Elektronische Handschriftenerkennung Digitaler Kugelschreiber legt erfolgreichen Start hin

Redakteur: Franz Graser

Das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat zusammen mit Technikpartnern den Digipen entwickelt – eine digitale Stiftlösung zur automatischer Erkennung handschriftlicher Eintragungen in Formulare.

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Das Formularpapier ist mit einem sogenannten Anoto-Muster versehen. Dieses Punktmuster wird vom Digipen erkannt. So kann das analoge Schriftbild digital aufgezeichnet werden.
Das Formularpapier ist mit einem sogenannten Anoto-Muster versehen. Dieses Punktmuster wird vom Digipen erkannt. So kann das analoge Schriftbild digital aufgezeichnet werden.
(Bild: DFKI)

Mit dem Digipen, so Professor Andreas Dengel, Leiter des Forschungsbereiches Wissensmanagement am DFKI, „werden handschriftliche Daten sofort digitalisiert, in elektronischen Text umgewandelt und zur Weiterverarbeitung an diverse Systeme weitergeleitet. So wird die Kluft zwischen handschriftlichen Aufzeichnungen und existierenden EDV-Infrastrukturen von Unternehmen überbrückt.“

Die Funktionsweise des digitalen Stifts erläutern die Forscher des DFKI am Beispiel eines Berater-Kunden-Gespräches: Vor dem Beratungsgespräch werden die Formulare am Computer erstellt und mit den bereits vorhandenen Kundendaten versehen ausgedruckt. Dabei wird das Papier mit einem sogenannten Anoto-Muster versehen, einem individuellen, fast unsichtbaren Punktmuster.

Im Kundengespräch wird das Formblatt dann mit dem Digipen ausgefüllt. Der Stift verfügt über ein infrarotbasiertes Kamera-System, das anhand des Anoto-Musters auf dem Papier genau erkennt, wo der Stift aufgesetzt und was geschrieben wird. So wird das analoge Schriftbild digital aufgezeichnet und die handschriftlichen Notizen gespeichert.

In einer Docking-Station werden die Daten des Stifts per Bluetooth oder USB-Schnittstelle an einen Computer oder den Firmenserver übertragen. Das im DFKI entwickelte Programm zur Handschrifterkennung analysiert und digitalisiert die Daten, bevor sie in Form eines elektronischen Textes an eine Datenverarbeitungssoftware gesendet werden. Natürlich können in der Software noch Korrekturen im Text vorgenommen werden.

Keine Chance für Fälschungsversuche

Darüber hinaus entlarvt die elektronische Stiftlösung auch Täuschungsversuche. Neben der Erfassung von handschriftlichen Notizen wird eine fortgeschrittene elektronische Signatur und somit eine rechtsverbindliche digitale Unterschrift erzeugt. Aktuell wurde in das System eine automatische Unterschriftsverifikation integriert. Sie prüft, ob bei der Unterzeichnung ein Fälschungsversuch vorliegt.

Ein digitales biometrisches Referenzmodell der Unterschrift kann so beispielsweise auf einer Kundenkarte hinterlegt sein und jede neue Unterschrift automatisch verifiziert werden – sicherer als eine schnelle visuelle Überprüfung durch einen Berater.

Seit Oktober 2012 wird das System erfolgreich in der Kreissparkasse Kaiserslautern (KSK), einer der größten Sparkassen in Rheinland-Pfalz, eingesetzt. Auch auf dem Innovationskongress der Sparkassen wurde der Digipen vorgestellt. Allein im Umfeld der über 400 Sparkassen in Deutschland sind einige Zehntausende von Mitarbeitern täglich mit Kundengesprächen befasst. Die ausgefüllten und unterschriebenen Dokumente werden typischerweise gesammelt, an die Zentrale geschickt und dort per Hand in die Bestandssysteme eingepflegt.

In den insgesamt 50 Geschäftsstellen der KSK Kaiserslautern wurden mittlerweile 250 Arbeitsplätze mit dem digitalen Stift ausgestattet. Europaweit ist es das erste Mal, dass eine zertifizierte Anoto-Stiftlösung für rechtlich relevante Kundenunterschriften im Banking-Bereich eingesetzt wird.

„Durch die Möglichkeit, in jedem Stift 80-100 DINA4 Seiten zu speichern und mobil als Bild oder als unveränderbares PDF zu übertragen, sparen wir uns die Digitalisierung und zentrale Erfassung der Daten“, so Kai Landes, Mitglied des KSK-Vorstandes. „Das Formular erhält somit einen rechtsverbindlichen Charakter und die erkannten Formulardaten sind nahtlos in vorhandene Prozessstrukturen integrierbar sowie ohne Zeitverlust elektronisch verarbeitbar.“ Vom Bezirksverband Pfalz wurde das gemeinsame Projekt nun für den Zukunftspreis Pfalz 2013 nominiert.

Aufgrund des erfolgreichen Praxistests wurde das Unternehmen Digipen Technologies als eigene Firma mit Sitz in Kaiserslautern ausgegründet. So kann sich die DFKI-Technologie weiter am Markt behaupten und verbreiten.

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