Renaissance der deutschen Industrie Deutschland – Produktionsstandort mit Zukunft

Autor / Redakteur: Sean Culey *, Christopher Nawrath, Co-Autor / Margit Kuther

In Deutschland zu produzieren sei zu teuer, unrentabel und Deutschland als Herstellungsland wäre nicht konkurrenzfähig. Was lange Zeit als unumstößlich galt, hat sich geändert.

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Sean Culey: ist Principal bei der Unternehmensberatung Solving Efeso
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(Bild: Solving Efeso)

Ende der 90er Jahre lagerte fast jedes dritte Unternehmen die Produktion aus, Arbeitsstellen wurden gestrichen und der Anteil der Industrie an der deutschen Wirtschaft ging drastisch zurück. All das hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Doch woher kommt diese Renaissance der deutschen Industrie?

Die Industrie ist nicht tot, sie muss sich nur neu ausrichten

Unternehmer und Forscher, die seit Jahren nach einem Weg suchen, die heimische Produktion wieder nach vorne zu bringen, haben erkannt: Die Industrie ist nicht tot. Sie muss sich nur neu ausrichten und zwar in Form einer völlig neuartigen Automatisierung. Der Lebenszyklus von Produkten ist mit den Jahren immer kürzer geworden – kaum leistet sich der User das aktuelle Smartphone-Modell, ist schon wieder der Nachfolger auf dem Markt.

Das macht eine Automatisierung der Herstellungsprozesse fast unmöglich, die Produktion kann mit dem Tempo der Produktentwicklung nicht mithalten, da die Planung und der Umbau der Maschinen zu viel Zeit in Anspruch nehmen. So sind die Hersteller auf den Menschen angewiesen, der flexibel auf neue Anweisungen reagiert, aber eben durch hohe Personalkosten in Deutschland auch teuer ist.

Die intelligente Fabrik vernetzt Maschinen und Fertigungsteile

Als Lösung gilt die intelligente Fabrik, Smart Factory: Forscher tüfteln schon seit geraumer Zeit an einer Fabrik, in der die Maschinen und die Fertigungsteile miteinander vernetzt sind und durch austauschbare Module extrem flexibel auf Neuheiten am Markt reagieren können. So können Hersteller ohne großen Aufwand auf individuelle Wünsche der Kunden eingehen.

Neue Industrieroboter sind kleiner, günstiger, intelligenter und weniger gefährlich für den Menchen

Natürlich ist das Thema Robotertechnik nicht neu – in der Automobilbranche werden inzwischen fast 80 Prozent der Herstellung von Robotern übernommen. Allerdings waren die meisten Industrieroboter bisher riesige schwere und teure Maschinen, denen es nur möglich war, eine Serie von präzisen Schritten zuverlässig auszuführen.

Sie zu programmieren war kostenintensiv, sie waren unflexibel und für den Menschen so gefährlich, dass sie oft durch Gitter von den Arbeitern getrennt werden mussten. Das alles ändert sich mit einer neuartigen Form von Roboter: Kleiner, günstiger und vor allem intelligent.

Die neue Maschinengeneration kann sich durch Kameras, Sensoren und Mikrofone auf neue Umstände und Umgebungen einstellen und Aufträge „verstehen“. Einer der Roboter kostet in der Anschaffung etwa das, was ein Arbeiter pro Jahr verdient – und der Roboter arbeitet Tag und Nacht.

Deutschland als Produktionsstandort erlebt eine Renaissance

Das alles klingt noch nach Zukunftsmusik, dennoch – die Produktion in Deutschland scheint auf lange Sicht wieder Sinn zu machen. Auch für Supply Chain Manager, denn eine heimische Industrie bietet große Vorteile für die Lieferkette:

  • Eine kürzere Supply Chain vereinfacht die Prozesse und verringert die Gefahr von Fehlern. Das „Stille-Post-Prinzip“ wird hier ausgeschaltet.
  • Kürzere Transportwege schonen nicht die Umwelt und das Kapital des Unternehmens.
  • Eine kurze Supply Chain ist eine effiziente Supply Chain: Viele Prozessschritte einer langen Supply Chain entfallen, so dass schnelle Reaktionszeiten und ein enger Kontakt zwischen Unternehmen und Dienstleistern möglich ist.

Automatisierung beeinflusst die globale Supply Chain

Doch auch für Unternehmen, die weiterhin auf eine ausgelagerte Produktion bauen, hat die Automatisierung der Industrie Auswirkungen auf alle Aspekte ihrer globalen Supply Chain:

Innovationen, die sowohl das Brandimage, das Marketing als auch den Verkauf unterstützen, werden einen Einfluss auf die gesamte Branche haben. So ist es auch bei den intelligenten Verkaufsautomaten, wie dem von Coca-Cola: Neben der Tatsache, dass die Kunden im Coca-Cola Freestyle ihr eigenes Getränk zusammenstellen können, liefert es dem Unternehmen automatisch wertvolle Informationen über das Verhalten der Nutzer. Welche Softdrinks werden in welchen Mengen zu welcher Uhrzeit konsumiert?

Mit anderen Worten: Wie muss ich als Unternehmen meine Supply Chain ausrichten, um ganz gezielt das zu liefern, was die Kunden wollen. Mehr noch: Ausgestattet mit einem GPS-Sender unterstützen die Automaten selbstständig das Wartungs-Management. Tritt ein Problem auf, kann der Automat selber feststellen, was los ist und sendet diese Informationen an das Unternehmen. Meist kann dann das Unternehmen via Fernsteuerung Abhilfe schaffen. Geht der Vorrat von Produkten zu Neige, sendet die Maschine einen Hinweis, so dass alles maßgenau nachgefüllt werden kann.

Sammeln von Kundendaten

Eine weitere clevere Methode, Kundendaten zu sammeln, hat sich die Supermarktkette Tesco in Korea ausgedacht. Speziell zugeschnitten für die Young Professionals, denen die Zeit zum Einkaufen oft fehlt, hat Tesco virtuelle Geschäfte an Knotenpunkten der öffentlichen Verkehrsmittel eingerichtet. Mit der sogenannten HomePlus App können die Nutzer die QR Codes der gewünschten Produkte scannen und sie bequem nach Hause liefern lassen. Seit dem Launch im April 2011 wurde die Anwendung knapp eine Millionen Mal heruntergeladen – unter Angabe persönlicher Daten versteht sich.

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