimmungen zu beachten.

Welche Mobilplattformen gibt es?

Marktanteil der verschiedenen Mobilplattformen [1] (Archiv: Vogel Business Media)

Der Markt hält für Entwickler mobiler Anwendungen ein breites Angebot an Plattformen bereit. Dabei teilen die fünf größten Anbieter über 95% des Marktvolumens unter sich auf. Symbian ist derzeit mit Abstand Marktführer: Fast die Hälfe der 2008 und 2009 verkauften SmartPhones läuft unter diesem Betriebssystem der Symbian Foundation. Es folgen BlackBerry OS von RIM, das vor allem auf den BlackBerrys läuft, iPhone OS von Apple und Windows Mobile von Microsoft. Das noch recht junge Android von Google belegt mit knapp 5% den fünften Platz, kann aber vielsprechend hohe Zuwächse verzeichnen.

Weitere mobile Betriebssysteme wie Palm webOS, Maemo, LiMo oder bada besitzen einen relativ geringen Marktanteil und werden daher hier nicht betrachtet.

Offener Quellcode vorteilhaft

Einige Mobilplattformen wie Symbian oder Android sind unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar, so dass die Quelltexte des Betriebssystems zumindest teilweise frei zugänglich sind. Dies kann bei der Entwicklung von Software von Vorteil sein. Bei den anderen Systemen ist man vom Hersteller abhängig; dies kann insbesondere dann kritisch werden, wenn die Behebung von Fehlern oder die Umsetzung von Änderungswünschen notwendig werden.

Symbian, Microsoft Windows Mobile und Google Android sind sogenannte Third-Party-Plattformen; das bedeutet, dass diese Betriebssysteme von den unterschiedlichsten Geräteherstellern gekauft und gegebenenfalls angepasst werden können. Der größte Nutzer von Symbian ist beispielsweise Nokia. Demgegenüber kommen BlackBerry OS und iPhone OS nahezu ausschließlich auf den herstellereigenen Geräten zum Einsatz.

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