Binnen zwei Monaten übernimmt Spectra zwei Konkurrenten. Der IPC-Anbieter verfolgt dabei klare Ziele. Geschäftsführer Klaus Rottmayr erklärt im Interview, warum der Schritt lange geplant war, wie Kunden davon profitieren sollen und was nun auf dem Plan steht.
Zwei Übernahmen in einem Jahr: Geschäftsführer von Spectra Klaus Rottmayr stellt die beiden ehemaligen Geschäftsführer als Business Development Manager ein.
(Bild: Spectra)
ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Rottmayr, zwei Übernahmen innerhalb weniger Monate. Warum jetzt? Was war der Auslöser für die Expansionsstrategie?
Klaus Rottmayr: Unter der sogenannte Expansionsstrategie verstehen wir intern eine langfristig stabile und eigenfinanzierte Wachstumsstrategie. Für uns liegt der feine Unterschied darin, dass wir das Wachstum nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als ein konkretes Mittel, um Spectra als den größten unabhängigen Anbieter von kundenspezifischen Industrie PC für die Automation zu etablieren.
In den vergangenen Jahren sind wir stark organisch gewachsen. In 2024 haben weiteres Wachstumspotenzial identifiziert – insbesondere durch gezielte Firmenübernahmen im Rahmen unserer Unternehmensstrategie. Da solche Projekte in der Regel eine längere Planungsphase erfordern, erfolgte die Umsetzung planmäßig im Jahr 2025. Es gab also keinen einzelnen Auslöser, sondern vielmehr die konsequente Realisierung einer langfristig geplanten Maßnahme.
Zusammengefasst können wir sagen, dass wir durch die Übernahmen unseren Kunden heute mehr bieten als je zuvor – ein größeres Portfolio, zusätzliche Leistungen und gebündeltes Know-how. Gemeinsam sind wir am Markt spürbar stärker, und diese neue Schlagkraft macht sich direkt in greifbaren Vorteilen für unsere Kunden bemerkbar.
EP: Gab es ein übergeordnetes Ziel, das beide Zukäufe bedienen? Oder hatten Sie unterschiedliche Beweggründe bei Compmall und ICP?
Rottmayr: Im Prinzip folgen beide Übernahmen unserem übergeordneten Ziel: Spectra als den größten unabhängigen Anbieter von kundenspezifischen Industrie PC für die Automation zu etablieren. Spectra ist seit 43 Jahren am Markt tätig und ist seitdem stetig gewachsen. Dabei haben wir jeher unsere finanzielle als auch strategische Unabhängigkeit bewahrt. Im Prinzip bieten wir unseren Kunden internationale Stärke bei mittelständischer Nähe und hierzu passten die Ausrichtung und Mentalität der beiden Unternehmen Compmall und ICP sehr gut.
EP: Was verlief aus Ihrer Sicht am schwierigsten bei den Akquisitionen?
Rottmayr: Die größten Herausforderungen bestanden darin zum einen die Kunden zeitnah, umfangreich und transparent zu informieren und zum anderen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig mit einzubeziehen.
Auf Kundenseite sprechen wir hier von mehreren Tausend Kontakten, die wir innerhalb kürzester Zeit informiert und kontaktiert sowie deren Rückfragen beantwortet haben. Im Nachgang stehen nun noch vor Ort Termine durch unseren Field Sales an, um unsere neuen Kunden besser kennenzulernen und mögliche Potentiale zu besprechen.
Da uns das Know-how der Fachkräfte sehr wichtig ist, war im Vorfeld klar, dass wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernehmen wollen. Durch das frühe Einbeziehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten wir auf individuelle Themen eingehen.
Aber am schwierigsten und aufwendigsten war sicherlich die Datenübernahme aller Stamm- und Bewegungsdaten, die für den Geschäftsbetrieb relevant sind. Glücklicherweise sind wir mit unserer Software-Infrastruktur und unserem erfahrenen Personal so gut aufgestellt, dass viele dieser Daten automatisch in unser leistungsstarkes und umfassendes ERP- und CRM-System übernommen werden konnten. Ohne so eine gute Infrastruktur wäre eine erfolgreiche Übernahme undenkbar gewesen.
EP: Was unterscheidet Compmall und ICP Deutschland aus Ihrer Sicht – technologisch, kulturell, vom Kundenzugang her?
Rottmayr: Technologisch gesehen waren beide Firmen in der gleichen Branche und hatten ein ähnliches Portfolio, dennoch hatten sie einen unterschiedlichen Kundenzugang und unterschiedliche Schwerpunkte: Compmall hatte sich stark auf kundenspezifische Sonderlösungen spezialisiert und ICP war sehr breit im Komponenten- und Systemgeschäft aufgestellt. Daher gab es wenig Überschneidungen im Kundenstamm.
In Bezug auf ihre Kultur waren beide Unternehmen modern in ihrer Kommunikation sowie schnell und agil in ihrem Handeln. Und beide waren sehr kundenzentriert. Alle diese Eigenschaften passen hervorragend zu der Kultur von Spectra.
EP: Gab es Überschneidungen im Produktangebot und wenn ja, wie gehen Sie mit Redundanzen um?
Stand: 08.12.2025
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Rottmayr: Natürlich gibt es auch Überschneidungen im Produktangebot, das bleibt nicht aus. Meist sind es aber keine richtigen Überschneidungen, denn es gibt kleine, aber feine Unterschiede, die für unsere Kunden wichtig sind. Daher werden wir zuerst einmal alle Kunden weiterhin mit ihren gewohnten Lösungen bedienen. Mittelfristig werden wir unser Produktangebot so optimieren, dass es die Überschneidungen nur noch dort gibt, wo sie Sinn machen. Und langfristig entscheidet sowieso der Markt, das heißt unsere Kunden darüber, wo wir unseren Schwerpunkt setzen werden.
EP: Wie verläuft die Integration der beiden Unternehmen organisatorisch? Getrennt, gleichzeitig oder nacheinander?
Rottmayr: Die Integration der beiden Unternehmen haben wir bewusst zeitlich getrennt geplant, so dass wir uns jeweils auf einen Vorgang voll konzentrieren konnten. Es ist nicht zu unterschätzen, welchen Aufwand eine solche Integration mit sich bringt.
Dabei war und ist uns der Dialog mit den Kunden sehr wichtig. Diesen Dialog wollten wir auf jeden Fall zeitnah und umfassend führen, daher haben wir diesen bereits sehr früh vorbereitet, da das einiger Vorbereitungszeit bedarf. Insgesamt wurde der Dialog kundenseitig sehr positiv angenommen.
Trotz der zeitlichen Trennung haben wir die Integrationsprozesse organisatorisch identisch gestaltet, das reduzierte den organisatorischen Aufwand erheblich. Zusätzlich haben wir auch großen Wert darauf gelegt, dass auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Compmall und ICP sowie von Spectra frühzeitig informiert und eingebunden waren, so wusste jeder, was geplant und was zu tun war.
EP: Was ändert sich durch die Übernahmen für Ihre Kunden konkret und kurzfristig?
Rottmayr: Unser erstes Ziel war und ist, dass sich im Zuge der Übernahme für unsere Kunden so wenig wie möglich ändert, da wir wissen, dass solche Übernahmen auch auf Kundenseite Aufwand bedeuten. Konkret mussten unsere "neuen" Kunden nur den geschäftlichen Kontakt ändern. Alles andere bleibt unverändert: Ansprechperson, Produkte, Preise, Lieferzeiten etc.
Unser zweites Ziel ist es, unseren Kunden weitere Mehrwerte zu bieten. Mit den Übernahmen stärken wir nicht nur unser Technologie-Portfolio, sondern gewinnen ein erfahrenes Team, das unsere Werte in puncto Qualität, Innovation und Kundenorientierung teilt. Mit der Bündelung unserer Kompetenzen können wir unseren Kunden ein breites Portfolio und zusätzliche Expertise anbieten.
EP: Zielten die Zukäufe auch auf bestimmte Branchen oder neue Marktsegmente ab?
Rottmayr: Ja und nein. Da Spectra seit langem Kunden aus vielen Branchen und Marktsegmenten bedient, war das kein zentrales Thema. Dennoch hat jede Firma unterschiedliche Schwerpunkte in diesen vielen Nischenmärkten, die zusammengefasst den großen Markt der Automatisierung ausmachen.
Aber natürlich freuen wir uns, dass Spectra nun einen noch breiteren und besseren Zugang zu wichtigen Wachstumsbranchen und interessanten Kunden hat.
EP: Rechnen Sie mit Reaktionen vom Wettbewerb, etwa durch ähnliche Übernahmen oder Preisdruck?
Rottmayr: Übernahmen sind in unserem Umfeld mehr oder weniger an der Tagesordnung. Meist sind es aber Großkonzerne, die solche Übernahmen tätigen. In unserem direkten Marktumfeld rechnen wir mit keinen Reaktionen.
EP: Planen Sie weitere Akquisitionen oder steht jetzt erst einmal Konsolidierung auf dem Programm?
Rottmayr: Es kann sich sicher jeder vorstellen, dass nun auf jeden Fall eine Konsolidierungsphase ansteht. Hierbei werden wir in erster Linie die Prozesse zusammenführen und optimieren. Anschließend steht eine Justierung unserer Ausrichtung an, das heißt wir müssen unser überarbeitetes Angebot auch entsprechend zum Markt hin kommunizieren. Und nicht zuletzt haben wir die Übernahmen durchgeführt, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Das heißt, mit einem erweiterten Portfolio und einem größeren Team wollen wir auch mehr Kunden bedienen.
EP: Wie messen Sie den Erfolg dieser Übernahmen? Woran machen Sie fest, ob der Schritt sich gelohnt hat?
Rottmayr: Diese Frage hatten wir uns bereits im Vorfeld gestellt. Hier spielen für uns drei Faktoren eine Rolle: Zuerst die Übernahme selbst. Hier überwachen wir, ob wir alle "neuen" Kunden weiterhin im gleichen Maße bedienen können. Bis dato hat das sehr gut funktioniert. Als Zweites haben wir uns eine Synergiequote vorgegeben, die wir durch das Zusammenführen der Ressourcen und durch das Optimieren der Abläufe erreichen wollen. Auch hier sind wir bis dato voll auf Kurs.
Und nicht zuletzt wollen wir eine bessere Marktdurchdringung erreichen, die wir an unseren Wachstumszahlen festmachen. Das wird sich in der Zukunft zeigen, aber auch hier sind wir auf Grund des Feedbacks, das uns bisher erreicht hat, zuversichtlich. (mc)