IBM Die Strategie nach der Übernahme von Telelogic

Redakteur: Martina Hafner

Im April übernahm IBM einen bisherigen Konkurrenten im Bereich der Software-Entwicklungswerkzeuge, die schwedische Telelogic. ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Renate Stücka und Bodo Körber darüber, welche Strategie dahinter steht und was die Kunden und der Markt für die Zukunft erwarten können.

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Telelogic ist nun Teil des IBM Produktbereiches Rational. Was bedeutet das konkret für die Mitarbeiter oder auch Standorte?

Organisatorisch wird Telelogic in den Geschäftsbereich IBM Rational eingegliedert. Als funktionale Einheit werden die Telelogic-Mitarbeiter noch einige Zeit wie gehabt als Team zusammenarbeiten. Damit ist sichergestellt, dass die gewohnten Ansprechpartner für Kunden erhalten bleiben.

Bei der Regelung der Standorte verfolgt IBM einen sehr pragmatischen Ansatz. Telelogic hat viele eigene Niederlassungen, einige davon in den selben Städten wie IBM. Es wird jeweils geprüft, welche Niederlassung besser geeignet ist, z.B. in Bezug auf Größe, Kapazität oder Infrastruktur.

Welche Synergien ergeben sich aus der Übernahme?

Viele Firmen haben heute zwar in den einzelnen Unternehmensbereichen die Prozesse relativ gut abgedeckt, wie z.B. im Entwicklungsbereich die Produktplanung oder Entwicklung einzelner Elektronikkomponenten. Auch auf der Unternehmensseite wurden die Geschäftsprozesse über die Zeit optimiert und man hat Rationalisierungseffekte erzielt. Die vorhandene IT-Infrastruktur ist in der Regel relativ komplett.

Um Unternehmen besser für die Zukunft zu rüsten stellt sich im nächsten Schritt jedoch die Frage, wie sich diese Bereiche in Einklang bringen lassen. Wie lässt sich also z.B. sicherstellen, dass die Geschäftsprozesse und strategischen Entscheidungen auch in der Entwicklung berücksichtigt werden? Dazu kommt die Verbindung in den Betrieb, also, die Frage, wie ich Probleme, Erfahrungen oder Restriktionen aus der Produktion in die Planung und Entwicklung einfließen lassen kann.

Viele dieser Schnittstellen werden heute noch nicht durch entsprechende Lösungen abgedeckt. Oftmals verlässt man sich darauf, dass die Menschen miteinander sprechen und wichtige Informationen austauschen. Ohne eine strukturierte Prozessumgebung funktioniert das allerdings nicht immer. Durch die Integration von bereichsübergreifenden Werkzeugen werden viele potenzielle Fehlerquellen ausgeschaltet.

Diese Brücke zu schaffen zwischen den einzelnen Unternehmensbereichen sehen wir als den nächsten relevanten Schritt. Da sind IBM Rational und Telelogic gemeinsam besser aufgestellt als jeweils alleine.

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Welche Lösungen möchten Sie hierfür dem Markt in Zukunft anbieten?

Ein zentrales Thema ist die Team Collaboration Plattform Jazz, die als Basis dient, um die unternehmensweite Integration zu schaffen. Sie bietet ganz neue Möglichkeiten für die Synchronisation von Werkzeugen in den verschiedenen Unternehmensbereichen. Man muss sich Jazz als eine Integrationsplattform vorstellen. In der Vergangenheit wurde bei der Toolintegration klassisch mit einer Punkt-zu-Punkt-Integration gearbeitet, also z.B. die Integration der Tools Doors und Rhapsody. Möchte ich nun ein weiteres Werkzeug anbinden, wird es schon schwieriger. Mit einer Plattform wie Jazz wird diese Integration wesentlich einfacher weil ich in dieser Umgebung lediglich die Einbindung eines Werkzeuges implementieren muss. Damit habe ich dann z.B. über Doors Zugriff auf alle möglichen Informationen aus anderen Werkzeugen die sich auf derselben Plattform befinden. Durch die Kombination der Lösungen von Telelogic und IBM können wir für alle Bereiche die passenden Werkzeuge auf Basis von Jazz anbinden. Und der willkürliche Charakter der menschlichen Informationsweitergabe enfällt.

Jazz schlägt aber nicht nur die Brücke zwischen den Unternehmensbereichen Geschäftsprozesse, Entwicklung und Produktion, sondern bietet zusätzlich die notwendige Prozessumgebung. Denn Werkzeuge alleine sind keine Lösung. Jazz bietet also Werkzeuganbindung, Kooperationsbasis und Prozesse. Diese Kombination macht die Plattform so faszinierend und leistungsfähig. Der Weg dorthin wird allerdings ein evolutionärer sein. Uns ist es wichtig, dass wir unsere heutigen Kunden auf dieser Reise mitnehmen. Firmen die heute mit unseren Lösungen arbeiten werden dann die Möglichkeiten haben, mittels Upgrade auf die Jazzplattform zu wechseln.

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