Betriebssysteme in der Medizintechnik

Eignen sich SmartPhones für die mobile Gesundheitsüberwachung?

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Wie die Software zum Kunden kommt

Software ist praktisch niemals absolut fehlerfrei. Berechnet beispielsweise eine Diabetesanwendung eine zu hohe Insulinmenge, hat dies für den Patienten lebensbedrohliche Konsequenzen. Hersteller müssen solche Fehler in ihren Medizinprodukten in Form eines Software-Updates möglichst schnell beheben. Ist die neue Software ausreichend verifiziert und validiert, muss gewährleistet werden, dass sie zum Endanwender auf das Gerät kommt.

Eine Verteilung durch Servicetechniker, wie in medizinischen Einrichtungen üblich, scheint hier nicht praktikabel. Die elektronische Verteilung von Updates ist eine Alternative; sie stellt jedoch unter Umständen ein Problem dar. Dies betrifft natürlich auch Upgrades, also Pakete, die neue oder zusätzliche Funktionalität bringen.

Vorsicht bei automatischen Updates

Tabelle 1: Automatische Updates (Legende: v = möglich, X = nicht möglich, ! = herstellerabhängig) (Archiv: Vogel Business Media)

Alle oben erwähnten Plattformen bieten ein Portal an, bei dem die Software registriert werden kann (Tabelle 1). Jedoch muss immer eine manuelle Installation erfolgen, sofern die Plattform keine automatischen Updates unterstützt. Außerdem ist dazu eine Online-Verbindung zum Portalbetreiber notwendig. Deshalb kann man nicht immer sicherstellen, dass jeder Anwender wichtige Fehlerbehebungen erhält und tatsächlich installiert.

Ein zusätzliches Risiko bergen Updates, die der Hersteller des Betriebssystems für seine Basis-Software verteilt: Diese können die Zulassung des Medizinproduktes gefährden. Der Hersteller muss nämlich garantieren, dass seine Software in Verbindung mit Betriebssystem und Hardware korrekt funktioniert. Unkontrollierte, automatische Betriebssystem-Updates machen dies beinahe unmöglich, weil sie die Umgebung verändern, für die das Medizinprodukt validiert und zugelassen wurde.

Welche Plattform-Einschränkungen es gibt

Alle hier vorgestellten Plattformen sind universell einsetzbare Betriebssysteme, so dass ein sehr großes Spektrum an Anwendungen möglich ist. Dies wird etwa anhand der Menge verfügbarer Programme in Apples App Store eindrucksvoll deutlich. Es gibt jedoch durchaus technische Einschränkungen.

Beispielsweise bietet Android derzeit noch keine umfassende Unterstützung für die Internationalisierung und Lokalisierung von Anwendungen. Unter iPhone OS können Programme nicht im Hintergrund laufen. Dies erschwert den Entwurf von Anwendungen erheblich, die regelmäßige Aktionen durchführen müssen, unabhängig davon, was der Benutzer gerade mit dem Gerät macht. Ein einfaches Beispiel ist das Erinnern an die Einnahme von Medikamenten.

Mögliche juristische Restriktionen

Zu den technischen kommen juristische Restriktionen. Jede Mobilplattform besitzt ein Lizenzmodell, das die Nutzung des Betriebssystems regelt und einschränkt. Beispielsweise kann ein Einsatz in Verbindung mit sicherheitskritischen Anwendungen wie Lebenserhaltungssystemen (BlackBerry und iPhone) oder Umgebungen, die möglicherweise zu Verletzungen von Personen führen, ausgeschlossen sein oder zumindest die Haftung beschränkt werden (Symbian/Nokia und Windows Mobile). Die Situation wird bei Third-Party-Plattformen noch komplizierter, da dort die Gerätehersteller spezifische Nutzungsbedingungen aufstellen können.

Vor der Entscheidung für eine Plattform ist also zunächst zu prüfen, ob die Anforderungen der geplanten medizinischen Anwendung realisierbar sind. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, da Schnittstellen-Dokumentation und Nutzungsbedingungen teils sehr umfangreich sind.

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