Heimcomputer-Pionier Der Schneider CPC wird 30 Jahre alt

Redakteur: Franz Graser

Im Frühjahr 1984 trat dem scheinbar übermächtigen Commodore 64 auf dem Heimcomputermarkt ein unentwegter Herausforderer gegenüber: Der Schneider CPC 464 stammte zwar ursprünglich aus Großbritannien, gewann aber auch die Herzen vieler deutscher User.

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Der Amstrad CPC 464 wurde in der Bundesrepublik Deutschland von den Schneider-Rundfunkwerken vermarktet. Deshalb war er hierzulande als Schneider CPC bekannt. Neben dem C64 war er in Deutschland wahrscheinlich der beliebteste Heimcomputer der 8-Bit-Ära.
Der Amstrad CPC 464 wurde in der Bundesrepublik Deutschland von den Schneider-Rundfunkwerken vermarktet. Deshalb war er hierzulande als Schneider CPC bekannt. Neben dem C64 war er in Deutschland wahrscheinlich der beliebteste Heimcomputer der 8-Bit-Ära.
(Bild: Amstrad CPC464.jpg / Bill Betram, Wikimedia Commons / BY-SA 2.5)

Wer den Schneider CPC 464 (CPC stand für „Colour Personal Computer“) zum ersten Mal einschaltete, sah sich beim Systemstart mit einem hierzulande fast unbekannten Herstellernamen konfrontiert. Der Copyright-Hinweis der Einschaltmeldung verwies nämlich auf eine Firma namens „Amstrad Consumer Electronics“.

Erst das Handbuch des Rechners lieferte die Lösung: Die mysteriöse Firma Amstrad war der eigentliche Hersteller des Computers und stammte aus Großbritannien, die Schneider Rundfunkwerke aus Türkheim übernahmen dagegen den Vertrieb des Rechners in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Die Firma Amstrad war das Kind des britischen Selfmademans Alan M. Sugar, der als jüngstes von vier Kindern in einer Sozialwohnung im Londoner Stadtteil Hackney aufwuchs. Mit 16 Jahren verließ er die Schule und begann kurz danach, Radioantennen für Autos und Elektrogeräte zu verkaufen. Daraus entstand 1968 das Unternehmen Amstrad. Der Firmenname war eine Abkürzung für „Alan M. Sugar Trading“.

Das Unternehmen konzentrierte sich unter anderem auf den Vertrieb von Unterhaltungselektronik, die aus dem Fernen Osten nach Großbritannien importiert und mit dem Amstrad-Logo versehen wurde. Der HiFi-Boom der siebziger Jahre führte dazu, dass auch Konsumenten mit schmalem Geldbeutel eine Stereoanlage mit Tape-Deck und Verstärker kaufen wollten.

Amstrad bediente diese Kundenklientel mit billig hergestellten Geräten. Über die Qualität der Produkte machte sich Firmengründer Alan Sugar offensichtlich keine Illusionen. Über den Verstärker Amstrad 8000, das erste Produkt, das seine Firma nach Großbritannien importierte, soll Sugar gesagt haben: „Der größte Haufen Mist, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“

Als in den frühen achtziger Jahren das Heimcomputer-Zeitalter anbrach, entstand gerade in Großbritannien ein bunt durchmischter Markt mit vielen unterschiedlichen Produkten. Clive Sinclair gehörte mit seinen Heimcomputern ZX 81 und ZX Spectrum zu den Pionieren, daneben gab es Firmen wie Acorn, die in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender BBC den Computer BBC Micro entwickelte, oder Dragon Data, die ebenfalls eine Zeitlang recht erfolgreich war. Dazu kamen die aus den USA importierten Heimcomputer von Commodore, Apple und Atari.

Insofern war Amstrad also eher ein Nachzügler, als die Firma im Frühjahr 1984 einen eigenen Heimcomputer auf den Markt brachte. Hardwareseitig setzte Firmenchef Alan Sugar auf Altbekanntes: Als CPU kam der bewährte 8-Bit-Prozessor Z80 von Zilog zum Einsatz, der zum Beispiel auch in den Sinclair-Rechnern ZX 81 und ZX Spectrum verbaut wurde. Die RAM-Ausstattung mit 64 Kilobyte war zu diesem Zeitpunkt auch schon mehr oder weniger Standard und anders als bei der Markteinführung des C64 keine Sensation mehr.

Dagegen hatte Sugar dank seiner Erfahrungen im Elektronikvertrieb vor allem eines begriffen. Die Kunden schätzten es, wenn sie ein Komplettpaket erwerben konnten und die einzelnen Komponenten eines Systems nicht bei unterschiedlichen Herstellern zusammensuchen mussten.

Was für Stereoanlagen galt, traf auch auf die Computer zu. Der Amstrad-Computer wurde deshalb immer zusammen mit dem Monitor verkauft (der Kunde konnte hier zwischen einem monochromen und einem teureren RGB-Monitor wählen); zudem war in dem Computergehäuse auch die Massenspeichereinheit fest eingebaut. Beim 464 war dies ein Kassettenlaufwerk, spätere Modelle verfügten über ein Floppy-Disk-Laufwerk, das Disketten im ungewöhnlichen Drei-Zoll-Format aufnehmen konnte. Dank dieser Gesamtsystem-Philosophie war der Amstrad-Rechner bereits kurz nach dem Auspacken betriebsbereit. Zudem blieb der heimische Fernseher von den Computer-Umtrieben des Nachwuchses verschont.

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