Diebstahl von Speicher-Technologien für China Ehemalige Samsung-Angestellte wegen Industriespionage verhaftet

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Die Polizei von Seoul hat zwei ehemalige hochrangige Samsung-Angestellte wegen des Verdachts der Industriespionage festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, IPs im Wert von 3 Mrd. Euro gestohlen und für ein von chinesischen Behörden gefördertes Joint Venture verwendet zu haben.

Bild des Samsung R&D Campus in Seoul: In der südkoreanischen Hauptstadt wurden zwei ehemalige hochrangige Samsung-Mitarbeiter wegen des Verdachts der Industriespionage verhaftet. Bis zu 200 weitere Halbleiter-Ingenieure könnten chinesischen und südkoreanischen Medienberichten zufolge in den systematischen Diebstahl von Tech-IP verwickelt gewesen sein.(Bild:  Samsung)
Bild des Samsung R&D Campus in Seoul: In der südkoreanischen Hauptstadt wurden zwei ehemalige hochrangige Samsung-Mitarbeiter wegen des Verdachts der Industriespionage verhaftet. Bis zu 200 weitere Halbleiter-Ingenieure könnten chinesischen und südkoreanischen Medienberichten zufolge in den systematischen Diebstahl von Tech-IP verwickelt gewesen sein.
(Bild: Samsung)

Die Seoul Metropolitan Police hat südkoreanischen Medienberichten zufolge zwei ehemalige hochrangige Samsung-Mitarbeiter festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, geistiges Eigentum ihres ehemaligen Arbeitgebers gestohlen zu haben, um damit ein neues Joint Venture mit lokalen chinesischen Unternehmen zu bilden und eine eigene Chipfabrik aufzubauen. Das Joint Venture mit dem Namen „Chengdu Gaozhen“ wurde von einem der beiden Beschuldigten geleitet, die zweite Person ist dort als leitender Entwickler angestellt. Besagtes Joint Venture würde von lokalen chinesischen Behörden mit Investitionen aufgebaut und gefördert.

Angaben der südkoreanischen Polizei zufolge steht der Vorwurf der Spionage und des Diebstahls von geistigem Eigentum und Marktgeheimnissen mit einem geschätzten Wert von etwa 4,3 Billionen Won (2,9 Mrd. Euro) im Raum. Neben Samsung könnten unter anderem auch der Speicherhrsteller SK Hynix und andere südkoreanische Unternehmen betroffen sein.

Einer der beiden Verhafteten war der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bereits vor einem Jahr in Südkorea angeklagt worden. Es handele sich dabei um Choi Jinseog, einem ehemaligen Samsung-Manager und Halbleiter-Ingenieur, der in der Vergangenheit auch beim Speicherexperten SK Hynix angestellt war. Gegen Choi läuft bereits seit Juli 2023 ein Prozess wegen Industriespionage für China, der in südkoreanischen Medien für großes Aufsehen gesorgt hatte. Besagtes Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Choi wurde im November 2023 auf Kaution freigelassen, nun aber nach Bekannt werden weiterer Anschuldigungen wegen Fluchtgefahr erneut festgenommen. Es handelt sich unter anderem um den mutmaßlichen Diebstahl von Fachwissen und Patentgeheimnissen bezüglich Samsungs hauseigener Produktion von DRAM-Chips im 20-nm-Verfahren.

Spionagering mit System

Demnach soll der 66-jährige ehemalige leitende Samsung-Angestellte eine Reihe koreanischer Halbleiterexperten angeheuert haben, um bei Chengdu Gaozhen zu arbeiten - darunter auch die zweite verhaftete Person. Diese Experten wurden explizit von Choi in seiner Funktion als Samsung-Manager von koreanischen Elektronikunternehmen angeheuert mit dem Ziel, Samsungs 20-Nanometer-DRAM-Technologie und andere Firmengeheimnisse zu stehlen und in China zu kopieren, so der Vorwurf der Polizei.

Insgesamt sollen 200 Koreanische Halbleiter-Entwickler für das Joint Venture angeworben worden sein. Dabei habe Polizeiangaben zufolge Chengdu Gaozhen die koreanischen Ingenieure zunächst zwei bis drei Jahre lang beschäftigt, bevor es versprochene Leistungen zurückzog und sie wieder entließ.

Der mit Choi verhaftete Halbleiterforscher, der Berichten zufolge bei dem chinesischen Joint Venture Chengdu Gaozhen als Leiter der Prozessentwicklung tätig war, soll eine entscheidende Rolle beim Anwerben der Angestellten und beim Diebstahl von Samsung-Technologie für das koreanisch-chinesische Joint Venture gespielt haben. Die Polizei ermittelt zudem derzeit noch gegen andere Mitarbeiter, die koreanische Firmen in Richtung Chengdu Gaozhen verlassen haben, um festzustellen, ob weitere Technologien gestohlen wurden.

„Normalerweise dauert es vier bis fünf Jahre, einen neuen Chip zu entwickeln, aber Chengdu Gaozhen schaffte es, Demonstrationswafer in nur einem Jahr und drei Monaten nach dem Start der Fabrik zu produzieren“, sagte der leitende Polizeiermittler Cho Kwang-hyun gegenüber Reportern. Die Poluei hatte im Februar diesen Jahres die Ermittlungen gegen das Joint Venture eingeleitet, dass seitdem seinen Betrieb ruhen ließ.

Forderungen nach verschärften Strafen für IP-Diebstahl

Im Zuge der jüngst offenbarten neuen Vorwürfe stellen asiatische Marktbobachter Forderungen aus der südkoreanischen Politik und Wirtschaft nach härteren Strafen für Technologiedelikte und Diebstahl geistigen Eigentums. Analysten zeigten sind zunehmend besorgt über den Abfluss kritischer Technologie, insbesondere nach China, inmitten eines eskalierenden globalen Chip-Kriegs zwischen China und den Vereinigten Staaten. Ein Sprecher der Polizei von Seoul betonte, dass der jüngste Samsung-Fall die Bedrohung der „wirtschaftlichen Sicherheit“ Südkoreas unterstreiche.

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„Dieser Fall unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Technologiesicherheit in Südkorea zu stärken“, zitierte anlässlich des Vorfalls die Soutch China Morning Post einen leitenden Forscher am Korea Institute for International Economic Policy, Choi Won-seok. „Wenn Vorfälle wie dieser weiterhin auftauchen, könnten sie die Lieferketten und die technologische Zusammenarbeit zwischen Südkorea und China beeinträchtigen“, warnte er - zumal koreanische Halbleiterfirmen ihre Investitionen in China auf Druck der USA zurückfahren. (sg)

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