Verbesserter Informationsfluss Digitaler Produktpass wird für erste Produkte ab 2027 zur Pflicht

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Ab 2027 wird der Digitale Produktpass (DPP 4.0) für Hersteller erster elektronischer Produkte verpflichtend. Basierend auf den Standards IEC 63278 und IEC 61406 bietet er eine flexible und erweiterbare Lösung und verbessert den Informationsfluss und die Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus. In der übergreifenden Keynote am zweiten Kongresstag der Power of Electronics 2024 erfahren die Teilnehmer, was es jetzt zu beachten gilt.

Mit dem digitalen Produktpass soll ab 2027 ein verbesserter Informationsfluss möglich sein sowie die Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus nachweisbar sein.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Mit dem digitalen Produktpass soll ab 2027 ein verbesserter Informationsfluss möglich sein sowie die Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus nachweisbar sein.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Transparenz ist in der modernen Wertschöpfungskette wichtig. Um den Überblick zu erhalten, kann ein Digitaler Produktpass helfen. Denn solch ein Digitaler Produktpass sammelt und speichert alle relevanten Informationen zu einem Produkt von der Herstellung über den Gebrauch bis zur Entsorgung. Damit lassen sich transparent und lückenlos alle relevanten Informationen nachverfolgen und dokumentieren, was wiederum zu besseren Entscheidungen und optimierten Prozessen führt.

Für die Unternehmen bieten die bereitgestellten Informationen die Möglichkeit, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise durch die Auswahl umweltfreundlicher Materialien oder optimierter Produktionsprozesse. Zum Lebensende eines Produktes lässt es sich effektiver recyceln und die Materialien wiedergewinnen.

Der digitale Produktpass

Somit trägt ein Digitaler Produktpass bei richtiger Ausgestaltung – dezentral und sektorspezifisch – zu einem verbesserten Informationsfluss über den gesamten Produkt-Lebenszyklus bei. Die Einführung eines solchen Digitalen Produktpasses, wie er aktuell unter dem Gesetzesentwurf für die EU-Ökodesign-Verordnung diskutiert wird, sollte so ausgestaltet werden, dass die Bedürfnisse der gesamten Produktregulierung EU-weit einheitlich adressiert werden.

In seiner Keynote am 12. September auf der Power of Electronics wird Kai Garrels von ABB über den digitalen Produktpass sprechen.

Kai Garrels von ABB wird in seiner übergreifenden Keynote auf der Power of Electronics über den digitalen Produktprass (DDP 4.0) sprechen.(Bild:  ABB)
Kai Garrels von ABB wird in seiner übergreifenden Keynote auf der Power of Electronics über den digitalen Produktprass (DDP 4.0) sprechen.
(Bild: ABB)

Herr Garrels, in Ihrer Keynote sprechen Sie über den Digitalen Produktpass und wie sich der Informationsfluss über den gesamten Produktlebenszyklus verbessern soll. Was konkret können Elektronikentwickler aus Ihrem Vortrag für Ihren Arbeitsalltag mitnehmen?

Die Einführung des Digitalen Produktpasses ab 2027 stellt eine bedeutende Veränderung für Hersteller von elektronischen Produkten dar. Die ersten betroffenen Produktkategorien, die umfassenden Informationen im DPP sowie die geplanten Maßnahmen der EU-Kommission zur Optimierung des Datenaustauschs bieten vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, Effizienz und Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette. Hersteller sollten sich frühzeitig mit den Anforderungen vertraut machen und entsprechende Maßnahmen zur Implementierung des digitalen Produktpasses einleiten.

In meiner Keynote auf der Power of Electronics im September werde ich einen Einblick auf die als erstes betroffenen Produkt-Kategorien geben, welche Informationen der DPP enthalten soll und wie sich die EU-Kommission den Datenaustausch vorstellt.

Was ist das Konzept „DPP 4.0 – Der Digitale Produktpass für Industrie 4.0“, was sind die Hauptziele und wie kann das Konzept „DPP 4.0“ auf andere industrielle Anwendungen oder Sektoren übertragen werden?

Das Konzept des digitalen Produktpasses (DPP 4.0) bietet eine flexible, erweiterbare und standardisierte Lösung, um die EU-Anforderungen an Nachhaltigkeit und Klimaneutralität zu erfüllen. Der Einsatz der Verwaltungsschale (IEC 63278) und des Identification Link (IEC 61406) stellt sicher, dass sich der DPP 4.0 einfach implementieren lässt und gleichzeitig eine hohe Interoperabilität und Datenintegrität gewährleistet. Durch die EU-weite Standardisierung wird das System zu einem wertvollen Werkzeug für eine optimierte gesamte Wertschöpfungskette in der Elektronikindustrie. Der DPP4.0 ist unabhängig von geforderten Dateninhalten, flexibel erweiterbar, und daher einfach einsetzbar.

Knowhow und Networking-Event für Leistungselektronik- und Stromversorgungsexperten

Power of Electronics am 11. und 12. September 2024 in Würzburg

Power of Electronics
(Bild: VCG)

Das Elektronikevent für Entwickler und Ingenieure bündelt sechs Spezialkonferenzen, die sich angefangen von der effizienten Stromversorgung über die intelligente Nutzung von elektrischer Leistung, effektiver Elektronikkühlung, neuester Relaistechnik, bis hin zur geordneten Abführung der überschüssigen Energie erstrecken.
Buchen Sie ein Ticket und erhalten Sie die Möglichkeit, die Vorträge aller sechs Veranstaltungen zu besuchen.

Welche Best Practices gibt es für die Integration eines digitalen Produktpasses in bestehende Produktions- und Lieferketten und wie können kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) von der Einführung digitaler Produktpässe profitieren?

Zu den entscheidenden Best Practices gehören aus meiner Sicht: Produktlebenszyklusanalysen (Life Cycle Analysis, LCA) für Neuentwicklungen und auch für das bestehende Sortiment bereits jetzt durchzuführen, um die notwendige Datenbasis zu schaffen. Die IT-Systeme aufzurüsten oder neu aufzubauen, um standardisierte Produktdatensätze (und auch DPPs) zu liefern. Schließlich sollten sich die Unternehmen bei den Industrieverbänden wie ZVEI, VDMA u.v.a. über alle relevanten Trends in Bezug auf DPP und die neue Ökodesign-Verordnung auf dem Laufenden halten.

Übergreifende Keynote am ersten Kongresstag

(heh)

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